Wochenkommentar
Vertrauensbeweis in die Regierung

Wochenkommentar über die repräsentative az-Umfrage zu den Wahlen im Aargau

Christian Dorer
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Aargauer Regierungsgebäude

Aargauer Regierungsgebäude

wikipedia

n Wo gibt es das schon: Vier Wochen vor den Regierungsratswahlen würden die vier Bisherigen im ersten Wahlgang klar wiedergewählt. Alle lägen gleichauf mit 54 Prozent der Stimmen. Alle erhielten demnach Support auch von Wählern anderer Parteien. Zu diesem Schluss kommt die repräsentative Umfrage der Aargauer Zeitung. Mit einem solchen Wahlresultat würde sich der Wunsch der vier bisherigen Regierungsräte erfüllen, die proklamiert hatten: «Wir treten gemeinsam wieder an.» Nun zeigt die Umfrage dreierlei.

Erstens: Der Aargau ist ein Sonderfall, was seine Regierung betrifft. In keinem anderen Kanton stammt jeder Magistrat aus einer anderen Partei. Trotzdem harmonisiert die Regierung ausserordentlich gut - und das wird offenbar geschätzt. Da sind fünf Magistraten am Werk, die sich persönlich schätzen. Bei allen inhaltlichen Differenzen, die es hoffentlich gibt: Ein Krach dringt nie nach aussen. Ein harmonisches Gremium liefert natürlich nicht per se gute Resultate - ein zerstrittenes tut es jedoch bestimmt nicht.

Zweitens: Regierungsratswahlen sind Persönlichkeitswahlen. Deshalb kommen moderate, pragmatische Politiker gut an - und zu diesen gehören auch Urs Hofmann (SP) und Alex Hürzeler (SVP). Pointiert linke oder pointiert rechte Kandidaten hingegen finden keine Mehrheit.

Drittens: Die Wählerinnen und Wähler sind zufrieden mit ihrer Regierung. Vielleicht gerade deshalb, weil sie mehr aus soliden Schaffern und weniger aus grossen Visionären besteht. Das Umfrageergebnis ist ein Vertrauensbeweis. Wer im Aargau lebt, hat in der Tat nicht viel Grund zum Klagen: Der Kanton floriert, die Steuerlast ist erträglich, die Infrastruktur im Schuss. Der Einfluss einer Regierung auf das wirtschaftliche Wohlergehen wird zwar allgemein überschätzt, auf Wahlen hat es aber - im Guten wie im Schlechten - trotzdem grossen Einfluss.

Das Resultat dürfte speziell die Grüne Regierungsrätin Susanne Hochuli beruhigen. Wenn jemand gefährdet schien, dann sie. Sie führt das Departement mit den schwierigsten Dossiers, sie hat sich mit der geplanten Asylunterkunft in Bettwil in die Nesseln gesetzt, dazu kam der Ärger mit den Schützen und der Streit um Spitalstandorte. Doch die Zeit heilt Wunden, auch in der Politik. Hochuli wird mit ihrem gewinnenden Wesen wohl auch 2012 eine Mehrheit überzeugen. Zumal niemand antritt, der die Wähler begeistert: Sowohl Stephan Attiger (FDP) als auch Thomas Burgherr (SVP) liegen weit hinter den Bisherigen. Was beiden zu denken geben müsste: Sie haben gemäss Umfrage noch nicht einmal den vollen Support ihrer eigenen Parteiwähler.