Ratgeber Gesundheit
Verdacht auf ADHS - was tun?

Unser Sohn hat Probleme in der Schule. Die Lehrerin sagte, er habe vielleicht ein ADHS und Medikamente könnten ihm helfen. Was sollen wir tun?

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Gesundheit Aargau

Kathrin Scheid

Leitende Ärztin Ambulante Versorgung Kinder- und Jugendpsychiatrie PDAG

Ein ADHS ist charakterisiert durch starke motorische Unruhe, Unaufmerksamkeit und erhöhte Impulsivität. Die betroffenen Kinder können nicht still sitzen, wechseln ihre Aktivitäten häufig, tun sich schwer, bei einer Aufgabe zu bleiben und sind leicht ablenkbar. Sie können ihre Impulse nicht gut steuern, rufen dazwischen und können nicht abwarten, bis sie an der Reihe sind. Das hat oft auch Auswirkungen auf die Leistungen in der Schule. Wichtig ist in einer solchen Situation eine genaue Abklärung des Kindes, da es neben einem ADHS viele mögliche Gründe für Unaufmerksamkeit und Unruhe im Alltag gibt. Dabei wird z. B. mittels Fragebögen die Stärke der Symptomatik erhoben und wo sie überall auftritt. Es wird eine genaue Anamnese (Entwicklung des Kindes von der Geburt bis jetzt) erhoben, Belastungsfaktoren werden ermittelt, psychologische Tests durchgeführt und eventuell eine Blutuntersuchung veranlasst. Erst am Schluss dieses Prozesses kann die Diagnose ADHS gestellt werden oder eben nicht. Wenn ein ADHS vorliegt, haben sich Medikamente zur Behandlung der Symptome bewährt; sie können diese aber nicht «heilen». Wichtig sind deshalb auch pädagogische und psychotherapeutische Massnahmen, um das Kind in seinen positiven Verhaltensweisen zu bestärken und es beim Erlernen von Bewältigungsstrategien zu unterstützen. Als Medikamente werden in erster Linie Psychostimulantien eingesetzt. Damit kann die Aufmerksamkeit verbessert und Hyperaktivität sowie Impulsivität können reduziert werden. Die Medikamente lösen bei den von ADHS betroffenen Kindern keine Abhängigkeit aus, machen nicht «high» und stellen die Kinder auch nicht ruhig, wenn sie richtig dosiert sind. Eventuell können als Nebenwirkungen Appetitminderung, Einschlafstörungen, Bauch- oder Kopfschmerzen, selten auch bedrückte Stimmung, Unruhe oder Bewegungsstereotypien, auftreten. Die Nebenwirkungen sind reversibel, meist dosisabhängig und können durch langsames Aufdosieren minimiert werden. Sollte sich die Behandlung mit Psychostimulantien nicht bewähren, gibt es alternative Wirkstoffe. Weitere Informationen oder eine Anmeldung zur Abklärung: Tel. 056 462 20 10 E-Mail kj.zentrale@pdag.ch