FC Basel
Vaclik verzweifelt aber an seinen Vorderleuten - Wie lange macht der Tscheche das noch mit?

Der Goalie des FC Basel ist nicht zu beneiden: Während er Parade um Parade auspackt, sind seine Kollegen überfordert. Vaclik selbst macht mit seinen guten Leistungen auf internationalem Parkett auf sich aufmerksam.

Sebastian Wendel
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Leerer Blick: FCB-Goalie Vaclik.Key

Leerer Blick: FCB-Goalie Vaclik.Key

KEYSTONE

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte: Eine Minute ist vergangen seit dem 2:1-Siegtreffer von Paris Saint-Germain, da liegt FCB-Goalie Tomas Vaclik immer noch neben dem Pfosten. Der linke Arm gefangen im Netz. Sein Blick verrät Fassungslosigkeit, Wut, Verzweiflung, Ärger und Trauer in einem. Das darf doch nicht wahr sein!

Wann verzweifelt Vaclik? Wie in den Spielen zuvor in London und in Paris war er der beste Basler. Nur dank Vacliks Paraden durften seine Teamkollegen und das Publikum bis in die 90. Minute auf einen Punkt hoffen. Bis PSG-Verteidiger Meunier den Hammer auspackte. 1:2. Ein gerechtes Ergebnis, aber wegen seines Zustandekommens doppelt schmerzhaft. Allen voran für Tomas Vaclik.

Der Herr der Lüfte: Tomas Vaclik schnappt sich den Ball.
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Tomas Vaclik
Tomas Vaclik ist auch an der PK vor dem Champions League Spiel in London fokussiert.
Tomas Vaclik mit seinem tschechischen Landsmann Marek Suchy auf dem Weg zum Flughafen.
Tomas Vaclik beim Aufwärmen vor dem Training.
Mario Götze kommt in der WM-Quali nicht am neuen tschechischen Nationalkeeper vorbei.

Der Herr der Lüfte: Tomas Vaclik schnappt sich den Ball.

Keystone

Wenn es einen Gewinner in der bisherigen FCB-Saison gibt, dann ist es der 27-jährige Blondschopf aus der tschechischen Grossstadt Ostrava. Als Einziger des rot-blauen Ensembles betreibt er Eigenwerbung im glitzernden Schaufenster der Champions League. Mehr noch: In seiner dritten Saison beim FCB sind seine Leistungen mit jenen von Vorgänger Yann Sommer zu vergleichen. Diesen zog es nach der Saison 2013/14 in die Bundesliga. Dass inzwischen auch Vaclik im Visier der Vereine aus den europäischen Topligen ist, steht fest.

So grossartig die Leistungen des Goalies, kaufen können sich der FCB und Trainer Urs Fischer davon nichts. Weil es vor Vaclik zu viele Spieler gibt, die in der Champions League bislang nicht ihr Leistungsmaximum abrufen oder denen ganz einfach brutal die Grenzen aufgezeigt werden.

Steffen im Formtief

Letzteres gilt etwa für Renato Steffen: Am Dienstag verursachte er kurz vor dem Halbzeitpfiff einen Corner der Marke «dämlich», der zum 0:1 führte. Der negative Höhepunkt eines Abends, an dem Steffen nichts gelingen wollte, so sehr er auch kämpfte, wuselte, grätschte und provozierte. Fischer rügte Steffen für sein «naives Verhalten».

Steffen zum Hauptschuldigen zu machen, wäre jedoch ungerecht: Der FCB kam nur selten gefährlich vor das Gästetor, was neben der wacheren Performance der PSG-Verteidiger als noch im Hinspiel auch an der fehlenden Klasse in der FCB-Offensive lag. Bjarnason? Bis zum Schlussspurt ein Totalausfall! Doumbia? Ohne Stich gegen die Pariser Abwehrkanten und ohne die ganz grosse Laufbereitschaft. Delgado? Zwei Halbchancen, ansonsten hilflos gegen die enge Manndeckung der Pariser.

Thomas Meunier entscheidet mit einem Traumtor in der Schlussphase das Spiel.
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Serey Die sieht die rote Karte.
Urs Fischer zeigt an, wie es gehen sollte.
Basel - Paris
FCB-Captain Delgado.
Matuidi bringt Paris in Führung.
Ärger bei Delgado: Der Mittelfeldstratege vergibt eine Chance in der ersten Halbzeit.
Omar Gaber (Mitte) ersetzt den verletzten Michael Lang.
Basels Adama Traore kämpft gegen Verratti (r,) und Di Maria.

Thomas Meunier entscheidet mit einem Traumtor in der Schlussphase das Spiel.

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Und trotzdem hatte der FCB die grosse Chance, in Führung zu gehen. Kurz nach Zuffis 1:1 fiel der Ball Marc Janko vor die Füsse. Doch statt zu treffen, schlug der Österreicher zum Entsetzen von Fischer, seiner Kollegen und dem Grossteil der Zuschauer ein Luftloch. Zur Erinnerung: Im Sommer 2015 gegen Maccabi Tel Aviv vergab Janko eine ähnliche Chance: Damals fehlte dem FCB ein Tor in der Endabrechnung der Champions-League-Playoffs, vorgestern hätte Janko im Minimum einen Punkt sichern können. «Den muss er einfach machen», sprach Fischer Klartext.

Tomas Vaclik dürfte Jankos Malheur ebenfalls vor Augen gehabt haben, als er stattdessen den Ball im eigenen Tor liegen sah. Die Folge: Statt um das Weiterkommen in der Königsklasse, kämpft der FCB in drei Wochen in Sofia gegen Ludogorets um das Überleben im Europacup. Ein Sieg würde bedeuten, dass Rot-Blau zum siebten Mal in Serie europäisch überwintert. Eine Niederlage hingegen wäre das Out.