Geschichte
Urkunden belegen: Seit 567 Jahren gibt es die Langenthaler Fasnacht

Die Langenthaler Fasnacht ist nicht erst knapp 200 Jahre alt wie bisher behauptet. Ihre Ursprünge gehen mindestens bis ins Jahr 1444 zurück. Damals wurde sie nach heutigem Wissen erstmals in einer Urkunde schriftlich erwähnt.

Urs Byland
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Markus Gfeller (2. von rechts), Ober der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft, darf sich freuen. Das Narrentum hat in Langenthal eine grössere Tradition als bisher angenommen. MJW

Markus Gfeller (2. von rechts), Ober der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft, darf sich freuen. Das Narrentum hat in Langenthal eine grössere Tradition als bisher angenommen. MJW

Solothurner Zeitung

Am Anfang stand ein Artikel von Markus Gfeller, aktuell Ober der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft, publiziert im März dieses Jahres. In der Zeitschrift «Profil» der Reformierten Kirchgemeinde Langenthal beginnt Gfeller seinen Bericht über die Langenthaler Fasnacht mit dem Satz: «Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Fasnacht in Langenthal schriftlich dokumentiert.»

Dieser Satz ist Max Jufer, dem früheren Stadthistoriker, aufgefallen. «Ich wusste, das stimmt nicht, weil ich in meinen früheren Forschungen in alten Urkunden bereits auf Hinweise zur Fasnacht in Langenthal gestossen bin.» Damals hatte er diesen Hinweisen wenig Beachtung geschenkt. Im Zusammenhang mit der Aussage Gfellers erschienen diese Hinweise in einem neuen Licht. Jufer brauchte sich
dann nur noch zu erinnern, wo er die entsprechenden schriftlichen Hinweise nachlesen kann.

Die eine Urkunde stammt wie erwähnt aus dem Jahr 1444. Es handelt sich um einen Schiedsspruch Berns in einem Rechtsstreit zwischen St.Urban und Langenthal um die Grundherrschaft. Die Passage begann mit einem Hinweis auf die Ortszugehörigkeit der Langenthaler Zeugen in diesem Streit. «Die Langenthaler rückten mit einer dreifach stärkeren Zahl von Zeugen auf (als Bern): 2 von Bleienbach, 8 von Aarwangen, 5 von Roggwil, 18 von Lotzwil, 2 von Madiswil.

Die einen sagten aus, sie seien früher in Langenthal sesshaft gewesen, die anderen, sie hätten viel in Langenthal verkehrt.» Danach folgen summarisch aufgezählt die Aussagen der vielen Langenthaler Zeugen: «Die Langenthaler hätten also in den letzten Jahrzehnten, ohne Erlaubnis einzuholen, Tannen und Eichen gefällt, auch nach der üblichen Zeit gewässert und in der Langat frei gefischt, ohne je vom Abte (von St.Urban) gebüsst worden zu sein. Alte Leute sagten, dies sei in Langenthal von jeher so gewesen. Sie seien oft dabei gewesen, sagten einige übereinstimmend, dass die Bauern Holz verkauften und solches Geld verzehrt an kilchwinen, zu wienachten, zu vasnachten und zuo anderen ziten.» Es sei dann auch der Ammann «dabei gewesen oder nit». Für Alt-Stadthistoriker Jufer ist klar: «Hier ist die Fasnachtszeit gemeint.»

Nochmals 1464 erwähnt

Jufer weiss auch von einer zweiten Urkunde aus dem Jahr 1464 – «die Magna Charta Langenthals» –, die in Luzern aufbewahrt wird. «Dort taucht in einem Spruch auch das klein geschriebene Wort «vasnacht» im Zusammenhang mit Langenthal auf. «Laut eines weiteren Spruches gestattete der Abt den Langenthalern für die vasnacht (wohl zur Versteigerung), eine Tanne zu fällen.» Dies sei ein noch deutlicherer Hinweis, findet Jufer. Er erinnere sich an seine Jugend. «Wir standen am Hirsmäntig an der Strasse. Von Lotzwil her kam ein langer Zug, mit dabei ein von sechs Pferden gezogener Wagen und auf dem Wagen eine mächtige Tanne.» Diese sei das ganze Langete-Tal hochgeführt worden, bis nach Rohrbach in die Sagerei. «Das war die Fasnachtstanne, die versteigert wurde.»

Max Jufer erinnert sich an eine vergleichbare Tradition der Schorener Burger von Langenthal. Früher existierte noch ein «Amerika-Wald» in Schoren. «Der ist heute auf keiner Karte mehr zu finden. Das Holz haben die Burger verkauft oder versteigert. Mit diesem Holz haben sie Burger ausgesteuert, die nach Amerika auswanderten.»

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