az-Mediencamp
Unser tägliches Brot

Ein auflagenstarkes Medienunternehmen. Sechs vollgepackte Tage. 12 Junge Men-schen. Ein Newsroom. Kaum gestartet, neigt sich das Mediencamp der Aargauer Zeitung schon wieder dem Ende zu. Doch wie ist er jetzt, der Journalistenalltag?

Sandra Binzegger
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Unser tägliches Brot

Unser tägliches Brot

AZ
Für den grossen und kleinen Hunger zwischendurch - gesellige Mittagspause mit Lagerkoch Toni Widmer

Für den grossen und kleinen Hunger zwischendurch - gesellige Mittagspause mit Lagerkoch Toni Widmer

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Am Morgen ins Büro kommen und erst einmal die Zeitung lesen. Für viele ein Traum. Für Journalisten Realität. Am fünften Tag des Mediencamps sitzt der Handgriff schon perfekt. Noch bevor Taschen, Jacken und Co. abgelegt werden, wird gleich beim Eingang die aktuelle Ausgabe der Tageszeitung gepackt und zu Tisch gebracht.

Bewusst lesen

Der erste prüfende Blick gilt dem Mantel. Gemeint ist damit nicht etwa das Kleidungsstück das uns vor der frischen morgendlichen Brise bewahrt sondern die Titelseite, eben der Mantelteil wie sie im Journalismus genannt wird. Und dann kommen die Fragen.

Hat es eine Medien-Camp-Story gar auf die Titelseite geschafft und wurde zum Aufhänger des Tages? Wurden überall die Grundlagen der Fotografie berücksichtigt? Ist den Profis gar ein Tippfehler unter-laufen? Ist die Berichterstattung neutral und der Schreibstil flüssig? Artikel langjähriger Journa-listen werden auf Herz und Nieren geprüft und schnell kommt eine rege Diskussion in Gang. Doch auch die eigenen Texte werden kritisch begutachtet und stolz betrachtet. Ist halt schon schön, wenige Stunden nach getaner Arbeit das fertige Produkt in den Händen zu halten.

Muss ich das machen?

Spätestens 5 Minuten vor halb zehn ist die gemütliche Feedbackrunde vorläufig beendet. Die Redaktionssitzung steht auf dem Programm. ‚Kurz und kompakt‘ das Motto. Im Schnelldurch-lauf wird die aktuelle Ausgabe ausgewertet, die morgige Ausgabe besprochen, Themen fest-gelegt, Aufgaben verteilt und um Bilder und Anzahl Zeilen gefeilscht. Ehe die Sitzung für ge-schlossen erklärt wird, ist von einem Grossteil der Anwesenden schon keine Spur mehr.

Viele sind schon auf und davon - auf Stimmenfang im Einzugsgebiet. Egal ob Interview, Reportage oder Umfrage, es warten Geschichten die das Leben schreibt. Nur ein paar der Jungjournalis-ten sind nicht draussen unterwegs, sondern sitzen vertieft hinter leuchtenden Bildschirmen und geben bereits angefangenen Texten den letzten Schliff. Wieder andere stehen noch ganz am Anfang. Konzentriert sammeln Sie die ersten Ideen, feilen am Aufbau und fragen Kollegen um Rat. Auf einer Redaktion ebenfalls nicht mehr wegzudenken ist das Telefon. Ob schnurlos, mobil oder mit Kabel ist es ein treuer Begleiter und oft auch Retter in der Not um kurz vor Re-daktionsschluss noch einmal eine Redaktion einzuholen.

3..2..1...Fertigstellen

Irgendwann am späteren Nachmittag mischt sich unter das emsige Treiben ein leichtes Gefühl der Hektik. Dann nämlich wenn der Redaktionsschluss unaufhörlich näher kommt und die Zeit allmählich davon läuft. Ein Interviewpartner ist nicht am vereinbarten Ort erschienen, eine Schreibblockade hat für Verzögerung gesorgt oder ein wichtiger Ansprechpartner war bis vor kurzem nicht erreichbar. Ans fixfertige Layout oder an bearbeitete Bilder ist noch gar nicht zu denken.

Dann, ja dann ist ein erstes Glitzern auf der Stirn zu erkennen und der Puls steigt rasant an. Doch zum Glück ist dies nicht immer so. Je nach Tagesgeschehen und unvorher-sehbaren Hindernissen läuft es einmal wie geschmiert und dann wieder mühsam harzig. Erlö-sung bringt einzig der finale Mausklick auf „Fertigstellen" im Schreibprogramm. Dann ist Feier-abend. Bis am kommenden Morgen alles wieder von Vorne anfängt.

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