Zürich
Uni Zürich gibt öffentlichem Druck nach und sistiert Berufungsverfahren

Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, nimmt Stellung zur sofortigen Sistierung eines Berufungsverfahrens am Institut für Publizistikwissenschaft.

David Hunziker
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Wieder einmal wird die Universität öffentlich kritisiert. Bild: Matthias Scharrer

Wieder einmal wird die Universität öffentlich kritisiert. Bild: Matthias Scharrer

Am letzten Mittwoch veröffentlichte der «Tages-Anzeiger» einen Artikel über das Berufungsverfahren, das die Nachfolge des Publizistik-Professors Heinz Bonfadelli an der Universität Zürich regeln sollte. Es folgten heftige Reaktionen. Kritisiert wurde, dass ausschliesslich deutsche Kandidaten in der Auswahl verblieben seien. Aufgrund ihrer Herkunft und ihrer jeweils ungeeigneten fachlichen Spezialisierung liessen diese Kandidaten eine profunde Kenntnis der hiesigen Medienlandschaft vermissen, die der öffentlichen Ausschreibung nach aber zentraler Bestandteil des Anforderungsprofils sei.

Die Universitätsleitung reagierte nun mit der sofortigen Sistierung des Berufungsverfahrens. «Ich finde es bedauerlich», sagt Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, «dass das Verfahren öffentlich skandalisiert wurde und die Universität darauf reagieren musste. Doch die Sistierung war absolut notwendig.» Fischer begründet seinen Entscheid wie folgt: «Aufgrund des Artikels wurden einige der Kandidaten von den Medien direkt kontaktiert. Das Verfahren kann nicht weitergeführt werden, wenn keine Atmosphäre der Vertraulichkeit herrscht.»

Mitglieder der Berufungskommission – darunter drei Deutsche und ein Österreicher – seien auch direkt angegriffen worden, so Fischer. Ob die im Artikel geäusserten Vorwürfe gerechtfertigt sind, will er zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Auf den ersten Blick könne er keine Unstimmigkeiten entdecken. «Dass nur deutsche Kandidaten eingeladen werden, kann vorkommen», meint der Rektor. Entscheidend seien nur fachliche Kriterien.

Als Nächstes werde nun eine Delegation der Berufungskommission mit der Leitung der Universität zusammensitzen. Letztere werde dann prüfen, ob das Verfahren korrekt abgelaufen sei. Erst dann werde entschieden, wie das Verfahren fortzuführen sei.

Die Ereignisse, die der Universität Zürich ein weiteres Mal Negativschlagzeilen bescheren, veranlassen Fischer aber nicht dazu, die Berufungspraxis der Universität zu hinterfragen: «Bezüglich der Art, wie die Verfahren durchgeführt werden, sehe ich derzeit keinen Handlungsbedarf», sagt Fischer.

Diese Verfahren verlaufen jeweils dreistufig: Die Kommission, in der auch fachfremde Professoren Einsitz nehmen, trifft aufgrund der eingegangenen Bewerbungen eine erste Auswahl. Die anschliessenden Probevorträge sind öffentlich. Die Entscheidung der Kommission und der Universitätsleitung geschehen dann wiederum im Verborgenen. An den Verfahren wird oft kritisiert, dass sie intransparent seien und die Professoren des Instituts, an dem ein Lehrstuhl zu vergeben ist, fast im Alleingang über die Berufung entscheiden könnten.