Zoo
Umgestaltung im Zürcher Zoo: das Nashorn erhält ein neues Heim

Der Masterplan 2020 für die Umgestaltung des Zürcher Zoos sieht grosse Veränderungen vor. Massgeblich am Umbau beteiligt ist das Regensberger Architekturbüro L3P.

Barbara Gasser
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Umgestaltung des Zürcher Zoos
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Die Umgestaltung des Zürcher Zoos ist nicht das erste Projekt, das Landschaftsarchitekt Urs Baumgartner (rechts) und Architekt Martin Reusser gemeinsam verwirklichen.
Hinter zwei dieser Türen verstecken sich die schönsten Toiletten der Stadt Zürich
Kamele und Yaks bevölkern zusammen mit Kaschmirziegen die nachgebaute mongolische Steppe im Zoo Zürich.
Die zahlreichen Veränderungen stellen das Wohl der Tiere in den Vordergrund.

Umgestaltung des Zürcher Zoos

Sibylle Meier

5500 Planungsstunden haben Martin Reusser vom Architekturbüro L3P und sein Team letztes Jahr für die Projekte im Zoo aufgewendet. Gemeinsam mit Gesamtleiter und Landschaftsarchitekt Urs Baumgartner vom Büro Vetschpartner in Zürich plant er neue Anlagen und erneuert bestehende.

Der Einstieg ist L3P vor sechs Jahren mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs gelungen. «Nachdem unsere Firma den Wettbewerb für den Erweiterungsbau der Schulanlage Eichi in Niederglatt gewonnen hatte, kam ich in Kontakt mit dem Schulpfleger, der gleichzeitig Baucontroller im Zoo war. Aus einer einfachen Machbarkeitsstudie für eine energetische Sanierung wurde unser erstes grosses Zooprojekt mit der Umgestaltung des Eingangs, mit neuem Shop, Zoocafé und Besucherzentrum und der Neugestaltung des Kassenbereichs.»

Entstanden ist ein grosszügiger lichtdurchfluteter Platz mit Kassenstationen und schwungvoll geführtem offenen Dach. Mit dem Eintritt in den Zoo befindet man sich in einer anderen Welt. Das zeigt sich nicht nur bei den vielen verschiedenen Tierarten, sondern eben auch in der Architektur und der Landschaftsgestaltung, die für jeden Lebensraum das passende Umfeld schaffen.

Umgestaltung der Anlagen: der Masterplan

Seit Inkrafttreten des Masterplans 2020 im Jahr 1993 sind zwölf Ausbauschritte realisiert worden. Martin Reusser, Architekt und Geschäftsführer von L3P, hat seinen ersten Auftrag 2010 mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs mit Besucherplatz und Besucherzentrum bekommen. Eröffnung war 2013. In Zusammenarbeit mit Urs Baumgartner von Vetschpartner Landschaftsarchitekten AG, Zürich, folgte das Projekt der mongolischen Steppe, die es seit 2015 gibt.
Aktuell ist die Renovation der Aquarien im Gang, demnächst wird mit der Australienanlage begonnen, die Eröffnung ist auf Frühling 2018 geplant. Bereits in Angriff genommen wurden auch die Planungsarbeiten für das grösste Zooprojekt: der Neubau der afrikanischen Savanne. Auf dieser werden dann Giraffen, Nashörner, Zebras und Antilopen vereint für die Besucher erlebbar sein. Eröffnung soll im Jahr 2020 sein. (bag)

Mit dem neuen Eingangsbereich sowie der Umgestaltung der alten Elefantenanlage in eine Mongolische Steppe haben Reusser und das Team von L3P Kompetenz bewiesen. «Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist sehr wichtig», sagt er.

«Wir decken den gesamten Bereich von Entwurf, Ausführungsplanung und Bauleitung zu 100 Prozent mit unseren Mitarbeitern ab.» Deshalb seien sie effizient in der Umsetzung. «Es macht einen guten Eindruck, wenn wir sowohl den Zeitplan als auch die finanziellen Abmachungen einhalten», ergänzt Baumgartner.

Denkmalpflege redet mit

Der Zoobetrieb läuft während der Bauphasen weiter. Im Moment sind Arbeiter mit dem Umbau der Aquarien beschäftigt. In jenem Gebäude sind auch die Pinguine untergebracht, die jetzt im Freien bleiben. «Während im unteren Teil alles erneuert wird, können die Besucher trotzdem das obere Geschoss besuchen», erklärt Reusser.

Den Menschen den Zugang jederzeit zu gewähren ist das eine. Aber auch an die Tiere muss man bei der Planung neuer Anlagen denken. Im Moment wird Nashorn Jeremy an eine Transportkiste gewöhnt, mit der das Tier demnächst in den Nahen Osten verfrachtet wird.

Das Haus der Nashörner wird umgenutzt. Die Umbauarbeiten beginnen am 4. April. Wobei die Mauern und das Dach des markanten Gebäudes aus dem Jahr 1965, das vage an die Oper in Sydney erinnert, bestehen bleiben müssen. So will es die Denkmalpflege der Stadt Zürich. Doch damit haben Reusser und Baumgartner kein Problem. «Neu entsteht dort der Lebensraum Australien. Da passt dieses Haus bestens hin», sagt Reusser mit einem Schmunzeln.

Statt Nashörner sind dort in Zukunft Wallabys, Emus, Koalas und Warane anzutreffen. Einige Tiere halten sich auch draussen auf. Deshalb wird ein Weg durch das Areal führen. So können die Zoobesucher alles aus nächster Nähe erleben. Für diesen Teil des Projekts sind Baumgartner und Mitarbeitende des Büros Vetschpartner zuständig.

Über 150 Millionen Franken sind seit 1993, als der Masterplan 2020 in Kraft trat, für Um- und Neugestaltungen aufgewendet worden. Die beiden Architekten gehen davon aus, dass weitere 100 Millionen Franken nötig sein werden für die Realisierung weiterer Projekte.

«Der Vorteil ist, dass der Zoo Zürich eine AG ist und zu 75 Prozent von privaten Aktionären getragen wird», sagt Reusser. Das ermögliche rasche Entscheide und eine ebenso rasche Umsetzung der Pläne. So ist in zwei Jahren, von 2013 bis 2015, die mongolische Steppe entstanden, die Yaks, Kamele und Kaschmirziegen die passende Umgebung bietet. Mehrere Original-Jurten sind ebenfalls auf dem Gelände zu finden.

Mauern aus Natursteinen und ein höher gelegener Kiosk, ebenfalls aus Steinen gebaut, grenzen das Gebiet ab. Auf eine stilvolle Besonderheit macht Reusser aufmerksam. Die Besuchertoiletten dort seien die speziellsten in ganz Zürich. Der Boden und die Wände sind mit farbig gemusterten Kacheln verkleidet.