«Leubrüggli»
Ueli Hofer bändigt Papier mit der Schere

Bereits zum dritten Mal ist der bekannte Scherenschnittkünstler Ueli Hofer aus Trimstein in der Galerie zu Gast. Das Interesse an seiner Arbeit ist ungebrochen – gut 90 Personen besuchten die Vernissage.

Jana Fehrensen
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Ausschnitt von einem Scherenschnitt Ueli Hofers. jfl

Ausschnitt von einem Scherenschnitt Ueli Hofers. jfl

Solothurner Zeitung

Betritt man die Ausstellung von Ueli Hofer in der Galerie Leuebrüggli, befindet man sich urplötzlich in einem Paralleluniversum. Die Welt besteht auf einmal aus Traumlandschaften und faszinierenden Formspielereien – alles Ergebnisse Hofers filigraner Schneidekunst. Die Werke Hofers laden zum Verweilen ein. Immer wieder entdeckt man Details, die so fein sind, dass sie hinter dem Glas zu schweben scheinen. Der Scherenschnitt ist die Kunst der Langsamkeit und somit ein Gegenpol zur hektischen Welt.

Haben sich die Augen an die unglaubliche Feinheit der Werke gewöhnt, beginnt man den Form-, Motiv- und Facettenreichtum von Hofers Arbeiten wahrzunehmen. Da gibt es mehrfarbigen und traditionellen Scherenschnitt; manche Werke sind mit Goldpapier unterlegt, andere kombinieren den Scherenschnitt mit dreidimensionalen Collagen. Manche Bilder sprechen die traditionelle Bildsprache, die in der bäuerlichen Lebensweise verwurzelt ist. Sie zeigen Alpaufzug, Lebensbäume, Herzen und geometrische Ornamente.

Ein Hauch Mystik umweht die Werke. Diese Scherenschnitte beziehen ihre faszinierende Wirkung nicht nur von ihrer symmetrischen und harmonischen Gestaltung, sondern auch von der Frische mit der Hofer die uralten Motive immer wieder neu interpretiert. Wie etwa bei dem Bild «Rote Kühe», bei dem er durch sorgfältige Materialwahl ein traditionelles Motiv in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Andere Bilder wie etwa «Ursprung» oder «Regentag» verlassen den bäuerlichen Kontext und zeigen frei komponierte Landschaften, in die tiefgründige menschliche Erfahrungen eingewoben sind. Hofer setzt hier oft die Technik der Hinterlegung mit Goldfolie ein und erzielt dadurch Licht- und Schatteneffekte.

Plus Collagen und Skulpturen

Bei der dritten Bildergruppe interpretiert Hofer die Scherenschnitttechnik auf zeitgenössische Art und Weise. Dadurch bereichert er das Metier um neue Inhalte und Motive, wie etwa in dem Bild «Gastfreundschaft». Er reduziert die Formen auf das Wesentliche, die Umrisse sind klarer und weniger filigran ornamentiert, dafür erhalten die Bilder Tiefenwirkung und Perspektive. Es ist eine neue Facette in Hofers Schaffen.

Hofer ergänzt die Ausstellung mit Collagen aus alten Zifferblättern, abgebrochenen Uhrenzeigern, Porzellanscherben und Knöpfen sowie Skulpturen aus Alteisen.

Info: Ueli Hofers Werke sind bis 20. März in der Galerie Leuebrüggli zu sehen. Weitere Informationen online unter: www.leuebrueggli.ch