Kanton Zürich
Totenglöcklein für kleine Kirchgemeinden

Bei den Kirchgemeinden steht eine drastische Veränderung an. Der Reformierte Kirchenrat will im Kanton Zürich die Zahl der Kirchgemeinden bis 2018 mindestens halbieren.

Daniel Lüthi
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Die reformierte Kirchgemeinde Oberengstringen

Die reformierte Kirchgemeinde Oberengstringen

Sandro Zimmerli

Die nächsten Jahre dürften die Landkarte der reformierten Zürcher Kirche massiv verändern. Der Kirchenrat will möglichst nur noch Kirchgemeinden von mindestens 5000 Gemeindegliedern. Das schreibt er in seiner Antwort auf ein Postulat des Marthaler Synodalen Kurt Stäheli.

Das Postulat, das die Kirchensynode am 30. November 2010 überwiesen hat, trägt eigentlich einen harmlosen Titel: «Stärkung kleiner Kirchgemeinden durch gezielte Förderung der übergemeindlichen Zusammenarbeit.» Die Antwort des Kirchenrats fällt aber geradezu revolutionär aus. Der übergemeindlichen Zusammenarbeit komme mehr denn je eine zentrale Bedeutung zu. Dies aus mehreren Gründen: Die Mitgliederzahlen schrumpfen; die Finanzlage verschlechtert sich; die personellen Ressourcen werden knapp; die Erwartungen an die Kirche steigen.

Übergemeindliche Kooperation

Grundsätzlich sieht der Kirchenrat verschiedene Möglichkeiten der übergemeindlichen Kooperation:

Benachbarte Kirchgemeinden könnten in einzelnen Bereichen zusammenarbeiten; zum Beispiel den Konfirmationsunterricht gemeinsam durchführen oder die Gutsverwaltung durch die gleiche Person erledigen lassen.

Eine oder mehrere Kirchgemeinden könnten eine Pfarrunion bilden, das heisst, sie würden durch die gleiche Pfarrperson oder die gleichen Pfarrpersonen betreut.

Auch könnten zwei oder mehrere Kirchgemeinden einen Teil ihrer Kompetenzen abgeben, indem sie sich zu einem Zweckverband zusammenschliessen.

Fusion für Konzentration der Kräfte

Gemessen an diesen drei Modellen favorisiert der Kirchenrat indessen ein viertes mit tiefer Überzeugung: Nicht starr an den bisherigen Strukturen festhalten, sondern durch Fusionen eine «Konzentration der Kräfte» erreichen. «Das Anliegen eines ansprechenden und vielfältigen Gemeindelebens ist stärker zu gewichten als die Erhaltung des bisherigen territorialen Bestandes», schreibt die Exekutive der Landeskirche.

Professionellerer Umgang

Kleine Kirchgemeinden um jeden Preis zu erhalten, das könne nicht das vorrangige Ziel sein. Kirchgemeinden mit mindestens 5000Gemeindegliedern dagegen könnten professioneller auf die verschiedenen Erwartungen eingehen. Dem sogenannten «Feinverteilnetz» sei trotzdem Sorge zu tragen, indem auch in Zukunft in jeder Kirche Gottesdienste gefeiert würden.

So schwebt denn dem Kirchenrat vor, «im Rahmen eines umfassenden Veränderungsprozesses» den Bestand der Kirchgemeinden (heute 180) auf die Hälfte bis einen Drittel zu reduzieren. Den Prozess werde er durch fachliche Begleitung und Beteiligung an den Projektkosten fördern. «Die Veränderungen sind notwendig und lassen sich nicht aufschieben», heisst es im Bericht. Deshalb sollen schon sehr bald Gespräche geführt, Abklärungen getroffen und Lösungen entwickelt werden. «Solche Massnahmen sind einschneidend», schreibt der Kirchenrat. «Sie wecken Ängste und lösen Widerstände aus, die es ernst zu nehmen gilt.» Gemäss seinem Umsetzungsplan sollen die Fusionen am Ende der Amtsperiode 2014–2018 grösstenteils realisiert sein.

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