Wanderleitung
Thomas Mühlethaler: «Mein Vater musste sogar die Banknötli aufhängen»

Wanderleiter Thomas Mühlethaler wandert immer wieder auf den Chasseral. Er erzählt, was er als kleiner Bub in den Herbstferien im Berner Jura erlebte.

Fabian Muster
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Thomas Mühlethaler in seinem Wanderoutfit.

Thomas Mühlethaler in seinem Wanderoutfit.

zvg

Warum wandern Sie?

Thomas Mühlethaler: Die Schweiz hat auf engstem Raum eine so grosse Vielfalt in der Natur, die sich zu entdecken lohnt.

Zur Person

Thomas Mühlethaler, 52, aus Gränichen ist Tourenleiter bei der SAC-Sektion Aarau und besitzt die Ausbildung als Wanderleiter beim Schweizer Bergführerverband. Er leitet die «Famigros»-Wanderung von Frick nach Bözen.

Können Sie sich an ein prägendes Kindheitserlebnis erinnern?

In den Herbstferien gingen wir zum Wandern immer nach Les Prés-d’Orvin im Berner Jura. Nach einer Wanderung waren wir so durchnässt, dass mein Vater sogar die Banknötli aus dem Portemonnaie nehmen und aufhängen musste.

Welches ist Ihre Lieblingswanderung?

Alles rund um den Chasseral. Ich weiss nicht mehr, wie oft ich schon dort oben war.

Von welcher Wanderung hätten Sie mehr erwartet?

Das gibts nicht. Man ist nur enttäuscht, wenn man sich schlecht vorbereitet, weil die Erwartungen dann zu hoch sind. Mit dem heutigen Kartenmaterial sieht man sehr genau, ob einen zum Beispiel ein Naturpfad oder eine Teerstrasse erwartet.

Bei welcher Wanderung gabs Überraschungen?

Das hat meistens mit dem Wetter zu tun: In Saas-Fee mussten wir mal einen Umweg von anderthalb Stunden machen, weil ein Bach eine Brücke weggespült hatte.

Nach einem anstrengenden Wandertag: Was gönnen Sie sich?

Ein kühles Bier (lacht).

Nach welcher Wanderung waren Sie so richtig kaputt?

Nach einer Bergwanderung mit vielen Höhenmetern im Bündnerland war die Motivation wohl zu gross, dass ich mir vor allem wegen des Schlussabstiegs einen starken Muskelkater einfing.

Was war eines Ihrer schönsten Erlebnisse beim Wandern?

Auf dem Faulhorn im Berner Oberland sah ich plötzlich, wie etwas auf mich zuflog: Ich dachte zuerst, es sei ein Stein. Es war aber ein Schneehuhn!

Was haben Sie auf Wanderungen immer dabei?

Karte, Kompass, Höhenmesser, Apotheke und gute Laune (lacht).

Wann haben Sie Ihre letzten Wanderschuhe gekauft?

Vor drei Jahren, ich besitze aber mehrere. Je nach Wanderung braucht es Bergschuhe oder eher Trekkingschuhe.

Wie oft gehen Sie wandern?

Im Sommer im Schnitt zwei Wochenende pro Monat.

Wir bereiten Sie sich als Wanderleiter auf Wanderungen vor?

Ich mache eine detaillierte Tourenplanung: berechne die Marschzeit, suche nach Geschichten und schaue, wie das Wetter wird. Wenn immer möglich, laufe ich die Strecke zudem einmal ab. Dann weiss ich zum Beispiel, wo die guten Pausenplätze sind.