SVP
Thomas Burgherr: «Ich trete in vier Jahren wieder an»

Für den gescheiterten SVP-Kandidaten Thomas Burgherr sind FDP und CVP an derNiederlage Schuld. Das Amt des Regierungsrates fasziniert ihn, deshalb will er in vier Jahren wieder antreten.

Philipp Mäder
Merken
Drucken
Teilen
«Natürlich bin ich enttäuscht»: SVP-Regierungsratskandidat Thomas Burgherr mit seiner Tochter gestern im Grossratsgebäude.

«Natürlich bin ich enttäuscht»: SVP-Regierungsratskandidat Thomas Burgherr mit seiner Tochter gestern im Grossratsgebäude.

Chris Iseli

Sind Sie enttäuscht, dass Sie den Sprung in die Regierung nicht geschafft haben?

Thomas Burgherr: Natürlich bin ich enttäuscht. Ich bin schliesslich angetreten, um gewählt zu werden. Aber in den letzten vier Wochen habe ich gemerkt, dass es nicht möglich ist.
Woran haben Sie das gemerkt?
Die Regierung hat sich geschickt als Paket verkauft - mit Frau Hochuli als einziger Frau im Wahlkampf. Und es war für uns klar, dass ein Sitz der FDP gehört.
Sie liegen mit rund einem Drittel weniger Stimmen hinter Stephan Attiger und Susanne Hochuli. Haben Sie ein so klares Resultat erwartet?
Ja. Klar hatte ich gehofft, dass ich etwas besser abschneide. Aber die Konstellation war sehr anspruchsvoll. Zudem ist es für die SVP immer sehr schwierig, in die Regierung zu kommen. Auch in anderen Kantonen.
In Ihrem Bezirk Zofingen liegen Sie tausend Stimmen hinter Herrn Attiger. In Ihrer Gemeinde Wiliberg sind Sie gleichauf mit Frau Hochuli. Waren Sie die falsche Person für diesen Wahlkampf?
Ich hatte persönlich nach einer Frau als Kandidatin gesucht - und wir haben sehr gute Frauen in der SVP. Doch Sylvia Flückiger, Milly Stöckli und Vreni Friker wollten dieses Mal nicht kandidieren. Damit kam ich wieder ins Spiel. Ich sagte zu, weil es ein faszinierendes Amt ist, das ich sehr gerne gemacht hätte.
Bereuen Sie jetzt, selbst angetreten zu sein?
Ich habe immer gewusst, dass es ein Wagnis ist, in den Wahlkampf zu steigen. Deshalb bin ich jetzt zwar enttäuscht, aber weder traurig noch depressiv. Und ich freue mich, weiterhin SVP-Präsident zu sein.
War dieses Doppelmandat als Präsident und Regierungsratskandidat im Nachhinein doch ein Fehler?
Ich würde es wieder gleich machen. Aufgrund unserer Wählerstärke und unserer Themen müssten wir zwei Vertreter in der Regierung haben. Nun hat es halt nicht gereicht. Vielleicht reicht es in vier Jahren.
Sie kommen nochmals?
Ja, ich trete in vier Jahren wieder an - falls die Partei das ebenfalls will. Denn das Amt des Regierungsrats fasziniert mich.
Hat Sie Ihre Niederlage nicht doch ein wenig beschädigt in Ihrem Amt als SVP-Präsident?
Nein, ich bin nicht beschädigt. Wir haben bei den Grossratswahlen super abgeschnitten. Dafür bin ich ebenfalls mitverantwortlich - auch wenn ich erst ein halbes Jahr im Amt bin.
Sie haben Frau Hochuli im Wahlkampf kaum direkt angegriffen. Hätten Sie von Anfang an auf die Person zielen müssen?
Dann hätte die SVP einen anderen Kandidaten gebraucht. Ich bin nicht jemand, der auf die Person schiesst.
Aber in der Sache sind Sie ja durchaus Hardliner.
Ja, ich bin hart in der Sache. Aber auf Personen schiesse ich nicht. Zudem kenne ich Susanne Hochuli persönlich sehr gut. Aber in der letzten Woche vor den Wahlen hat es uns trotzdem den Nuggi rausgehauen, als wir sahen, dass Frau Hochuli nicht einmal persönlich an die Informationsveranstaltung zur geplanten Asylunterkunft in Koblenz ging. Ich bin überzeugt: Wenn wir auf die Person gespielt hätten, wäre das Resultat gleich geblieben.
Mit Ihrer Taktik, keinen bestimmten Sitz anzugreifen, waren Sie aber auch für die FDP gefährlich. Fehlten Ihnen deren Stimmen?
Ja, das war ausschlaggebend. Alex Hürzeler hat die FDP-Stimmen bekommen, ich nicht. Viele FDP-Wähler hatten Angst, dass ihr Kandidat Stephan Attiger in einen zweiten Wahlgang muss und schrieben mich deshalb nicht auf ihren Wahlzettel.
War das die Quittung für das fehlende bürgerliche Bündnis?
Ja, dafür ist die CVP verantwortlich, die ein solches Bündnis als erste ablehnte. Deshalb wollte dann auch die FDP nicht mehr mitmachen, die eigentlich unsere natürliche Verbündete wäre. Damit fehlten mir die Stimmen von CVP und FDP.
Hätten Sie die FDP doch irgendwie ins Boot holen sollen? Etwa mit einem Angriff auf Frau Hochuli?
Ich glaube nicht, dass wir die FDP dafür hätten gewinnen können. Auch wir wollten einen sauberen, lösungsorientierten Wahlkampf führen.
Haben Ihnen die negativen Schlagzeilen der SVP Schweiz geschadet?
Nein, sonst hätten wir im Grossen Rat unseren Wähleranteil nicht halten können. Darauf bin ich stolz. Ich bin ein glücklicher SVP-Präsident, kein unglücklicher Regierungsratskandidat. Mir ist wichtiger, dass die Partei ein gutes Resultat gemacht hat, als dass ich gewählt wurde.
Kürzlich mussten Sie Ihre Frau trösten, weil sie nicht Gemeinderätin wurde. Tröstet nun Ihre Frau Sie?
Ich hoffe es.