Superhirn Brady Dougan

CS-Konzernchef Dougan tauschte vor einem Jahr Bonusansprüche in CS-Aktien. Er lag damit goldrichtig. Mittlerweile hat er so viele CS-Aktien wie noch nie.

SaW Redaktion
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Perfektes Timing: Brady Dougan. Foto: Alex Spichale

Perfektes Timing: Brady Dougan. Foto: Alex Spichale

Schweiz am Wochenende

Der Chef der Grossbank Credit Suisse gilt als begnadeter Trader. Langjährige Mitarbeiter ziehen respektvoll den Hut, wenn sie über «Brady», den ausgebufften Händler der Paradeplatz-Bank, reden. Er sei blitzgescheit, sei überaus geldgetrieben, habe den Sinn fürs richtige Timing und schlägt kaltblütig zu, wenn sich eine Gelegenheit sieht. Wäre er Musiker, hätte er das absolute Gehör.
Eine perfekte Gelegenheit für einen grossen Trade ergab sich vor einem Jahr. Die Credit Suisse kam unter Beschuss, als die Nationalbank der Bank vorwarf, zu wenig stark kapitalisiert zu sein. Diese forderte die CS auf, ihre Eigenkapitaldecke unverzüglich deutlich aufzustocken. Die Nachricht war eine Bombe: Die Aktionäre nahmen Reissaus. Der Kurs fiel ins Bodenlose, im CS-Verwaltungsrat brach Hektik aus. Brady Dougan aber blieb cool. Sachte hob er den Fehdehandschuh auf, den ihm Nationalbank-Präsident Thomas Jordan ins Gesicht geschleudert hatte.
Dougans Reaktion kam am 18. Juli. Mit einem Paukenschlag kündigte er ein mehrstufiges Kapitalstärkungsprogramm an. Was fast unbemerkt blieb: Es umfasste auch ein spezielles Programm, das Mitarbeitern erlaubte beziehungsweise verpflichtete, Bonusansprüche in Bargeld in CS-Aktien umzutauschen. Statt Cash sollten die Mitarbeiter also Aktien als Bonus bekommen. Der Ausgabekurs war definiert – zu einem Vorzugskurs von Fr. 16.29 pro Aktie. Am 18. Juni ging die CS-Aktie zu einem Kurs von Fr. 18.30 aus dem Handel.
Wie sich im Rückblick zeigt, war dies ein perfektes Timing. Der absolute Tiefkurs erreichte die CS-Aktie am 2. August mit Fr. 16.01. Tiefer sank sie nie mehr. Im Gegenteil: Die CS-Aktien gewann wieder das Vertrauen der Anleger, der Kurs startete durch. Letzten Freitag schloss sie mit Fr. 28.60 – nahezu beim Höchst der letzten zwei Jahre. Dougan lag also goldrichtig: In einem Jahr machte er eine Rendite von 75 Prozent. Ein langjähriger CS-Händler sagt voller Bewunderung: «Das muss man ihm lassen, Brady hatte wieder einmal die richtige Nase.»
Und wie viel hat der Trade Brady Dougan bisher eingebracht? Aus dem Geschäftsbericht 2012 geht hervor, dass der Banker über eine halbe Million Aktienansprüche zugeteilt bekam. Diese hatten beim Tausch einen Wert von 8,9 Millionen Franken. Beim heutigen Kurs ist das Aktienpaket bereits über 15 Millionen Franken wert. Der Kursgewinn beträgt somit über 6 Millionen Franken – steuerfrei. Hätte Dougan die Cash-Ansprüche nicht gewandelt, läge der Gewinn bei null Franken.
Auch die weiteren sieben Geschäftsleitungsmitglieder machten beim einträglichen Wandelprogramm mit. Insgesamt beträgt ihr Buchgewinn gemäss heutigem Aktienkurs knapp 40 Millionen Franken.
Dougans goldener Trade ist doppelt schlau. Indem er Aktien statt Cash nimmt, entlastet er die Erfolgsrechnung und steigert Gewinn und Eigenkapital. Dies wiederum befeuert den Aktienkurs, was wiederum Dougan zugute-kommt. Zudem sind Dougans Interessen voll deckungsgleich mit denjenigen der Aktionäre. Deshalb kann man ihm auch keinen Strick drehen. Dies im Unterschied zum früheren PIP-BonusProgramm, das erhebliche Hebeleffekte beinhaltete und heftig umstritten war. Es bescherte Dougan einen einmaligen Bonus von über 70 Millionen. Der CS-Topmann hat seine Lektion gelernt und mit dem lukrativen Cash-Aktien-Tauschprogramm alle überrascht.
Brady Dougan setzt fast alles auf die CS-Aktie. Er besitzt per Anfang 2013 über 1,5 Millionen CS-Papiere und -Ansprüche. Angenommen, er hat im laufenden Jahr noch keine Aktien veräussert, beläuft sich der aktuelle Wert seines Credit-Suisse-Pakets auf knapp 45 Millionen Franken. Noch nie zuvor hat ein CS-Konzernchef derart viele CS-Aktien besessen.
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