Wynau/Wolfwil
Stromproduzent Onyx möchte mehr Aare-Strom für die Region

Der regionale Stromversorger Onyx überarbeitet sein Stollen-Projekt. Die aktuelle bernische Wasserstrategie rechnet mit einem Ausbau der Wasserkraft im Kanton Bern um 300 Gigawattstunden (GWh) jährlich.

Bruno Utz
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Das Aareknie Wolfwil-Wynau mit seinen Inselchen ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt.

Das Aareknie Wolfwil-Wynau mit seinen Inselchen ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt.

Urs Lindt

In diesem Umfeld überarbeitet der in den Kantonen Solothurn und Bern tätige Stromproduzent Onyx (früher Elektrizitätswerke Wynau) derzeit sein Ausbauprojekt 2.Etappe: Mit einem drei Kilometer langen Stollen unterhalb des bestehenden Kraftwerks Wynau möchte die BKW-Tochter Onyx das zusätzliche Gefälle von 3,5 Metern nutzen. «Mit dem Stollen könnten wir unsere CO2-freie Stromproduktion von derzeit 91 GWh auf 139 GWh steigern. Das entspricht dem Strombedarf von 35000 Haushalten», sagt Onyx-Direktor Fritz Schiesser.

Doch auch nach dem als Folge des atomaren Super-GAUs in Fukushima vom Bundesrat und Parlament beschlossenen Atomausstieg bleibt der Stollen umstritten: «Wir rechnen mit den gleichen Kreisen, die schon früher Widerstand leisteten», sagt Schiesser. Allen voran seien das wohl die Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare (ASA) und Pro Natura.

Kanton Bern wartet auf Onyx

Wieder aufflammen dürfte der gut 30-jährige Streit spätestens im Herbst dieses Jahres. Dann will Onyx bei der bernischen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) die nötigen Projektänderungen und -ergänzungen zum dort hängigen Baubewilligungsgesuch nachreichen. «Wir planen die nächsten Schritte, sobald das Gesuch bei uns eingeht», erklärt Heidi Wiestner vom BVE-Rechtsamt. Auf Nachfrage der BVE habe Onyx im vergangenen Herbst mitgeteilt, das Projekt «in gewissen Punkten» anzupassen.

«Wenn es sich bei den Änderungen nur um Kosmetik handelt», ändert sich unsere ablehnende Haltung kaum», sagt Jan Ryser Geschäftsführer Pro Natura Bern. Dieser Umweltverband vertritt in der Causa Stollen auch die Solothurner Sektion. «Weil sich der überwiegende Teil des Kraftwerks auf Berner Boden befindet», erklärt Ryser.

Aareknie im BLN-Inventar

Das Aareknie Wolfwil-Wynau sei der letzte Aare-Abschnitt mit natürlich dynamischem Wasserfluss unterhalb des Bielersees, monierten die Umweltverbände seinerzeit. Und mit dem Stollen sei die Restwassermenge in der Aare ungenügend. Zudem sei das Aareknie seit 1996 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) aufgeführt.

Onyx: Neuer Präsident

An der Unternehmensspitze der Onyx Energie Mittelland AG sind mehrere Wechsel absehbar. Vorausgesetzt der Wiederwahl durch die Generalversammlung vom 8. Mai soll alt Ständerat Rolf Büttiker (FDP) neuer Verwaltungsratspräsident der Onyx werden. Der Wolfwiler ersetzt Peter König, seit 2004 im Amt, aus Feldbrunnen.

Anstelle von Büttiker ist Hermann Ineichen (Münchenbuchsee) als neuer Vizepräsident vorgesehen. Er ist derzeit Delegierter des Onyx-Verwaltungsrates. Als Mitglied der BKW-Konzernleitung ist Ineichen verantwortlich für den Geschäftsbereich Energie Schweiz.

Bereits kommuniziert hat Onyx den Rücktritt von Direktor Fritz Schiesser per Ende Mai 2012. Schiesser tritt ein Jahr vorzeitig in den Ruhestand. Er wird ersetzt durch Arturo J. Egli, der seit 2003 in verschiedenen leitenden Funktionen bei der BKW Energie AG tätig ist. (uz)

Mehrfach habe die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) das Stollenprojekt negativ beurteilt. 2003 befand die ENHK, der Schutz der Landschaft sei wichtiger als die Steigerung der Stromproduktion. Das Ausbauprojekt sei von regionaler Bedeutung, der Schutz der Aare jedoch von nationaler Bedeutung.

«Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Ausbau der Wasserkraft. Es ist aber auch unser berechtigtes Anliegen, die rechtlichen Schutzbestimmungen zu verteidigen», sagt Ryser. Selber könnten die Verbände nichts entscheiden, sondern einzig ein Projekt einer rechtlichen Überprüfung zuführen. «Zu ‹Wynau› könne er sich erst wieder konkret äussern, wenn der Kanton etwas verfügt habe. Sicher sei jedoch, dass der Stollen das nationale Energieproblem nicht lösen könne.

«Fukushima darf nicht dazu führen, dass jetzt einfach alle Schleusen geöffnet werden», sagt Paul Flühmann. Der Biberister war früher ASA-Präsident und gehört jetzt als Solothurner Vertreter dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare an. Erst bei Vorliegen neuer Fakten werde sich ASA wieder zum Stollen äussern. «Im Grundsatz hat sich aber unsere Haltung nicht verändert», sagt Flühmann.

«So stimmte es für uns»

Bereits vor einigen Jahren habe sich der Bernisch Kantonale Fischereiverband (BKFV) aus dem Beschwerdeverfahren zurückgezogen, sagt Markus Meyer. Der Roggwiler SP-Grossrat ist Präsident des BKFV. Die Fischer hätten die von Onyx vorgesehenen ökologischen Ausgleichsmassnahmen als genügend erachtet.

«So stimmte es für uns». Doch seither habe der Kanton Bern zweimal das Gewässerschutzgesetz überarbeitet. «Und die neuste Fassung, mit erheblichen Verschärfungen bezüglich Ökologie, ist erst seit 2011 in Kraft», mahnt Meyer. Im Übrigen bedaure er, dass die Onyx nicht von sich aus auf die Umweltorganisationen und Verbände zugehe. «Das macht die Kraftwerke Oberhasli AG in Sachen Grimsel-Ausbau besser.»

Mit Verweis auf den Ruf nach der Förderung der erneuerbaren Energien sagt Onyx-Verwaltungsratsvizepräsident Rolf Büttiker: «Mit der Unterstützung des Stollenprojekts können all die Grünen und Umweltverbände den Tatbeweis erbringen, ob es ihnen mit der Förderung der Wasserkraft ernst ist oder ob sie lediglich Atomkraftwerke abschalten wollen.» Büttiker (siehe Kasten) erinnert auch an die «grosse Bedeutung» jedes einzelnen Wasserkraftprojektes. Dies im Zusammenhang mit dem vom Bund zuerst überschätzten Potenzial der Wasserkraft.