Ratgeber Gesundheit
Stimmungsschwankungen nach erfolgreicher Brustkrebsbehandlung

Ich (49) habe Ende April 2017 die Diagnose Brustkrebs erhalten. Drei Wochen später erfolgte eine brusterhaltende Operation. Um das Rückfallrisiko zu reduzieren, hatte ich eine Chemotherapie sowie eine Bestrahlung und habe anschliessend eine Antihormontherapie begonnen. Während der Behandlungszeit war ich psychisch stabil. Kurz danach sind aber Erschöpfung, Stimmungsschwankungen und Ängste aufgetreten. Wie ist das zu erklären?

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Gesundheit Aargau

Claudia Matter

Psychologin MSc, Konsiliar- und Liaisondienst Spitäler, PDAG

Jede Behandlung hinterlässt Spuren. Bei einer Krebserkrankung sehen sich Betroffene mit körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen konfrontiert. Die Rückkehr in den Alltag ist für viele Patientinnen und Patienten eine Herausforderung. Der Wunsch nach Normalität ist gross. Bis anhin vermittelte der regelmässige Kontakt zum Fachpersonal Sicherheit und die nächsten Schritte waren anhand des Behandlungsplans gegeben. Die Belastung wird den Betroffenen oftmals erst nach Abschluss der Therapie bewusst. Das Leben nach der Erkrankung wird mit dem Leben vor der Erkrankung verglichen. Durch die Auseinandersetzung mit dem Erlebten rücken neue Themen in den Vordergrund. Das Auftreten von körperlichen Symptomen (Müdigkeit, Schmerzen, Gefühlsstörungen) und psychische Reaktionen (Erschöpfung, Hilflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen) können zur Einschränkung der Leistungsfähigkeit führen. Die Krankheitsbewältigung beinhaltet loszulassen und die neue Situation anzunehmen und akzeptieren zu lernen. Alte Muster und Normen werden hinterfragt und neu priorisiert. Die Gewissheit, geheilt, aber doch noch nicht gesund zu sein, löst zudem häufig Angst vor einem Rückfall aus. Im Umgang mit den Veränderungen und der damit verbundenen Neuorientierung kann die Psychoonkologie helfen. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität. Das Angebot beinhaltet Beratung und Begleitung, das Stärken persönlicher Ressourcen sowie das Erlernen von neuen Strategien. Als Ergänzung zur medizinischen Behandlung bieten die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baden eine psychoonkologische Unterstützung an. Das Angebot umfasst Einzel-, Paar- oder Familiengespräche und kann ambulant sowie stationär genutzt werden. Weitere Infos erhalten Sie unter Tel. 056 461 97 00, E-Mail psychoonkologie@pdag.ch oder unter www.pdag.ch.