Neuer Regierungsrat
Stephan Attiger: «Bin froh, dass es im ersten Wahlgang klappte»

Jetzt ist es schwarz auf weiss: Stephan Attiger (FDP), amtierenden Stadtammann von Baden hat den Sprung in den Aargauer Regierungsrat geschafft. Seine Reaktion zeigt: Er freut sich auf seine neuen Aufgaben.

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Zunächst, Herr Regierungsrat, herzliche Gratulation zur souveränen Wahl auf Anhieb. Ihre Erwartungen wurden erfüllt?

Regierungsrat Stephan Attiger: Sie wurden übertroffen. Zwar habe ich mir das Ziel gesetzt, es im ersten Wahlgang zu schaffen. Doch dass ich das absolute Mehr um fast 24000 Stimmen übertreffen würde, das habe ich nicht erwartet.

Wurden Sie vor allem als Stephan Attiger, als Ostaargauer oder als Freisinniger gewählt?

Es war wohl genau der Mix aus diesen drei Dingen. Regierungsratswahlen sind Persönlichkeitswahlen, also spielt die Person sicher eine Rolle. Für viele Wähler war aber auch wichtig, dass der Ostaargau und dass auch die FDP nach wie vor in der Regierung vertreten sind.

Die FDP erlebte einen schönen Sonntag.

Ich freue mich sehr, dass die Partei auch in den Parlamentswahlen zulegen konnte. Zweitstärkste Partei nach Wähleranteilen, zwei Sitzgewinne im Parlament - das ist toll.

Haben Sie es erwartet?

Der Wahlkampf zeigte eine Partei in sehr guter Verfassung. Alle waren topmotiviert, glaubten an den Erfolg und arbeiteten hart für ihn.

Ist er nachhaltig?

Ich bin überzeugt davon. Im Rückblick wird man sagen: Diese Wahlen 2012 waren für uns Schlüsselwahlen.

Im Nominationsverfahren lief alles von Anfang an auf Sie hinaus. Viele vermuteten, dieser «Nichtkampf» könnte auf Ihr Ergebnis drücken.

Die FDP hat das Nominierungsverfahren sauber durchgeführt, hat viele Gespräche geführt, bevor sie mich portierte. Es war auch für mich keine Wahl im Schlafwagen.

Dass eine bürgerliche Allianz im Vorfeld nicht zustande kam, hat Ihnen offenbar nicht geschadet.

Ich bin überzeugt, dass ich aus den anderen bürgerlichen Parteien Unterstützung erhielt. Rein rechnerisch muss das so sein. Und Gespräche im Vorfeld bestätigten es.

In Ihrer Heimatstadt Baden liegen Sie «nur» auf Rang 2 hinter Urs Hofmann. Schmerzlich?

Nein. Urs Hofmann gilt auch in Baden als erfolgreicher Regierungsrat. Den zweiten Rang hinter ihm erachte ich als Erfolg. Übrigens ebenso den 3. Rang in Wettingen.

Sogar in der Heimat von Thomas Burgherr liegen Sie vor ihm. Wie hat sich der Stadtammann von Baden kantonsweit bekannt gemacht?

Erstens hatte ich grosse Unterstützung durch die Partei. Und zweitens war ich viel im Kanton unterwegs, war zum Beispiel an einem Samstag auf dem Markt in Zofingen. Ich kam mit vielen Leuten ins Gespräch. Es spricht sich herum, dass sich da einer um Land und Leute bemüht.

Was bedeutet es für Sie, das Ammannamt in Baden zu verlassen?

Zum Glück habe ich etwas länger Zeit, mich auf den Wechsel einzustellen. Vermutlich realisiere ich erst im März voll, dass nun eine schöne Zeit im Stadthaus Baden zu Ende ist.

Wen wünschen Sie sich als Nachfolger? Wohl einen Freisinnigen?

Da mische ich mich nicht ein. Es gehört sich für den abtretenden Ammann nicht, bei der Wahl des neuen mitzumischeln.

Sie sind bereits Berufspolitiker. Trotzdem wird sich für Sie einiges ändern. Der viertgrösste Kanton hält sich nur fünf Regierungsräte. Das ergibt eine enorme Arbeitslast.

Ich habe Respekt davor, weiss aber, was auf mich zukommt. Ich habe mit mehreren Regierungsräten darüber gesprochen. Wichtig ist eine saubere Trennung der Arbeit von Regierung und Verwaltung. Natürlich darf die Verwaltung nicht Politik machen. Aber sie kann einen bei effizienter Organisation sehr entlasten.

Als Stadtammann waren Sie der einzige Profi in der Exekutive.

Ja, und damit stets für alle Departemente ein wenig mitverantwortlich. Da bringt die Arbeit im Regierungsrat mit klarer Departementsverantwortung eher etwas Entlastung.

Alle sagen: Attiger übernimmt das Bau- und Umweltdepartement von Peter C. Beyeler. Wenn Sie nun aber frei wählen könnten?

Als Stadtammann habe ich Berührungspunkte mit vielen Themen, vor- ab auch mit Finanzen. Doch ich habe auch starke Affinitäten zu Bau, Verkehr, Umwelt und Energie. Oder auch zu Gemeinden und Sicherheit. Aber ich kann und will der Departementsverteilung nicht vorgreifen.

Es heisst, die Regierung sei eine harmonische Familie. Haben Sie vor, diese Harmonie zu stören?

In der Regierung wird sehr wohl gestritten. Aber nur intern. Wenn ein Entscheid gefällt ist, wird er gemeinsam vertreten. Das gefällt mir. Ich werde es auch so halten.

In der Regierung sitzen zwei Linke, ein Mann der Mitte und ein Rechter. Sehen Sie Ihre Rolle als Mehrheitsbildner?

Nur selten werden Geschäfte nach dem Links-Rechts-Schema entschieden. Aber meine Position ist klar: Ich bin Mitte-Rechts.

In letzter Zeit war das Verhältnis zwischen Regierung und Parlament oft etwas gespannt.

Ich habe als Stadtammann gern mit dem Einwohnerrat zusammengearbeitet. Die Regierung muss das Parlament ernst nehmen und darf es nicht übergehen.

Wie lautet die grösste Herausforderung für den Aargau in den nächsten vier Jahren?

In den letzten Jahren waren wir permanent auf Wachstum getrimmt. Nun sind wir, so scheint mir, an einer Grenze angelangt und müssen überlegen, wohin wir steuern wollen, zum Beispiel in der Verkehrs- und Siedlungspolitik.