SC Langenthal
Stephan Anliker kennt keinen Stress - nur gesunde Anspannung

Stephan Anliker, der Verwaltungsratpräsident des SC Langenthal, bezeichnet sich als Macher und Teamplayer zugleich. Und er ist auch ein Familienmensch - eine Annäherung.

Daniel Weissenbrunner
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Stephan Anliker: Die letzten zwei Wochen im Spiegel der Öffentlichkeit. Bieri

Stephan Anliker: Die letzten zwei Wochen im Spiegel der Öffentlichkeit. Bieri

Er sitzt entspannt in seinem Bürostuhl. Architektonisch adrett gekleidet. Stephan Anliker entschuldigt sich für die Verspätung. Das sei nicht seine Art, versichert er. Er kommt direkt aus Zürich, geschäftlich. Sein Zeitmanagement habe er normalerweise im Griff. Stress als Gefühl kennt der 54-Jährige nicht. Er nennt es gesunde Anspannung. Das kommt ihm dann zugute, wenn er mehrere Dinge gleichzeitig erledigen sollte.

An gesunder Anspannung mangelte es dem Mehrheitsaktionär eines Architekturunternehmens mit 50 Angestellten in Langenthal in den letzten Tagen nicht. Anliker pendelte in den vergangenen zwei Wochen auf der Achse zwischen dem Oberaargau und Zürich. Praktisch über Nacht, vom 28. auf den 29. März, manövrierte er sich interimistisch in die höchste verantwortliche Position beim angeschlagenen Grasshopper Club. Als Leiter der Task-Force überführte er die Geschicke in die Hände der Crew um den neuen starken Mann, André Dosé. Anliker selbst wird im neuen GC-Gebilde voraussichtlich das Vize-Präsidium übernehmen.

Er macht es mit Freude

Nachdem Dosé in Zürich medial vorgestellt worden war, machte sich Anliker nach Aarwangen auf – an eine Klassenzusammenkunft. Das war ihm wichtig. Danach begab er sich auf den Wuhrplatz nach Langenthal an die NLB-Meisterfeier des SCL, um im Anschluss in Aarwangen den Abend, oder eher Morgen, mit seinen alten Kollegen ausklingen zu lassen. «Zugegeben, das war ein wenig viel», gibt Anliker bedächtig zu. Das alles sei nur möglich, wenn man es mit Freude mache. «Und das war hier der Fall.»

Stephan Anliker bezeichnet sich als Macher und Teamplayer zugleich. Ohne den entsprechenden Rückhalt im Geschäft und in der Familie würde sein Aufgabenkonstrukt kollabieren. Das weiss er. Wenn es zu viel wird, dann heben Ehefrau Regula Anliker-Aebi und die Kinder Chiara (12) und Gregori (10) nötigenfalls schon mal den Mahnfinger. Das kam in der letzten Woche vor. «Die Kinder fanden, ich sei zu wenig zu Hause. Sie hatten natürlich recht.»

Er arbeitet bis 55 Stunden

Anlikers Alltag ist strukturiert, durch und durch. Er rechnet seine durchschnittliche Arbeitswoche auf 50 bis 55 Stunden. Inklusive der verschiedenen Mandate, wie er mit Nachdruck betont. «Das ist nicht zu viel, oder?», erkundigt er sich. Selbst wenn es mehr sind. Stephan Anlikers Work-Life-Balance ist gut austariert. Er gönnt sich mehrmals im Jahr eine Auszeit. Vorzugsweise in der Ferienwohnung in Mürren, in Feusisberg, wo seine Mutter herkommt, oder im Tessin.

Apropos Tessin: Die Eishockey-Götter wollten es, dass der SC Langenthal in der Ligaqualifikation mindestens zweimal in die Südschweiz nach Ambri reisen muss. Am Dienstag fuhr Anliker auf Wunsch seiner Kinder in die Leventina, obwohl es für ihn ein zeitlicher Balanceakt war. Die gestrige Begegnung liess sich eleganter planen. Familie Anliker verbringt die Ostern im Tessin. Vater Anliker stand trotzdem vor einer logistischen Herausforderung. Tochter Chiara nimmt mit der Leichtathletikvereinigung Langenthal an einem Trainingscamp im Tessin teil. «Sie will aber mit ihren Teamkollegen heute Sonntag von Langenthal aus ins Lager fahren.» Stephan Anliker runzelt kurz die Stirn. Dann blickt er zum Familienfoto und lacht – ganz entspannt.

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