Wachstum
Steigender Gewinn und mehr Patienten: Die Solothurner Spitäler sind in der Gewinnzone

Die Patientenzahlen an allen drei Standorten der Solothurner Spitäler gestiegen und die Finanzlage hat sich verbessert.

Urs Moser
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Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener und CEO Martin Häusermann präsentieren das Geschäftsergebnis der Solothurner Spitäler.

Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener und CEO Martin Häusermann präsentieren das Geschäftsergebnis der Solothurner Spitäler.

Hanspeter Bärtschi

Das vergangene Geschäftsjahr war für die Solothurner Spitäler AG (soH) von einem markanten Wachstum geprägt. Im Bürgerspital Solothurn, Kantonsspital Olten, Spital Dornach und den psychiatrischen Diensten wurden so viele Patienten behandelt wie noch nie. In den drei Akutspitälern waren es gut 28 000 stationäre Patienten, was einem Zuwachs von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zahl der ambulanten Fälle stieg in der ganzen soH auf knapp 178 000, ein Wachstum um 6,6 Prozent.

Der Trend (und die politischen Forderungen) gehen Richtung ambulant vor stationär. Müsste der ambulante Teil im Vergleich zum stationären also stärker wachsen, wird in den Solothurner Spitälern nach wie vor mehr stationär gemacht als unbedingt nötig wäre? soH-Chef Martin Häusermann widerspricht. Der Entscheid falle ganz klar nach ärztlichen Kriterien bzw. medizinischer Notwendigkeit. Das Durchschnittsalter der Patienten liege bei über 70 Jahren, gibt Häusermann zu bedenken. Da sei ein Eingriff einfach nicht immer ambulant durchzuführen, auch wenn das bei jüngeren Patienten vielleicht möglich wäre.

Auf Gewinn angewiesen

Vorgängig der Veröffentlichung der Zahlen wurde das Geschäftsergebnis heute der Generalversammlung der Spitäler AG, sprich dem Regierungsrat präsentiert. Es sei ein erfreulicher Jahresrückblick gewesen, meinte Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener, auch finanziell. Der Betriebsertrag stieg um 21,5 auf 553,6 Millionen Franken. Es resultierte ein Jahresergebnis mit einem Gewinn von knapp 17 Millionen, fast eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Das sei essenziell, so Diener, «ohne Gewinn kann ein Spital nicht längerfristig überleben».

Die soH ist mit den heute präsentierten Zahlen gut aufgestellt. Eine wichtige Grösse ist die sogenannte EBITDA-Marge: der Gewinn vor Zinsen und Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz. Der Wert lag bei den Solothurner Spitälern letztes Jahr bei etwas über 5 Prozent, im Vorjahr waren es erst knapp 4 Prozent.

Spitalbauten: Vom Mieter zum Besitzer

Per 1. Januar 2017 hat die soH die Spitalgebäude des Kantonsspitals Olten, des Spitals Dornach und der psychiatrischen Dienste im Baurecht vom Kanton übernommen. Die Übernahme der Bauten des Bürgerspitals Solothurn erfolgt erst nach Vollendung des Neubaus, gestaffelt bis 2023. Bisher bezahlte die soH für die Spital-Infrastruktur Miete, neu leistet sie einen Baurechtszins von heute 1,5 und ab 2023 2,2 Millionen und muss Abschreibungen tätigen und selber für bauliche Investitionen aufkommen. Die Geldströme seien anders, aber die Belastung in der Erfolgsrechnung bleibe für die Spitäler damit in etwa gleich, so CEO Martin Häusermann.

In der Branche hat sich die Faustregel etabliert, dass die EBITDA-Marge längerfristig zwischen 8 und 10 Prozent liegen sollte, damit ein Spital die nötigen Investitionen aus eigener Kraft stemmen kann. Man müsse berücksichtigen, dass die Übertragung der Spitalliegenschaften (noch ohne Bürgerspital Solothurn) vom Kanton auf die soH erst auf Beginn dieses Jahres erfolgte, so CEO Martin Häusermann

Will heissen: Rechnet man die knapp 23 Millionen Miete zum Betriebsergebnis dazu, die dem Kanton letztes Jahr noch bezahlt wurden, dann haben es die Solothurner Spitäler erstmals in die Bandbreite geschafft, wo man liegen sollte. Man macht deswegen aber nicht gleich in Euphorie. «Ein solches Ergebnis wird extrem schwer zu halten sein», so Häusermann.

Die Spitäler haben sich – nicht nur im Kanton Solothurn – in einem schwierigen Umfeld zu behaupten. Die Krankenkassen wie auch die Kantone, die die Spitalbehandlungen zu 55 Prozent mitfinanzieren müssen, drücken auf die Tarife. Und die Solothurner Spitäler mussten allein im letzten Jahr auf die Abgeltung sogenannter gemeinwirtschaftlicher Leistungen durch den Kanton im Umfang von 5 Millionen Franken verzichten. Das sind Aufwendungen zum Beispiel in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten, die in den Fallpauschalen nicht enthalten sind.

Vertrauen gestärkt

Ein wichtiger Punkt, der Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener dennoch optimistisch stimmt: Zu einem schönen Teil ist die Zunahme der Patientenzahlen zwar demografisch bedingt, aber es gelingt den Solothurner Spitälern offensichtlich, ihren Marktanteil mindestens zu halten oder etwas auszubauen.

Einerseits findet keine grössere Abwanderung von Solothurner Patienten zu Spitälern in anderen Kantonen statt, im Gegenteil: Die Zahl der Patienten aus sämtlichen Solothurner Bezirken ist gestiegen. Anderseits gelingt es sogar, Patienten aus anderen Kantonen anzuziehen: Ihre Zahl ist um rund 700 auf gut 5500 gewachsen. Das klingt vielleicht nicht nach wahnsinnig viel, bedeutet aber eine Steigerung um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Grund, ein bisschen stolz zu sein, findet die Verwaltungsratspräsidentin: «Es ist uns gelungen, das Vertrauen der Solothurner Bevölkerung in ihrer Spitäler deutlich zu stärken und auch über die Kantonsgrenzen hinaus an Attraktivität zu gewinnen», so Diener.