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Steht der 11-er, kommen sie in Fahrt: Die beiden Infomanager der BVB

Rebekka Ebneter und Frank Schaue teilen den Passagieren durchs Mikrofon mit, wann die Tramfahrt weitergeht. Die beiden sind seit gut einem Jahr Infomanager bei der BVB: Wenn ein Fahrzeug feststeckt, informieren die beiden live aus der Leitstelle.

Muriel Mercier
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Frank Schaue und Rebekka Ebneter sorgen dafür, dass sich die Fahrgäste bei Staus oder technischen Problemen nicht ärgern müssen.

Frank Schaue und Rebekka Ebneter sorgen dafür, dass sich die Fahrgäste bei Staus oder technischen Problemen nicht ärgern müssen.

Kenneth Nars

Schon wieder: Der 11er steckt fest. Der Wagenführer klingelt und klingelt. Aber weit und breit ist niemand, der Anstalten macht, das Auto auf den Gleisen vor dem Restaurant Mägd wegzufahren. Hinter dem Tram staut es sich, die Passagiere fangen an, nervös aus dem Fenster und dann auf die Uhr zu blicken. Jetzt gibts nur eins: Warten.

Und die Passagiere beruhigen. Diese Aufgabe übernehmen Frank Schaue und Rebekka Ebneter. Sie stehen hinter ihrem grossen Pult in der Leitstelle der BVB beim Dreispitz. Über die Bildschirme machen sie sich ein Bild von der aktuellen Situation, denn sie müssen sogleich live den Fahrgästen per Durchsage die Lage mitteilen. Der Disponent am Tisch daneben hilft ihnen, denn er steht in regem Kontakt mit dem Wagenführer. Schaue und Ebneter hören zu und teilen den Leuten im 11er live den Grund für das Stocken mit. Ebenfalls ein beliebter Ort für Störungen ist die Linie 3 beim Barfüsserplatz. Ebneter und Schaue sind seit gut einem Jahr Infomanager bei der BVB – ein neuer Job.

Zu früh sorgt für Ärger

Auf den Bildschirmen sind sämtliche Stationen aufgezeigt sowie der derzeitige Standort der Trams. Die grün eingefärbten Böxchen bedeuten, die Wagen sind pünktlich dran, in gelb sind sie leicht verspätet, die roten haben an der Endstation genug Zeit, ihren Rückstand wieder aufzuholen und die violetten sind definitiv zu spät unterwegs. Was verwundert: Die blauen Kästchen bedeuten, diese Trams sind zu früh dran. «Das ist der schlechteste Fall. Die Leute haben mehr Verständnis für Verspätungen, als wenn die Trams zu früh losfahren», erklärt Ebneter.

Für sie und ihren Kollegen Schaue machen die Live-Durchsagen nur einen Teil ihres Jobs aus. Planbare Ansagen zu Anlässen, die jedes Jahr stattfinden – der Slow-up zum Beispiel –, können die beiden vorbereiten und auf Band aufnehmen. Ebenso Informationen zu Umleitungen aufgrund von Baustellen. Der nächste planbare Event ist das «White Dinner» Mitte September, fügt Schaue an. Denn dann wird die Mittlere Brücke gesperrt. FCB-Spiele sind datiert, können von Schaue und Ebneter aber nur bedingt vorbereitet werden, weil die Basler Polizei das letzte Wort hat. Diese entscheidet, ob bereits gesprochene Texte früher als vorgesehen laufen gelassen werden müssen. Dies, weil zum Beispiel eine Sperrung beim Joggeli früher umgesetzt werden muss.

Die Reihenfolge ist wichtig

Immer wieder ist im Hintergrund in der Leitstelle zu hören, wie Wagenführer und Buschauffeure mit den Disponenten Kontakt aufnehmen. Sie melden sich sofort, wenn ein Lichtsignal nicht funktioniert, sie keine Freifahrt haben oder auf Fundgegenstände stossen.

Die Disponenten kennen das Tramnetz aus dem Effeff, können bei Unfällen sofort Umleitungen umsetzen und vor allem Folgeverspätungen wieder ins Lot bekommen. Die Reihenfolge der eingesetzten Trams zum Beispiel muss koordiniert werden. Regelmässig soll wieder ein Niederflurtram bei der Station einfahren, aber auch wegen der Ablösungen der Chauffeure ist die Reihenfolge essenziell, sagt Schaue.

Neben den Durchsagen in den Fahrzeugen schreiben Ebneter und Schaue bei Störungen die Lauftexte auf den Anzeigetafeln. Dort komme es häufig zu Platzproblemen. Ihnen stehen nämlich nur 144 Zeichen pro Tafel zur Verfügung. Bei einem Unfall oder Baustellen sei dies zu knapp. «Wir verweisen deswegen auf die anderen Informationsmittel der BVB wie unsere Website oder Twitter», so Schaue.

«Seich kann passieren»

Der 45-Jährige hat zuvor bei den SBB beinahe denselben Job erledigt. Bei der BVB müsse es nun aber schneller gehen. «Züge kann man bei technischen Problemen auf ein Nebengleis manövrieren und länger stehen lassen. Trams blockieren die ganze Linie.» Für die 28-jährige Rebekka Ebneter als gelernte Fotografin war die Aufgabe als Infomanagerin eine Herausforderung.

Mittlerweile sei sie nicht mehr nervös bei einer Durchsage. «Es kann mal ein Seich passieren. Aber dann muss ich einfach weiterreden und beim zweiten Mal die Durchsage korrigieren. Abbrechen ist nie gut, das verwirrt die Fahrgäste mehr.»