Pro – Kontra
Stehst du noch an der Hafebar an?

Die Hafebar ist wieder geöffnet und beliebter denn je. Das hat nicht nur Vorteile: Am Eröffnungstag hiess es lange warten, bis Frau oder Mann den Drink oder das Bier endlich in den Händen hielt. Und halb Solothurn diskutiert nur noch über eines: Ist bis zu eine halbe Stunde Wartezeit noch zumutbar? Macht das Betreiber-Team seine Sache richtig, oder ginge es auch schneller? Redaktionspraktikantin Caroline Beck, selber schon oft an Open Airs als Barfrau tätig, versucht aus dieser Optik Verständnis für das Bar-Team zu wecken. Stadtredaktor Wolfgang Wagmann als langjähriger Hafebar-Gast mag nicht wegen Fehlern in der Organisation zu lange auf sein Bier warten.

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Lange Anstehzeiten: Zum Entspannen oder erst recht stressig?

Lange Anstehzeiten: Zum Entspannen oder erst recht stressig?

Hanspeter Bärtschi
Caroline Beck, Redaktionspraktikantin, fühlt als mehrmalige Barfrau an Open-Airs den Stress des Bar-Teams mit.

Caroline Beck, Redaktionspraktikantin, fühlt als mehrmalige Barfrau an Open-Airs den Stress des Bar-Teams mit.

Nils Hänggi

Pro

Wartezeiten wegen Verspätungen der SBB sind mir ein Graus. Und ich bin wohl die letzte Person, die mit dem Pendlerweg Solothurn-Winterthur während des Studiums für solche Ärgernisse Verständnis zeigt. Meist starre ich am Bahnsteig, wie der verrückte Märzhase aus dem Disneyfilm Alice im Wunderland auf die Uhr, und klopfe mit dem Fuss nervös auf den Boden. An der Riviera im gemächlichen Solothurn, alias Aarequai, mit der gegenüberliegenden Hafebar ist gestresstes Getue für mich aber fehl am Platz.

Wer am Wochenende oder nach dem Feierabend Zeit für ein kühles Bier mit Freunden hat, der hat auch Zeit für ein wenig Geduld. So sollten es besonders diejenigen, die dieses Bier an der Hafebar trinken wollen, mit dem Motto «Probier’s mal mit Gemütlichkeit» versuchen. Besonders dann, wenn Saisonstart ist. Die Schönwetter-Bar ist ja erst gerade aus dem Winterschlaf erwacht und braucht noch ein wenig Anlaufzeit, um der durstigen Meute Paroli zu bieten.

Als erfahrene Barkeeperin an Open Airs ist mir das nicht fern. Es ist nicht immer einfach hinter dem Tresen mit einem neu zusammengewürfelten Team den Ablauf wie aus dem Effeff zu beherrschen und auf engstem Raum wie bei Schwanensee elegant aneinander vorbei zu tänzeln. Zudem: Als wäre es Murphys Gesetz, ist das Bierfass genau dann leer, wenn die meisten Leute anstehen. Das Wechselgeld fehlt dann, wenn jemand mit einem Zweihunderter zahlen will und ein Gast verschüttet dann ein Getränk über die Theke, wenn du gerade mit seiner aufwendigen Bestellung fertig wärst, die er zuvor noch zweimal abgeändert hat.

Anstelle sich über das Warten aufzuregen, wäre es sinnvoll, sich vor der Frage «Was hätsch gärn?» für ein Getränk zu entscheiden. Zu klären, wer die Bestellung zahlt und zu schauen, ob das Portemonnaie genug Inhalt mit sich führt. Teilweise entstehen durch genau diese Wartezeiten ausgesprochen lustige Bekanntschaften und Gespräche, die es sonst nie gegeben hätte. Auf ein paar Minuten mehr oder weniger Warten, kommt es daher nicht an.

Wolfgang Wagmann, Stadtredaktor, findet die langen Wartezeiten unzumutbar.

Wolfgang Wagmann, Stadtredaktor, findet die langen Wartezeiten unzumutbar.

Kontra

Durst. Feierabend. Hafebar. Bier. Eine einfache Formel, die ab sofort wieder gilt. Vergiss es. Denn: Stehen die einfach so herum oder an? Sofort wird mir klar: an. Reihe fünf. Ganz vorne habe ich Kontakt zu meiner Frau in Reihe zwei bis drei. Und sie wiederum mit unserer besten Kollegin, die gerade die Barkante erreicht hat. Nach einer guten Viertelstunde. Sie bestellt auch für uns. Die Rettung.
Doch es wird nochmals fünf Minuten dauern. Hinter dem Tresen herrscht freundliche Gelassenheit. Stress – ein Fremdwort. Eine junge Kraft pützerlet einige Gläser, zwei weitere Damen sind ins Gespräch vertieft. Das bestellte Weizenbier in der Flasche wird andächtig eingeschenkt, zuletzt zwischen den Handballen gerüttelt, damit die Hefe ja im Glas ist. Das kann ich doch selber, Mann! Pardon, Frau. Drück uns doch einfach die Flasche mitsamt Glas in die Hand, und Abmarsch! Noch nie etwas von Effizienz gehört?

Es gibt Jungs, die holen im nahen Coop Dosenbier. Einige altgediente Stammgäste verziehen sich ins Vini. Wir uns auch, irgendwo hin. Nur weg aus dem Krach, den die Rockband über ihre Verstärker ausspeit. Eigentlich hätte die Kollegin noch einen Dankesdrink zugut. Lassen wir lieber sein. Die Hafebar ist uns tatsächlich verleidet. Nach 15 Jahren – definitiv.

Warum ändern die ihr Konzept nie? Das ist später am Abend das Thema. Weniger Leute hinter dem Tresen, die zuerst wochenlang angelernt werden müssen, dafür Profis, die beidhändig Bier zapfen können und das so konsequent, dass die Stangen fast wie auf einem Sushi-Förderband über die Theke gehen. Warum kein Straffen des Sortiments, Streichen von aufwendigen Long-Drinks? Warum keine reine Bier-Tankstelle neben der Hauptbar, wo eine Mehrheit der Gäste aufgehoben wäre? Oder einen Zusatz-
Kiosk nur mit Food? Aus irgendwelchen Gründen scheint das alles nicht zu gehen – also warten wir weiter.

Nur eines ist toll an der Hafebar: das weite Vordach. Es senkt das Risiko eines Krähenkacke-Volltreffers in einer halben Stunde Wartezeit um wohl 50 Prozent. Null sind besser. Drum: Ich steh da einfach nicht mehr an!

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