Stadtentwicklung
Stadtrat Filippo Leutenegger: «Wir geben uns Mühe, im Quartier hinzuhören»

Der Zweier bleibt: Die Quartierbevölkerung von Altstetten, die sich vom Zürcher Stadtrat und den Planern lange allein gelassen fühlte, hat mit Erfolg gegen die Tramverlegung aufbegehrt.

Oliver Graf
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Der Zweier soll weiter am Lindenplatz halten: Die Altstetter Bevölkerung spricht sich gegen eine Verlegung der Linie aus.

Der Zweier soll weiter am Lindenplatz halten: Die Altstetter Bevölkerung spricht sich gegen eine Verlegung der Linie aus.

zvg

Im Juli wurde der Stadtrat noch heftig angegriffen. Am Montag erntete Filippo Leutenegger in Altstetten Applaus. «Wir geben uns Mühe, im Quartier hinzuhören», sagte der Tiefbauvorsteher.

Nun hat der Stadtrat von Zürich hingehört. Und er muss über die Bücher: Er wird den Zweier in Altstetten nicht verlegen können, wie er das ursprünglich geplant hatte. Das Quartier hat sich klar gegen diese Pläne ausgesprochen. «Wir empfehlen, die Tramlinie 2 weiterhin über die Badenerstrasse zu führen», lautet das Fazit einer eingesetzten Begleitgruppe, in der alle Parteien sowie Altstetter Gewerbe- und Quartiervertreter Einsitz hatten.

Dieses Ergebnis, dass auf die geplante Verlegung des Zweiers zu verzichten sei, ist gestern Abend an einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt worden. Die 500 anwesenden Altstetterinnen und Altstetter nahmen dies mit lang anhaltendem Applaus und vielen Bravo-Rufen auf.

Die Tramlinie 2, die zwischen Tiefenbrunnen und Farbhof verkehrt, sollte ursprünglich auf ihrem heutigen letzten Abschnitt einen Umweg einlegen: Statt direkt vom Lindenplatz an die Wendeschleife beim Farbhof zu fahren, hätte die Linie über den Bahnhof Altstetten geführt werden sollen. Eine Haltestelle (Bachmattstrasse) hätte aufgrund dieser Pläne aufgehoben werden müssen.

Dagegen hatte sich die Quartierbevölkerung gewehrt. Ursprünglich liess der Stadtrat verlauten, dass an der neuen Linienführung nicht zu rütteln sei. Vor allem weil sie mit der vom Kanton geplanten Limmattalbahn verknüpft ist: Die Tramlinie 2 wird bis nach Schlieren verlängert. Auf deren Trassee soll später auch die Limmattalbahn verkehren, die zwischen den Bahnhöfen Altstetten und Killwangen-Spreitenbach projektiert wird.

Dann liess sich der Stadtrat aber wegen der anhaltenden Kritik (und nach den durch die Wahlen erfolgten personellen Wechseln) doch auf einen Prozess ein, den er «Dialog» nannte. Vor den Sommerferien hatten sich die Altstetter Quartierbevölkerung und die Stadtregierung an einer öffentlichen Veranstaltung ausgesprochen, wobei es weniger ein Dialog, eher eine Standpauke der verärgerten Bevölkerung war. Der gestern wiederum im vollen Spirgarten präsentierte Vorschlag, die Tramlinie unverändert beizubehalten, ist nun das Ergebnis mehrerer Sitzungen. Die Empfehlungen an den Stadtrat seien in der 30-köpfigen Begleitgruppe praktisch einstimmig gefällt worden, sagte Christoph Ramseier vom Quartierverein Altstetten. «Es handelt sich nicht um einen Kompromiss, das ist ein Konsens.»

Dass es sich dabei lediglich um eine «Empfehlung» handelt, störte mehrere der Anwesenden. Die Verwaltung werde am Ende wieder machen, was sie wolle, kritisierte ein Altstetter. Stadtrat Filippo Leutenegger entgegnete, dass diese klar ausgesprochene Empfehlung mehr als ein Indiz sei. «Der Stadtrat steht im Dienste der Bevölkerung. Ein solch klares Zeichen ist für ihn ein Auftrag.»

Auch dafür erntete Leutenegger Applaus. Das zeigte, dass sich die Stimmung in den vergangenen vier Monaten gewandelt hat. Das erklärten auch mehrere Mitglieder der eingesetzten Begleitgruppe. Anfänglich hatte Misstrauen geherrscht: Der Stadtrat hatte über die Altstetter Köpfe entschieden, die Verwaltung ohne das Quartier ihre Planungen vorangetrieben. «Nun kam alles auf den Tisch», sagte Quartierbewohner Alfred Gnehm. «Wir konnten Fragen stellen und erhielten auch Antworten.» Das habe vor dem Dialog-Verfahren gefehlt. Und auch Esther Arnet, die Leiterin der städtischen Abteilung Verkehr, sprach von «konstruktiven Sitzungen». Es sei nicht gestritten, sondern geschaffen worden.

Bleibt nun die Tramlinie 2 so, wie sie heute ist, hat dies auch einen gewissen Einfluss auf die Limmattalbahn. Die erste Etappe (die Tramverlängerung nach Schlieren) dürfte noch ohne Anschluss an den Bahnhof Altstetten erfolgen. Erst in der zweiten Bauetappe, wenn sie bis in den Aargau realisiert wird und ihren eigentlichen Betrieb aufnimmt, dürfte die neue Stadtbahn ab Farbhof an den Bahnhof Altstetten gelegt werden. Bis es so weit ist, wird es noch seine Zeit dauern. Die Kreditanträge kommen zunächst in den Kantonsrat, dann dürfte das Referendum ergriffen werden.

Doch nun ist der Stadtrat von Zürich an der Reihe. Er wird über die «Empfehlung» aus Altstetten und über einen Verzicht auf die Tramverlegung beraten (der Kanton und der Bund werden bei den Planänderungen auch noch mitreden). Das sei hoffentlich, wie am Anlass erklärt, nur noch eine Formsache, sagte eine «gebürtige und nach diesem Erfolg stolze Altstetterin» beim anschliessenden Apéro.