Flüchtlinge
Stadt Zürich unterstützt Gemeinden im Libanon

Die Stadt Zürich hat entschieden, Gemeinden im Libanon zu unterstützen. Die Hilfe vor Ort soll Flüchtlingen und Einheimischen gleichermassen zugutekommen. Noch in diesem Monat soll ein entsprechender Vertrag unterzeichnet werden.

Thomas Schraner
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Syrische Flüchtlingskinder in einem Lager im Libanon: Das Land hat zirka 1,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.. (Archivbild)

Syrische Flüchtlingskinder in einem Lager im Libanon: Das Land hat zirka 1,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.. (Archivbild)

KEYSTONE/AP/BILAL HUSSEIN

m letzten Herbst kündigte der Zürcher Stadtrat an, sich stärker für Flüchtlinge zu engagieren. 1,5 Millionen Franken für die nächsten zwei Jahre stellte er in Aussicht. Das Geld soll für die hier anwesenden Flüchtlinge eingesetzt werden, aber auch für die Hilfe in Erst-Flucht-Städten. Das sind solche in der Nähe von Krisengebieten, wo Flüchtende als erstes Schutz suchen.
Helfen will Zürich im Libanon. In welcher Stadt genau, steht noch nicht fest, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) gestern anlässlich einer Zwischenbilanz sagte.

Der Libanon kommt zum Zug, weil er pro Kopf der Bevölkerung mit Abstand am meisten Flüchtlinge aufgenommen hat. Auf 4 Millionen Einwohner kommen dort 1,5 Millionen Flüchtlinge. Die dortigen Städte und Dörfer seien völlig überfordert. In Zusammenarbeit mit der Organisation Solidar Suisse will der Stadtrat drei Projekte mit je 35 000 Franken unterstützen. Im Vordergrund stehen Abwasserleitungen, Wasserreservoirs oder Kindergärten. Nicht nur Flüchtlinge sollen im Libanon von der Hilfe profitieren, sondern auch die Einheimischen, betonte Mauch. Sie sprach von «einem wichtiger Beitrag, den wir uns hier leisten können.»

Im Vergleich zum Libanon herrschen in Zürich punkto Flüchtlinge geradezu paradiesische Zustände. Ein Beispiel sind die Proportionen an den Schulen. Bei rund 30 000 Schülern in der Stadt Zürich macht der Anteil der Flüchtlingskinder 1,5 Prozent aus. Diese 450 Kinder und Jugendlichen befinden sich in 24 Aufnahmeklassen, die sich auf alle Stadtkreise verteilen. «Es gibt keine Klassen mit ausschliesslich Flüchtlingskindern», sagte Schulvorsteher Gerold Lauber (CVP). Er betonte den Wert der Schule als «Integrationsmotor». Entsprechend gefordert sind die Lehrkräfte, die, wie Lauber anmerkte, auch ohne Flüchtlingskinder oft am Anschlag sind.

Viele Wechsel in Schulklassen

Klassen mit Flüchtlingen weisen laut Lauber meist eine grosse Fluktuation auf. Das sei «pädagogisch kein Vorteil», wie er einräumte. Die meisten Kinder kämen gern zur Schule. Von den jungen Erwachsenen könne man das nicht sagen. Sie würden lieber arbeiten und Geld verdienen.

Manche Kinder und Jugendliche aus Kriegsgebieten sind traumatisiert. Für sie gibt es Angebote des schulpsychologischen Dienstes: Einzel- oder Gruppentherapie. Laut Lauber bestehen derzeit zwei Gruppen mit je 12 Teilnehmern. Therapien seien wichtig für die Prävention: «Wenn diese Probleme jetzt nicht gelöst werden, tauchen sie immer wieder auf», sagte Lauber.

Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) unterstrich ebenfalls den Stellenwert der Integration, und zwar bereits ab dem ersten Tag. Denn jeder zweite Asylbewerber erhält derzeit ein Bleiberecht in der Schweiz. Arbeiten können Flüchtlinge in Altersheimen, Spitälern oder bei den VBZ. Laut Golta stehen 300 Einsatzplätze zur Verfügung. Zürich muss derzeit ein Kontingent von 2772 Asylbewerbern aufnehmen. Die Unterbringung sei schwierig, aber es klappe, so Golta. 45 Personen fanden eine Bleibe bei Privaten. Golta lobte das grosse Engagement von Freiwilligen. «Das zeigt den Rückhalt, den wir im Volk haben.»