Langenthal
Stadt Langenthal lässt das Fitnesscenter «discountfit» schliessen

«365 Tage offen für unsere member.» Dieser Satz prangt an der Türe des Fitnesscenters discountfit in Langenthal. Seit gestern hat dieses Versprechen seine Gültigkeit verloren. Das Fitnesscenter blieb das erste Mal seit seiner Eröffnung im März geschlossen und wird wohl so bald auch nicht wieder öffnen.

Marco Wölfli
Merken
Drucken
Teilen
Das Fitnesscenter «discountfit» bleibt geschlossen

Das Fitnesscenter «discountfit» bleibt geschlossen

mwo

Die Schliessung des Fitnesscenters erfolgte allerdings nicht freiwillig, sondern aufgrund eines Benützungsverbots, das die Stadtbehörden erliessen.

Eröffnung ohne Bewilligung

Wie gestern bekannt wurde, liegen die Stadt und discountfit seit der Eröffnung im März miteinander im Clinch. Als das Fitnesscenter in Betrieb genommen wurde, taten dies die Betreiber ohne ein Umnutzungsgesuch einzureichen. Ivan Cotting, Mitglied der discountfit-Geschäftsleitung beteuert, er habe von der Notwendigkeit dieses Gesuchs nichts gewusst: «Bei keinem unserer Standorte in Dienstleistungszonen mussten wir bisher ein Baugesuch einreichen.» Die Stadt wurde deshalb von sich aus aktiv und verlangte eine Baubewilligung. Gleichzeitig flatterte discountfit eine Schliessungsverfügung ins Haus, weil das Fitnesscenter zuerst keine Anstalten machte, ein Baugesuch zu stellen. «Wir wollten ein internes Gesuch stellen, das nicht veröffentlicht worden wäre», erklärt Cotting. Er sei der Meinung gewesen, das genüge, weil es sich nur um eine Umnutzung der Liegenschaft handle.

Stadt toleriert keine Abkürzungen

Davon wollte die Stadt jedoch nichts wissen und beharrte auf einem üblichen Baugesuch. Erst dann gab discountfit nach und bemühte sich um eine Bewilligung. Daraufhin gingen allerdings mehrere Einsprachen ein, welche die Öffnungszeiten, Lärm, Abfall und die Aussenbeschriftung bemängelten. Um der Schliessungsverfügung zu entgehen, versuchte discountfit über Pfingsten mit den Einsprechern und den Behörden einig zu werden. An diesem Schnellschuss fand die Stadt aber keinen Gefallen und beharrte auf dem ordentlichen Verfahrensweg. Damit blieb discountfit nichts anderes übrig, als den Betrieb einzustellen. Ansonsten hätte die Langenthaler Baupolizei das Fitnesscenter geschlossen.

Ivan Cotting ärgert sich über das Verhalten der Behörden und wirft der Stadt mangelnde Flexibilität vor: «Die Bauabteilung ging auf keine unserer Lösungen ein und tat alles, um das Verfahren zu verzögern.» Besonders wütend ist Cotting auf den Stadtbaumeister Urs Affolter, in dessen Verantwortung die Bewilligung liegt. An der Türe von discountfit wird Affolter mit einem Foto als Hauptschuldiger angeprangert.

Dieser äusserte sich gestern nicht gegenüber den Medien. Dafür nahm Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) Stellung: «Wenn man einen neuen Betrieb eröffnet, braucht es in jedem Fall ein Baugesuch.» Er könne deshalb nicht verstehen, dass discountfit so lange nicht auf die Vorgaben der Stadt eingetreten ist. Von den kurzfristig präsentierten Lösungsvorschlägen hält er deshalb nichts: «Man kann ein Verfahren nicht einfach abkürzen. Dieses Prozedere ist vorgegeben und gilt auch für discountfit.» Weil alle Parteien mehrere Rekursmöglichkeiten hätten, könne man deshalb auch nicht voraussagen, wann die Bewilligung erteilt werde. Bis es so weit sei, müsse das Fitnesscenter aber geschlossen bleiben.

Rufener dementiert Gerüchte

Nicht erfreut ist Rufener auch über die persönlichen Angriffe von discountfit auf Affolter. Gerüchte, dass Affolter das Dossier entzogen worden sei, dementiert er deshalb vehement und hofft, dass die Angelegenheit wieder sachlicher wird: «Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass ein gewisses Niveau beibehalten wird.»

Cotting dagegen will sich nicht unterkriegen lassen: «Wir haben in Langenthal innert kürzester Zeit 600 Kunden gewonnen. Wir werden auch künftig in der Stadt präsent sein.»