Hochschulquartier
Spitzenmedizinstrategie: Kanton will keine neue Studie

Fragen, deren Klärung die Kantonsräte Cyrill von Planta (GLP) und Thomas Marthaler (SP) verlangten, seien bereits untersucht worden, schreibt der Regierungsrat.

Florian Niedermann
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Das Projekt «Berthold» sieht massive bauliche Eingriffe im Hochschulquartier vor. ETH, Universität und Unispital sollen 40 Prozent mehr Nutzfläche erhalten.

Das Projekt «Berthold» sieht massive bauliche Eingriffe im Hochschulquartier vor. ETH, Universität und Unispital sollen 40 Prozent mehr Nutzfläche erhalten.

Kanton Zürich

Der Regierungsrat will keine neue Studie erarbeiten, um das soziale, akademische und wirtschaftliche Potenzial seiner Spitzenmedizinstrategie darzulegen. Dies hält er im Beschluss zu einem Postulat der beiden Zürcher Kantonsräte Cyrill von Planta (GLP) und Thomas Marthaler (SP) fest. Die beiden Postulanten verlangten eine solche Studie, damit der Bevölkerung der Nutzen der geplanten Investitionen und baulichen Eingriffe des Kantons im Hochschulquartier transparent dargelegt werden kann. «Wenn die Massnahmen helfen, brachliegendes wirtschaftliches Potenzial zu erschliessen, so sind sie sinnvoll», schreiben von Planta und Marthaler im Postulat.

Konkret wollten sie mit einer Untersuchung etwa in Erfahrung bringen, wie hoch der Regierungsrat die Zunahme der Attraktivität von Universität und Universitätsspital durch die geplanten Massnahmen im internationalen Vergleich schätzt – also wie viele zusätzliche ausserkantonale und internationale Patienten und Angehörige dadurch angezogen werden könnten. Zudem wollten sie wissen, welche Auswirkungen die Spitzenmedizinstrategie auf die Arbeitsplatzsituation und die Wertschöpfung im Grossraum Zürich, die medizinische Grundversorgung und das wirtschaftliche Potenzial nichtkantonaler Spitäler und Kliniken haben wird.

Strategie und Bau eng verknüpft

Im Rahmen des 2011 eingeleiteten Projekts «Universitäre Medizin Zürich – Governance und Strategie» (UMZH) definiert der Kanton den Raum Zürich als Standort für qualifizierte Versorgungsleistungen und Leistungen nach der interkantonalen Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin. In den vier universitären Spitälern, der Universität, der ETH und einigen ihnen nahe stehenden Kliniken soll laut der Regierung «eine international anerkannte Forschung und Lehre betrieben» werden.

Eng verknüpft mit der UMZH ist die bauliche Erneuerung des Universitätsspitals und der Infrastruktur für die universitäre Medizin. Im Rahmen des Megaprojekts «Berthold» will der Kanton das Hochschulquartier baulich verdichten, sodass ETH und Uni sowie das Universitätsspital bis 2040 rund 40 Prozent mehr Nutzfläche erhalten. Eine Volksabstimmung darüber ist nicht vorgesehen, die Richt- und Gestaltungspläne unterstehen aber einem möglichen Referendum.

Der Regierungsrat stellt sich in seiner Antwort auf das Postulat auf den Standpunkt, dass die UMZH und das Generationenprojekt «Berthold» darauf abzielten, die Attraktivität der kantonalen universitären Institutionen «national im vordersten Rang und europaweit auf einem Spitzenplatz» zu halten. Ausgerichtet seien die beiden Projekte auf die Förderung von Standortqualität, Kooperationen sowie eine moderne Infrastruktur und Logistik. Angepeilt werde damit aber nicht etwa Wachstum, sondern es würden Qualitätsziele verfolgt, die ihrerseits zu Synergien für den medizinischen Standort führen und sich «positiv auf die Entwicklung der medizinischen Grundversorgung auswirken» sollen, schreibt der Regierungsrat weiter.

Mit Verweis auf diese Überlegungen hinter UMZH und Berthold erachtet der Kanton das Postulat von Marthaler und von Planta als «weder zielführend noch notwendig». Die Fragen, die in der vorgeschlagenen Studie geklärt werden sollen, würden ohnehin in die beiden Projekte miteinfliessen, so der Regierungsrat. Und darüber hinausgehende Fragen, wie beispielsweise jene zu den Auswirkungen der Strategie auf ausserkantonale und internationale Patientenströmen, glaubt er auch in einer solchen Studie kaum aussagekräftig beantworten zu können.

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