Langenthal
Sozialdemokratin wechselt zu den Freisinnigen

Die SP Langenthal verliert Profil am rechten Rand ihres politischen Spektrums. Die aus Basel stammende Rebekka K. Leuthardt wechselt die Fronten und sucht Unterschlupf im Lager der FDP.

Urs Byland
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Vor drei Jahren warb Rebekka Leuthardt mit dem damaligen SP-Stadtrat Urs Masshardt für die Initiative «6 Wochen Ferien für alle». O. Andres

Vor drei Jahren warb Rebekka Leuthardt mit dem damaligen SP-Stadtrat Urs Masshardt für die Initiative «6 Wochen Ferien für alle». O. Andres

Solothurner Zeitung

Damit hat die SP aktuell auch kein Mitglied mehr in der städtischen Finanzkommission, nachdem Hanspeter von Flüe (SP) im März 2010 fraktionsintern von Anna Aeberhard (Grüne) abgelöst wurde (wir berichteten). Leuthardt, IT-Kundenbetreuerin bei den Zentralen Informatikdiensten Basel-Stadt, würde zwar gerne noch in der Finanzkommission bleiben: «Für mich ist es die ideale Kommission. Aber der Sitz gehört der SP. Ich werde abwarten, wie sich die Parteipräsidenten der SP und der FDP verständigen und ihrer Empfehlung folgen», sagte Leuthardt gestern auf Anfrage.

Stefan Ryser, Parteipräsident der SP, nimmt diese Aussage zur Kenntnis, will aber zuerst die Abklärungen der Verwaltung abwarten. «Sie ist in die Finanzkommission gewählt, aber die SP hat nach Proporz Anrecht auf eine gewisse Anzahl der Kommissionssitze.» Zudem sei er in dieser Frage vom FDP-Parteipräsidenten nicht kontaktiert worden. Juristisch ist die Situation klar: Leuthardt wurde gewählt. Wenn sie im Amt bleiben will, kann ihr dies bis zur nächsten Vergabe der Kommissionssitze im Januar 2013 niemand streitig machen. Das bestätigt Stadtschreiber Daniel
Steiner.

«Verschiedene Optiken»

Bereits in der letzten Ausgabe des SP-Parteiblattes «Rotspecht» verabschiedete sich Leuthardt als Redaktionsmitglied von der Leserschaft. Der bevorstehende Parteiwechsel wurde aber mit keinem Wort erwähnt. Dafür schrieb Leuthardt «In eigener Sache»: «Schlussendlich wollen wir ja eigentlich alle nur das Beste – wir haben einfach verschiedene Optiken, bedingt durch unsere politische Grundhaltung und daher gilt es dann, in Anstand und gegenseitigem Respekt einer gemeinsamen Lösung zum Durchbruch zu verhelfen.»

Nun hat Rebekka Leuthardt ihre bislang rote politische Grundhaltung blau eingefärbt. «Ein normaler Vorgang», sagt sie. «Persönliche Überlegungen stehen hinter diesem Wechsel. Ich habe mir schon seit einem Jahr Gedanken dazu gemacht. Ich komme aus einer linksliberalen Umgebung. Für mich ist es völlig normal, auch für die Wirtschaft zu denken.» Der Entscheid sei nach langen Diskussionen mit ihrem Parteipräsidenten Stefan Ryser und ihrem neuen Parteipräsidenten Rudolf Lanz gefallen. Letzterer hatte den Vorteil, zusammen mit Leuthardt ebenfalls in der Finanzkommission einzusitzen. «Ich ecke mit meinen liberalen Haltungen in der SP öfters an. Aber ich verlasse die SP sicher nicht im Streit.»

Stefan Ryser hingegen weiss nichts von langen Diskussionen. «Den grössten Teil haben wir schriftlich miteinander verkehrt. Ich hatte in letzter Zeit keinen persönlichen Kontakt mit Frau Leuthardt.» Und er wusste auch nichts vom Parteiübertritt. «Ich habe ein Rücktrittsschreiben von Frau Leuthardt erhalten, per sofort auf die nächste Hauptversammlung, aber ich wurde von ihr nicht über den Parteiübertritt informiert.» Diese Information erhielt dann der SP-Parteipräsident am Fasnachtssonntag von einer Parteikollegin. «Ein Parteiübertritt ist schon eine spezielle Sache. Ich kann diesen nur zur Kenntnis nehmen.»