Börsendeals
Sonova-Knall: Fast 2,2 Milliarden futsch

Andy Rihs sagt, er habe nichts von Gewinnwarnung gewusst. Der Patron schickt Chef Valentin Chapero dennoch in die Wüste. Rihs selbst wird einfaches VR-Mitglied.

Marcel Speiser
Merken
Drucken
Teilen
Andy Rihs über den Vorwurf, er habe Insiderwissen ausgenutzt: «Wer mich kennt, weiss, dass ich so etwas nie im Leben machen würde und nie gemacht habe.» Keystone

Andy Rihs über den Vorwurf, er habe Insiderwissen ausgenutzt: «Wer mich kennt, weiss, dass ich so etwas nie im Leben machen würde und nie gemacht habe.» Keystone

«Ich werde darüber wachen, dass nichts zerstört wird, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben.» So fürsorglich redete Ex-Sonova-Chef Valentin Chapero Ende 2007 in einem Interview. Die letzten fünf Monate entlarven Chaperos milde Worte als blosses Palaver für die Galerie. Fakt ist: Das Elend bei Sonova begann mit einem fatalen Entscheid, den Chapero zu verantworten hat. Einen Entscheid, in dessen Folge Sonova an der Börse gegen 2,2 Milliarden Franken an Wert verloren hat. Seit der Gewinnwarnung vom 16.März (siehe Grafik) ist der Kurs der Aktie um 28,6 Prozent getaucht. Allein gestern lag das Minus bei 11,7 Prozent.

Aber der Reihe nach: Im letzten November teilte Sonova mit, die Ende 2009 übernommene US-Firma Advanced Bionics müsse Hör-Implantate zurückrufen. Vor zwei Wochen informierte die Firma dann über die gewichtigen finanziellen Auswirkungen des Rückrufs und publizierte eine Gewinnwarnung. Gleichzeitig mit der Warnung an die Aktionäre zeigten Daten der Schweizer Börse, dass kurz zuvor diverse Sonova-Manager und Verwaltungsräte wie wild eigene Aktien und Optionen verkauft hatten. Allein Ex-Präsident Andy Rihs hat 300000 Aktien im Wert von 37,5 Millionen Franken verkauft, Titel im Wert von weiteren 10 Millionen wechselten ebenfalls den Besitzer.

Die Sache stinkt - noch immer

Insiderhandel? Strafbares Ausnützen eines Wissensvorsprungs? Obwohl der Verdacht auf der Hand liegt, wiegelte Sonova zunächst ab. Dann beauftragte sie plötzlich die Zürcher Wirtschaftskanzlei Homburger mit einer Untersuchung. Und gestern Mittwoch informierte die Firma über die Folgen der Untersuchung:

Erstens: Chapero und Finanzchef Oliver Walker gehen so genannt «freiwillig». Sie werden ersetzt durch Alexander Zschokke und Paul Thompson. Beide arbeiten bereits bei Sonova.

Zweitens: Rihs gibt sein Präsidentenamt an Robert Spoerry ab und wird einfaches VR-Mitglied. Obwohl er unter Berufung auf die Homburger-Untersuchung beteuerte, er habe von der Gewinnwarnung nichts gewusst, müsse er eine Mitverantwortung übernehmen - «im Interesse des Unternehmens». Er sagte, er würde den Verkauf zu den damaligen Konditionen gerne rückabwickeln. «Wer mich kennt, weiss, dass ich so etwas nie im Leben machen würde und nie gemacht habe», sagte Rihs.

Drittens: Sonova habe es «versäumt», die Gewinnwarnung rechtzeitig zu veröffentlichen. Bereits Anfang März sei klar gewesen, dass die angepeilten Ertragsziele nicht erreicht werden könnten. Zudem seien interne Regeln, vor wichtigen Mitteilungen nicht mit eigenen Aktien zu handeln, nicht durchgesetzt worden. «Dies sind keine Kleinigkeiten, sondern gravierende Vorkommnisse», so Neo-Präsident Spoerry.

Klar ist also: Die Sache stinkt. Ob aber auch im rechtlichen Sinne Insider am Werk waren, klärt die Börse noch ab. Auch die Staatsanwaltschaft führt Vorabklärungen. Sonova zeigt niemanden an. Fortsetzung folgt.