Hebel-Jahr
Sondermarke für Hebel

Der Dichter und «Fast-Basler» Johann Peter Hebel wird an seinem 250. Geburtstag mit einer Briefmarke und einem Bilderbuch gewürdigt.

Leif Simonsen
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bz Basellandschaftliche Zeitung

«Unter jungen Leuten ist Johann Peter Hebel heute fast kein Thema mehr», sagte Beatrice Mall-Grob, Präsidentin der Basler Hebelstiftung. Darüber konnte auch das am Donnerstag Abend überfüllte Wildtsche Haus am Petersplatz nicht hinwegtäuschen. Vornehmlich ältere Semester waren gekommen, um bei der feierlich enthüllten Hebel-Briefmarke sowie der Vernissage der «Kalendergeschichten in Comics und Illustrationen» dabei zu sein.

Das Jubiläumsjahr des wohl grössten alemannischen Dichters will Mall-Grob denn auch nutzen, um ihn in seiner Geburtsstadt wieder stärker in Erinnerung zu rufen. Dabei zählt sie auch auf die Mithilfe der Pädagogen: «Heute wird Hebel in der Schule kaum mehr gelesen», weiss sie. Dass die Idee, Hebel auch unter Jugendlichen populärer zu machen, nicht bloss Worthülsen sind, zeigt die bewusste Einbindung junger Menschen in die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Comics zu Kalendergeschichten

Die Abschlussklasse der Studienrichtung «Illustration» der Hochschule Luzern des Jahres 2008 steuerte Illustrationen zum Bildband bei, der einerseits aus Comics, andererseits aus illustrierten Texten besteht. Die Studenten durften dabei aus dem gesamten Fundus der Kalendergeschichten Hebels auswählen - mit dem erfreulichen Ergebnis, dass unter den Geschichten auch solche sind, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind (beispielsweise «Das Kriegsschiff» oder «Der Maulwurf»).

Es fällt dabei auf, dass die Bilder mit ihren hochmodernen Sujets und die rund 200-jährigen Geschichten keineswegs widersprüchlich scheinen, sondern sich im Gegenteil hervorragend ergänzen. Ein Zeichen dafür, dass Hebels Gedanken nichts an Bedeutung verloren haben. Gleichzeitig wie die Präsentation der Kalendergeschichten Hebels wurde im Wildtschen Haus auch eine Sonderbriefmarke zu Ehren des Denkers enthüllt - allerdings hatte die Veranstaltung da schon ihren berühmtesten Gast verloren. Der Basler Stadtpräsident Guy Morin hatte sich mit einem entschuldigenden Lächeln herausgeschlichen. Was er verpasste, war jedoch weit weniger spektakulär, als der Comic Hebels hätte vermuten lassen.

Auf der B-Post-Briefmarke prangt die schlichte Büste des süddeutschen Theologen und Pädagogen - im Hintergrund die Skyline Basels, wo er einen grossen Teil seiner Kindheit verbrachte. «Ein Hebelkraftfeld», nannte Mall-Grob in ihrer Rede das Stadtzentrum Basels. Mitten in diesem Hebelkraftfeld wurde Johann Peter Hebel nun neu belebt. Währenddem die «Kalendergeschichten in Cartoons und Illustrationen» ab sofort erhältlich sind, muss man sich aber noch bis zum 6. Mai gedulden, ehe die Briefmarke in die Schweizer Poststellen kommt. Ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk ist es allemal: Johann Peter Hebel feiert seinen 250. erst am 10. Mai.