Zürich
Sollten Finanzspritzen von Stadt und Kanton ausbleiben: «Dann wäre es das letzte Züri-Fäscht»

Fest-Organisator Roland Stahel braucht mehr Geld vom Staat.

Matthias Scharrer
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Das Züri-Fäscht bietet auch dieses Jahr Vergnügen für Feuerwerksliebhaber.

Das Züri-Fäscht bietet auch dieses Jahr Vergnügen für Feuerwerksliebhaber.

Roland Stahel ist Mister Züri-Fäscht. Seit 30 Jahren organisiert er das alle drei Jahre stattfindende grösste Volksfest der Schweiz. Doch die diesjährige Ausgabe (1. bis 3. Juli) wird kein Routinejob: «Wir haben das Züri-Fäscht auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt», sagt Stahel bei seinem gestrigen Auftritt als Gastredner an der Generalversammlung der Geschäftsvereinigung Bellevue und Stadelhofen. «Wir haben lange gebibbert, ob wir es überhaupt wieder finanzieren können.»

Die Sicherheitsauflagen wurden verschärft, nachdem es am Züri-Fäscht 2013 fast zu einer Massenpanik gekommen wäre. Auch dieses Jahr erwartet Stahel wieder zwei Millionen Besucherinnen und Besucher, falls das Wetter mitspielt. Crowd Management ist das grosse Thema, über das er nun referiert. Auf Deutsch: Was kann getan werden, damit das grosse Gedränge nicht zur tödlichen Falle wird?

Chilbi mit Choreografie

Zum einen erhält das Züri-Fäscht mehr Platz: Um 17 Prozent wird das Festareal vergrössert, wobei die Zahl der Feststände in etwa gleich bleibt. Weite Teile der Bahnhofstrasse inklusive Paradeplatz kommen neu hinzu zum Festgelände ums Seebecken und Limmatquai. Auch der neu gestaltete Sechseläutenplatz wird ins Fest integriert.

Sicherheitsfachleute drängten laut Stahel darauf, ihn nicht leer zu lassen, da sich sonst zu viele Leute darauf versammeln könnten. So wird der Sechseläutenplatz am Züri-Fäscht zur Chilbi mit Sicherheits-Choreografie: im Zentrum die grossen Chilbibahnen, darum herum Platz zum Zirkulieren – und aussenrum Buden und Marktstände.

Auch eine verbesserte Züri-Fäscht-App soll das Crowd Management erleichtern: Wer sie aufs Handy lädt und einwilligt, sich orten zu lassen, erhält Meldungen, wo gerade noch Platz oder kein Durchkommen mehr ist. «Man wird nicht alles steuern können, aber wenn wir nur schon 20 bis 30 Prozent der Besucher lenken können, wird es besser», so Stahel.

Um zu verhindern, dass das Handynetz zusammenbricht, würden Sunrise und Swisscom vier zusätzliche Sender aufstellen. Zudem plane das Elektrizitätswerk Zürich einen Versuch mit öffentlichem WiFi.

Auf die App allein könne man aber nicht zählen. Lautsprecher, Polizei und Security-Personal sollen ebenfalls helfen, die Massen zu lenken. Zudem finden in der Nacht von Samstag auf Sonntag am Züri-Fäscht neu zwei Feuerwerke statt: eines um 22.30 Uhr unter dem Motto «Märchen und Fantasie» und eines um 1.30 Uhr, bei dem es rockiger zugeht.

«Das Ziel ist, dass die Familien schon auf dem Heimweg sind, wenn die Jungen erst kommen», so Stahel. Auch wird das Festareal am Freitag des Festbeginns schon ab sechs Uhr morgens gesperrt, damit mehr Zeit für Aufbau, Kontrollen und Korrekturen bleibt. Früher sei etwas, das am falschen Ort stand, oft während der drei Festtage dort geblieben, erklärt Stahel. Das solle nicht mehr vorkommen.

Defizit budgetiert

Die erhöhten Sicherheitsauflagen belasten das Züri-Fäscht-Budget laut Stahel mit mehreren hunderttausend Franken. Zudem muss der Verein Zürcher Volksfeste, der das Züri-Fäscht unter Stahels Führung organisiert, erstmals den Zürcher Verkehrsverbund für entgangene Nachtzuschläge mit 900 000 Franken entschädigen. Der Grund: Kontrollen der Menschenmassen in den überfüllten S-Bahnen liessen sich während des Züri Fäschts kaum durchführen.

Insgesamt steigt das Festbudget gegenüber 2013 um 2 auf 7,5 Millionen Franken. Nun hofft Stahel auf mehr Geld vom Staat. Stadt- und Regierungsrat haben insgesamt 700 000 Franken zusätzlich beantragt, wodurch die Staatsbeiträge auf total 1,5 Millionen ansteigen würden. Die Bewilligungen der Gelder durch den Gemeinde- und den Kantonsrat stehen aber noch aus.

Und auch mit den zusätzlichen Staatsgeldern und trotz erhöhter Getränkepreise hat Stahel ein Defizit von 156 000 Franken budgetiert. Noch habe der Verein Zürcher Volksfeste eine Million Franken Vermögen. Sollten die zusätzlichen Mittel von Stadt und Kanton Zürich ausbleiben, wäre dieses Polster aufgebraucht. «Dann wäre es wahrscheinlich das letzte Züri-Fäscht», sagt Stahel. Doch die Aussichten seien positiv.