Tiere
Soll man Vögel füttern oder nicht?

Der Winter 2010/2011 hat ungewöhnlich früh begonnen, mit viel Schnee und Frosttagen. In diesem Zusammenhang taucht regelmässig die Frage auf, ob man Tiere in freier Natur füttern soll, damit sie besser durch den Winter kommen.

Andreas Toggweiler
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Keystone

Viele stellen sich die Frage allerdings gar nicht erst, sondern kaufen im Fachgeschäft oder auch beim Grossverteiler Vogelfutter. Denn für sie gehört die Vogelfütterung einfach zur Saison.

Fachleute haben allerdings ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Ritual. «Die Vogelfütterung hat sowohl positive wie auch negative Aspekte», sagt Patrick Frara, Hobby-Ornithologe beim Natur- und Vogelschutzverein Derendingen und Leiter der Beringungsstation Subigerberg im Thal.

Wetterlage muss länger anhalten

Sofern die Fütterung in kleinem Rahmen durchgeführt werde, sei sie in bestimmten Wettersituationen sinnvoll: nämlich bei geschlossener Schneedecke oder gefrorenem Boden. Diese Wetterlage müsste allerdings länger anhalten, damit die Vögel wirklich in Nahrungsnot kommen. Das war diesen Winter bisher noch nicht der Fall. Nach einigen Tagen ist die Schneedecke jeweils weggeschmolzen bzw. der Boden aufgetaut.

«Im Moment ist die Situation sicher nicht akut», betont deshalb Patrick Frara. Er warnt auch vor übertriebenen Erwartungen der Vogelfreunde bezüglich Naturschutz. «Die wirklich seltenen und gefährdeten Arten kommen praktisch nie ans Futterbrett.» Sie ziehen sich in die Wälder zurück. Die beste Hilfe für gefährdete Vogelarten sei deshalb nicht die Fütterung, sondern der Erhalt von Lebensräumen, betont der Ornithologe.

Dies könne schon bei einer naturnahen Gestaltung des eigenen Gartens anfangen: Eine Hecke oder auch nur ein liegen gelassener Asthaufen bieten Lebensraum für Insekten, die wiederum den Vögeln als Nahrung dienen. Beerensträucher oder Obstbäume liefern weitere Nahrung.

Wer dennoch im Winter Vögel füttern möchte, soll laut Frara Folgendes beachten: Die Futterstelle sollte vor Nässe geschützt sein, damit die Nahrung nicht einfriert. Auch muss vermieden werden, dass die Vögel ihr Futter verschmutzen und damit Krankheiten übertragen. Vogelfutter sollte nicht auf den Boden gestreut werden.

Risiko von Krankheitsübertragungen

Überhaupt wird dies von Experten generell auch als Argument gegen die Vogelfütterung ins Feld geführt: Wo sich viele Tiere am selben Ort zur Nahrungsaufnahme versammeln, steigt das Risiko der Krankheitsübertragung. Bei der autonomen Nahrungssuche sei diese Gefahr viel geringer.

Je nach dem, welches Futter verwendet wird, werden sich verschiedene Vogelarten einfinden: Kohl- und Blaumeisen sowie Kleiber lieben Futterknödel, Körnermischungen dienen Haus- und Feldspatzen, Rotkehlchen und Buchfinken als Nahrung. Für Amseln und Drosseln empfiehlt Frara, alte oder angefaulte Äpfel. Die Nahrung sollte im Übrigen so platziert werden, dass die Vögel bei Gefahr rasch Schutz aufsuchen können (zum Beispiel in einem Gebüsch).

Werden diese Regeln beachtet, kommt Freude auf: bei den Vögeln und beim Menschen, der die gefiederten Freunde bei der Nahrungsaufnahme beobachten kann. «Das ist ein wichtiger Aspekt der Vogelfütterung», meint Patrick Frara. «Nirgends kann man so einfach Vögel beobachten.» Damit werde generell das Interesse an der Vogelwelt geweckt, was natürlich im Interesse der Vogelschützer sei.

Für Fachleute selber bietet der Anblick am Vogelhäuschen im Siedlungsraum wenig Nervenkitzel. Die meisten Gäste sind Arten, die bei uns häufig vorkommen. Die Artenvielfalt ist zudem im Winter wegen Domizilwechsels der Zugvögel zusätzlich eingeschränkt.