Olten
Solides Fundament für mehr: Der EHCO konnte in diesem Jahr sein Aktienkapital verdoppeln

Im Jahr 2017 hat der Eishockeyklub sein Aktienkapital mehr als verdoppelt. Ein Zeichen dafür, dass der Verein seine Ziele konsequent verfolgt.

Yann Schlegel
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Hansruedi Aeschbacher

Von 2005 bis 2015 erwirtschaftete der EHC Olten elf Jahre lang einen Gewinn. Sukzessive überwand der Eishockeyklub die vier schwierigen Anfangsjahre als Aktiengesellschaft. Denn noch 2004 titelte das Oltner Tagblatt: «Liquiditätslage bleibt dramatisch». Nach dem Überlebenskampf operierten die Klubverantwortlichen mit einem bescheidenen Budget von gut 1,6 Millionen Franken. Unter der Ägide von Benvenuto Savoldelli rappelte sich der Verein auf. Dank rigidem Haushalten verdreifachte sich das Budget des Eishockeyklubs binnen zehn Jahren. Olten wuchs wieder zum NLB-Spitzenklub heran, feierte zwei Playoff-Finalteilnahmen und schrammte knapp am NLB-Meistertitel vorbei. Erst in den letzten zwei Saisons musste der EHCO bei gestiegenen sportlichen Erwartungen, die unerfüllt blieben, wieder Verluste verkünden.

Markanter Aktienkapitalanstieg

Das stetige Wachstum verlangte nach Aktienkapitalerhöhungen. Denn der Verband schreibt vor, dass das Eigenkapital mindestens 15 Prozent des Budgets betragen muss. 2012 erhöht der Eishockeyklub deshalb erstmals sein Aktienkapital um 100'000 Franken. Hatte die EHCO AG zur Jahrtausendwende mit einem Aktienkapital von 525'000 Franken begonnen, erhöhte es sich somit auf 625'000 Franken. Drei Jahre später beschloss die Generalversammlung eine erneute Aktienkapitalerhöhung um 312'500 Franken. Der Eishockeyklub vollendete diese erst im März des aktuellen Jahres. Gleichzeitig kündigten die Verantwortlichen eine weitere Kapitalerhöhung über die Millionengrenze an. Hierfür seien bereits erste Gespräche mit potenziellen Grossaktionären im Gange, sagte Geschäftsführer Peter Rötheli damals auf Anfrage. Mittlerweile steht fest: Seit März stieg das Aktienkapital mit der soeben abgeschlossenen Erhöhung erneut um rund 490'000 Franken.

Im Sommer findet beim EHC Olten nicht nur auf sportlicher Ebene, sondern auch im Verwaltungsrat ein grosser Umbruch statt. Benvenuto Savoldelli verlässt den Verein. Neuer starker Mann des neu zehnköpfigen Verwaltungsrats ist Marc Thommen. Binnen dreier Jahre will die neue Klubleitung in die NLA – neu «National League» – aufsteigen. Im Interview mit dieser Zeitung sagt Thommen im November: «Ein sehr wichtiges Thema ist die Aktienkapitalerhöhung, das ich bewusst an mich gezogen und zur Chefsache erklärt habe.»

Wie der EHC Olten am Mittwoch offiziell verkündet, schliesst er die jüngste Aktienkapitalerhöhung erfolgreich ab. Somit beläuft sich das durch Aktionäre finanzierte Kapital neu auf 1'406'200 Franken. Innerhalb eines Jahres konnte die EHC Olten AG ihr Aktienkapital damit de facto mehr als verdoppeln. Ein Zeichen dafür, dass der Verein seine Ziele konsequent verfolgt.

Sechs Millionen-Budget

Beinahe 200 Personen und Firmen hätten die neu gezeichneten 4'687 Inhaberaktien zum Nennwert von 100 Franken gezeichnet, sagt Marc Thommen heute auf Anfrage. Die nun verkauften Aktien gingen sowohl an neue wie auch an bestehende Aktionäre. Der neue Verwaltungsratspräsident versichert: «Die Aktien sind noch immer sehr breit verteilt. Wir haben niemanden, der die AG beherrschen könnte.»

Zwar habe ihm die markante Erhöhung um nahezu eine halbe Million Franken keine schlaflosen Nächte bereitet, doch es sei kein Selbstläufer gewesen. «Der gesamte Verwaltungsrat setzte sich dafür ein, Leute zur Aktienzeichnung zu überzeugen», sagt Marc Thommen. Eine erneute Aktienkapitalerhöhung innerhalb kurzer Zeit wurde nötig, da das Budget sich der sechs Millionengrenze annähert. Thommen dazu: «Es war ein wichtiger Schritt, der uns eine gewisse Sicherheit gibt.» Doch direkte Auswirkung auf den sportlichen Bereich hat die Kapitalerhöhung nicht.

Mit dem neuen Aktienkapital von gut 1,4 Millionen Franken reiht sich der EHC Olten im Vergleich zu anderen Swiss League-Klubs an der Spitze ein. Die Rapperswil-Jona Lakers erhöhten ihr Aktienkapital im vergangenen April auf beinahe 1,8 Millionen Franken. Langenthal hingegen halbierte sein Aktienkapital von gut 1,2 Millionen im Jahr 2013. Die Oberaargauer nahmen damit eine Bilanzsanierung vor. «Eine Aktienkaitalerhöhung wird erst zum Thema, wenn die Stadionfrage geklärt ist», sagt Angela Kölliker, Leiterin Marketing auf Anfrage. Das Aktienkapital der Westschweizer Klubs Ajoie und La Chaux-de-Fonds bewegt sich im ähnlichen Spektrum wie jenes der Langenthaler. Es beträgt jeweils rund 600'000 Franken. Doch es gilt zu beachten, dass das Aktienkapital allein wenig über die wirtschaftliche Lage eines Sportklubs aussagt. Dies zeigt das Beispiel der Tessiner NL-Klubs. Die finanzstarken Luganesi weisen ein Aktienkapital von 6,1 Millionen Franken aus. Das finanziell schwächere Ambri verfügt über ein Aktienkapital von 8 Millionen Franken.

«Wohin geht die sportliche Reise?» Marc Thommen formuliert damit jene Frage, die beantworten wird, wie lange das neue Aktienkapital ausreicht. Im Falle eines Aufstiegs müsste der Klub sein Aktienkapital wohl erneut erhöhen.