So viel verdienen die Chefs von Hilfswerken

Nach der Kontroverse um den Lohn des Rega-Chefs schaffen gemeinnützige Organisationen zunehmend Transparenz, wenn es um die Gehälter der Geschäftsführer geht.

SaW Redaktion
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Hilfswerkchef in Not. Illustration: Silvan Wegmann.

Hilfswerkchef in Not. Illustration: Silvan Wegmann.

Schweiz am Wochenende

Sie tun Gutes, engagieren sich für Menschen in Not. Für diese Aufgabe können sie auf ein Volk von Spendern zählen. Kaum ein anderes Land gibt so viel Geld für gemeinnützige Organisationen aus. Rund 700 Franken überweist ein Schweizer Haushalt pro Jahr an NonProfit-Organisationen (NPO).
Doch wie viele der Spenden fliessen in die Verwaltung? Und welche Entlöhnung eines NPO-Chefs ist angebracht? Die Offenlegung des Salärs von 440 000 Franken von Rega-CEO Ernst Kohler löste eine hitzige Kontroverse über die Cheflöhne bei gemeinnützigen Organisationen aus.
Eine Umfrage der «Schweiz am Sonntag» bei NPOs zeigt: Die Gehälter der Geschäftsleiter nähern sich den Löhnen in der Wirtschaft an. 189 000 Franken verdient durchschnittlich ein operativer Manager.
Markus Gmür, Vorsteher des Instituts für Verbandsmanagement an der Uni Freiburg, sieht folgende Gründe: «Die Anforderungen an NPO-Geschäftsführer werden denjenigen in der Wirtschaft ähnlicher. Dadurch werden Manager aus der Wirtschaft für NPO unter Umständen attraktiver, und das sorgt dann für einen Lohndruck, weil ein Wechsler aus der Wirtschaft nicht allzu hohe Lohneinbussen in Kauf nähme.»
Auch die Schweizer Paraplegiker-Stiftung stellt diese Entwicklung fest: «In der Führung einer NPO oder eines vergleichbaren profitorientierten Unternehmens sind keine Unterschiede mehr erkennbar. Dies betrifft auch die marktkonformen Lohnstrukturen», sagt Sprecherin Agnes Jenowein. 249 000 Franken verdient dort Direktor Joseph Hofstetter. «Wichtig ist allerdings, den Lohn in Relation zur Grösse und Komplexität der Organisation zu stellen.»
Ausreisser nach unten ist die Heilsarmee, wo noch zu Gotteslohn gearbeitet wird. 40 677 Franken jährlich erhält dort der Geschäftsführer. Dafür steht ihm ein Dienstwagen zur Verfügung. Ebenfalls wird er mit «guten Sozialleistungen für Familien» belohnt.
Die sogenannten nicht finanziellen Zusatzleistungen sind auch in anderen Organisationen üblich. Eine Gehaltsstudie in Schweizer Verbänden und Non-Profit-Organisationen von Markus Gmür zeigt: 80 Prozent der Geschäftsführer erhalten Extras wie GA, Halbtaxabonnement, Weiterbildungen, Handys, Tablets oder Lunch-Checks.
Einen Überblick über die Lohnstruktur bei NPO zu erhalten, ist schwierig. Bis vor kurzen hielten die Organisationen wenig von Lohntransparenz. Noch 2011 legten rund 80 Prozent der NPO die Geschäftsleitungsgehälter nicht offen. Nach der Kontroverse um den Lohn des Rega-Chefs scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben. Bei der Umfrage der «Schweiz am Sonntag» legten drei Viertel der Organisationen ihre Chefgehälter auf den Tisch. Einige versuchen sich allerdings noch immer hinter Gesamtlohnsummen aller Geschäftsleitungsmitglieder zu verstecken.
Ein No-go für die Caritas. «Zu einem Lohn, den eine gemeinnützige Organisation bezahlt, muss man auch öffentlich stehen können – sonst darf er nicht bezahlt werden», sagt Caritas- Kommunikationsleiter Odilo Noti. Fest steht für ihn auch: «Sieht man von der Rega ab – deren Entschädigung für ein Hilfswerk ganz klar und diskussionslos unangemessen ist –, kann man sagen: Die Geschäftsleitungslöhne gerade bei den grossen Hilfswerken sind alles andere als überrissen. Ein Vergleich zu den Einkommen von GL-Mitgliedern in Schweizer KMU macht klar, dass die Hilfswerke am unteren Ende liegen. Das ist auch in Ordnung.»
Doch welcher Lohn ist angebracht? «Die Grösse der Organisation und die damit verbundene Verantwortung ist einer der wichtigsten Erklärungsfaktoren für die Höhe einer Vergütung», sagt Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer. Die Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen schaut den Wohltätern auf die Finger – und nimmt dabei auch deren Gehälter unter die Lupe.
Die Rega verzichtet deshalb in Zukunft auf das Zewo-Gütesiegel. Trotzdem ist für Ziegerer klar: «Ein einziges Salär sagt wenig über eine Organisation aus. Entscheidender für die Beurteilung einer Spenden sammelnden Organisation ist beispielsweise, wie kostenbewusst die Organisation insgesamt arbeitet und wie hoch ihr Vermögen ist.»
Für den Verbandsspezialisten Gmür steht aber fest: «Wenn es sich um ein grosses Hilfswerk handelt, liegt die obere Schmerzgrenze für die meisten Spender bei einem Lohn von 200 000 bis 250 000 Franken.»
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