Finanzplatz
So ebnete Blocher dem Investmentbanking den Weg

Christoph Blocher will mit der SP zusammen die Bankensicherheitsinitiative vorantreiben, die die Trennbanken vorsieht. Experten warnen: Eine Aufspaltung hätte zur Folge, dass Grossbanken weniger Firmenkredite vergeben.

Roman Seiler
Drucken
Teilen
Christoph Blocher (links) und Martin Ebner drängten auf die Fusion der Bankgesellschaft mit dem Bankverein zur UBS (Foto vom Mai 1999). Key

Christoph Blocher (links) und Martin Ebner drängten auf die Fusion der Bankgesellschaft mit dem Bankverein zur UBS (Foto vom Mai 1999). Key

Der SVP-Vordenker Christoph Blocher und der Investor und BZ-Banker Martin Ebner attackierten in den Neunzigerjahren die frühere Bankgesellschaft. Damals sei es darum gegangen, wie rentabel eine Bank sein soll, sagt Blocher: «Die Gewinne waren ungenügend.» Die Banken hätten zu wenig «Shareholder-Value» generiert: «Schauen Sie heute den Wert der Banken an. Wenn Unternehmen an Wert verlieren, sind sie auf dem absteigenden Ast.»

Fusion führte ins Debakel

Diese Fehde führte 1998 zur Fusion der Bankgesellschaft mit dem Bankverein zur UBS. Nach dem Zusammenschluss forcierte die Bank das globale Investmentbanking. 2007 platzte das Geschäft mit US-Ramschpapieren. Die von Blocher und Ebner initiierte Jagd nach höheren Gewinnen endete in Milliardenverlusten.

Heute sagt Blocher: «Ich war stets gegen das unheimlich risikoreiche Amerikageschäft der Grossbanken. Sie haben in den USA gesamthaft nie Geld verdient.» Nun fordert er, die Banken müssen wieder kleiner werden. Sie seien «too big to fail», zu gross, um untergehen zu können. Das Investmentbanking soll vom «inländischen Vermögens- und Kreditgeschäft» abgetrennt werden.

Der frühere Chef der Credit Suisse und der UBS, Oswald Grübel, sagt: «Er will Banken haben, welche die Schweiz nicht gefährden und die das internationale Geschäft separieren, damit es im Fall eines Konkurses nicht die Schweiz belastet.» Das entspreche Blochers politischem Gefühl: «Die Schweiz sollte sich nur mit sich selbst beschäftigen.

Vor einer Aufspaltung warnt Grübel: «Wenn die Grossbanken schrumpfen und nur noch in der Schweiz tätig sind, können sie auch die Exportgeschäfte von Industriefirmen weniger finanzieren.» In diese Lücke würden dann Auslandsbanken springen. Obendrein wären Banken dann auch nicht mehr in der Lage, selber Exportmärkte zu erschliessen.

Kein Verständnis für Blochers Forderungen hat die Bankiervereinigung. Auch ihr seien Sicherheit und Stabilität wichtig, sagt Sprecher Thomas Sutter. Deshalb habe man die «Too big to fail»-Vorlage unterstützt und die Ergebnisse mitgetragen: «Die Schweiz ist mit dem System der Universalbanken bis heute gut gefahren.»

Weniger Kredite für Firmen

Das sieht auch Hans Kaufmann so, SVP-Nationalrat und Bankenexperte: «Universalbanken machen Sinn. Es waren stets spezialisierte Banken, die Krisen ausgelöst haben.» Zudem zeige sich Blocher als «faktenresistent»: «Er nimmt nicht zur Kenntnis, was sich mittlerweile alles getan hat.» So hätten die Grossbanken ihre Bilanzsummen faktisch halbiert. Damit gingen sie auch viel weniger Risiken ein. Die Vorstösse von Blocher und der SP seien bedrohlich für die Realwirtschaft: «Wenn man diese umsetzt, werden auch weniger Kredite an Unternehmen vergeben, auch an inländische.»

Aktuelle Nachrichten