Niederbipp
Sieben Kameras für das Schulareal

Als erste im Oberaargau setzt die Gemeinde auf Videoüberwachung. Der Gemeinderat wollte nicht mehr länger zusehen, wie Jugendliche die Schulanlage zerstörten.

johannes reichen
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Dieses Schulhausareal wird ab den Frühlingsferien mit Videokameras überwacht. hanspeter bärtschi

Dieses Schulhausareal wird ab den Frühlingsferien mit Videokameras überwacht. hanspeter bärtschi

Solothurner Zeitung

Die Schulanlage Oberdorf/Doktorgässli in Niederbipp ist ein beliebter Treffpunkt für die Jugend. Die Spuren, die da manchmal zurückbleiben, sind für die Gemeinde allerdings oft wenig erfreulich. «Was wir hier besonders nach den Wochenenden antreffen, ist nicht schön», sagt Gemeinderätin Edith Born (SVP) mit Ressort öffentliche Sicherheit, «und oft auch mit vielen Kosten verbunden.»

Darum will der Gemeinderat nicht mehr länger zusehen. Nach den Frühlingsferien soll das Areal mit sieben Videokameras überwacht werden. «Das wird abschreckend wirken. Wir hoffen natürlich, dass es sich dann sofort beruhigt», sagt Born. Sie präsidiert die für die Videoüberwachung zuständige Kommission Prävention und Sicherheit.

Zwar sei Vandalismus beim Schulhaus schon seit vielen Jahren ein Problem, sagt die Gemeinderätin. «Besonders schlimm war es aber im vergangenen Jahr.» Storen wurden heruntergerissen, Bierflaschen auf dem Boden zerschlagen, Blumen herausgerissen, Abfall liegen gelassen. Auch die Benützer des rege vermieteten Singsaals im Schulhaus litten unter den Zerstörungen, beispielsweise die Musikgesellschaft oder die Trachtengruppe.

Machtlose Securitas-Patrouille

Es seien nicht nur Schüler, die für die Verwüstung sorgten. Auch Zwanzigjährige hielten sich an den Wochenenden auf dem Areal auf, nicht wenige kämen mit dem Auto aus dem Kanton Solothurn nach Niederbipp. Selbst die Patrouille der Securitas nütze da nur bedingt, sagt Born. «Die Jugendlichen organisieren sich und haben Aufpasser, die Alarm schlagen, wenn die Patrouille kommt.»

Keine Probleme gibt es dagegen während der Schulzeiten, wie Schulkommissionspräsident und Gemeinderat Peter Haudenschild (FDP) sagt. «Wir wehren uns nicht gegen die Videoüberwachung, aber für uns bringt sie keinen Nutzen.» Bei Pausendelikten werde man nicht auf die Bilder zurückgreifen. «Das ist nicht das Ziel der Überwachung.»

Umfangreiche Abklärungen

Seit Mitte 2009 gelten im Kanton Bern neue Bestimmungen für die Videoüberwachung. Für den ordnungsgemässen Einsatz mit Kameras seien umfangreiche Abklärungen mit der Kantonspolizei nötig gewesen, sagt Gemeinderätin Born. Die von den Kameras aufgenommenen Daten werden in einem Zimmer im Schulhaus gesammelt und gespeichert – und unter Verschluss gehalten, sagt die Gemeinderätin.

Wenn die Gemeinde eine Auswertung verlangt, kann sie sich an die Polizei wenden. «Die Daten werden nur von der Kantonspolizei ausgewertet», sagt Nicolas Kessler, Sprecher der Kapo Bern. So ist es in der Videoverordnung des Kantons geregelt. Die Polizei könne aber auch von sich aus die Gemeinde um Herausgabe der Aufzeichnungen ersuchen.

Oberaargau bisher videofrei

Die Bilder dürfen gemäss dem kantonalen Polizeigesetz maximal 100 Tage gespeichert bleiben. Born geht aber davon aus, dass die Daten jeweils schon nach zwei bis drei Wochen gelöscht werden. Auch müsse sichergestellt werden, dass nicht angrenzende Liegenschaften ins Blickfeld der Kameras kommen, sagt Born.

Niederbipp ist gemäss Kessler die erste Gemeinde im Oberaargau, die auf Videoüberwachung setzt und die dritte im Kanton, die ein Schulareal überwacht. Im nächsten «Anzeiger» wird die Überwachungsanlage publiziert. Edith Born rechnet nicht mit Einsprachen und hofft, dass die Kameras nach den Frühlingsferien eingesetzt werden können. Die Kosten für die Anschaffung und Installation der Kameras belaufen sich gemäss der Gemeinderätin auf rund 30000 Franken.