Birmensdorf
Sie wahrt die Schweizer Hühnertradition im Limmattal

Bei Olivia Derungs zu Hause spazieren seltene Hühner im Garten herum. Denn die Juristin setzt sich für den Erhalt alter Schweizer Hühnerrassen ein.

Anja Mosbeck
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Das Schweizerhuhn Küken ist ca. eine Woche alt.
16 Bilder
Links ein Appenzeller Barthuhn Küken und rechts ein Schweizerhuhn Küken
Die Küken des Appenzeller Barthuhns haben ein adlerartiges Aussehen
Hier noch ohne Federn
Jetzt sind sie bereits ca. drei Wochen alt.
Momentan sind die Küken noch drinnen in einem Käfig mit Wärmelampe
Ein Küken des Appenzeller Barthuhns
Seltene Pro Specie Rara Hühner in Birmensdorf
Links: ein Schweizerhuhn Küken, rechts: ein Appenzeller Barthuhn Küken.
Ein ausgewachsener Hahn der Rasse des Schweizerhuhns
Die beiden Hennen Elsa und Anna sind fleissig am Würmer picken.

Das Schweizerhuhn Küken ist ca. eine Woche alt.

Olivia Derungs

Tierisch geht es bei Familie Risch-Derungs in Birmensdorf zu und her. Inmitten von Katzen, Schildkröten und Wachteln spazieren zwei Hühner durch den Garten. Es sind aber nicht irgendwelche Hühner, sondern Appenzeller Barthühner. Sie gehören neben dem Appenzeller Spitzhaubenhuhn und dem Schweizerhuhn zu einer der drei alten traditionellen Schweizer Hühner-Landrassen. Für den Erhalt dieser drei Hühnerrassen setzen sich die Stiftung ProSpecieRara und der Züchterverein für ursprüngliches Nutzgeflügel (ZUN) ein. Hier im Limmattal möchte sich Juristin Olivia Derungs mit einer zukünftigen kleinen Zucht für den Erhalt der Hühner-Landrasse einsetzen.

Seit einem Jahr sind die beiden Appenzeller Barthühner Elsa und Anna Teil der Familie. Sie legen nicht nur fleissig Eier, sondern sind auch handzahm. Ruft ihre Besitzerin ein paar Mal «Tschiggetschiggetschiggediiis» in den Garten hinaus, kommen die beiden Hennen sofort herbeigerannt, lassen sich streicheln und in den Arm nehmen. «Sie sind wie Hunde und folgen mir auf Schritt und tritt, wenn ich im Garten bin», so Derungs. Dass die Tiere so zahm sind, sei auch für die Kinder eine Bereicherung, denn so entstehe Vertrauen zwischen Mensch und Tier.

Die Hennen Elsa und Anna allein komplettieren aber noch keine Zuchtgruppe. Darum gibt es seit etwa drei Wochen Nachwuchs im Hause Risch-Derungs. Geschützt in einem Käfig mit Brutlampe wachsen die 20 Küken schnell heran. Zehn davon sind Appenzeller Barthühner, die anderen zehn sind Schweizerhühner. «Diese werden aber grösser und können darum auch nicht so gut fliegen», sagt sie.

Aus welchen der beiden Hühnerrassen die frischgebackene Hobbyhühnerhalterin eine Zuchtgruppe zusammenstellt, entscheidet sich an der Anzahl der Hennen. Männchen und Weibchen liessen sich jetzt noch nicht definieren, deshalb müsse sich Derungs überraschen lassen. «Ich hoffe aber, dass sich mehr Hennen als Hähne unter den Küken befinden, denn junge Hennen gibt es seltener zu kaufen», sagt sie. Ausserdem brauche es nur einen Hahn verteilt auf sechs bis acht Hennen, der diese nicht nur befruchtet, sondern auch als Leittier für die Gruppe verantwortlich ist.

Zwei Organisationen setzen sich für drei Hühner ein

In der Schweiz gibt es heute noch drei ursprüngliche, lokale Hühnerrassen: das Appenzeller Spitzhaubenhuhn, das Appenzeller Barthuhn und das Schweizerhuhn. Die Stiftung ProSpecieRara setzt sich für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren ein. Aus deren Rettungs- und Erhaltungsprojekten heraus hat sich der Züchterverein für ursprüngliches Nutzgeflügel (ZUN) entwickelt. Stiftung und Verein arbeiten eng zusammen, wobei sich ProSpecieRara um die Öffentlichkeitsarbeit, Rasseninformationen oder Vermarktungsaktivitäten kümmert. Der ZUN hingegen übernimmt die Zuchtbuchführung, den Ringversand, die Tiervermittlung- und beurteilung, die Mitgliederberatung und die Kursorganisation. Dahinter steckt das Ziel, für die drei Rassen eine Erhaltungszucht mit Zuchtbuch zu betreiben. So können eine möglichst grosse Menge an alter Genetik bewahrt und Inzuchtprobleme klein gehalten werden. (amo)

Auf die beiden Geflügelrassen gekommen ist Derungs schon länger. Durch eine Freundin, die im Coop arbeitet, habe sie von der Stiftung ProSpecieRara erfahren. Neben Pflanzen und Gemüse sei sie auch auf die Hühner gestossen, deren Vermittlung ZUN übernimmt. «Ich befürworte den Gedanken, den Erhalt einer alten Schweizer Rasse zu unterstützen. Dafür müssen möglichst viele Zuchtgruppen verbreitet werden», so Derungs. Sie möchte sich jedoch nicht lediglich auf die Zuchttiere konzentrieren. «Wir werden auch diejenigen Hühner, die altersbedingt weniger legefreudig sind als andere, bei uns behalten und ihnen ein schönes Leben bieten», so Derungs. Und auch für die nicht zur Zucht geeigneten Tiere werde sie einen guten Platz finden.

Denn Derungs ist eine Tierliebhaberin. Bevor die Hühner kamen, habe sie sich zuerst Wachteln zugelegt. «So konnte ich meinen Mann langsam auf die etwas grösseren Hühner einstimmen», sagt sie und lacht. Mit Elsa, Anna und Schweizerhuhn Lady Gaga startete Derungs ihre kleine Hühnergruppe. «Lady Gaga entpuppte sich aber nach einiger Zeit als Mr. Gaga. Darum musste ich ihn leider an eine Schweizerhuhn-Zuchtgruppe abgeben», sagt sie.

Um auch anderen Hühner-Liebhabern einen Einblick in ihr Hobby zu gewähren, ist zurzeit die Internetseite www.huehner-rei.ch in Bearbeitung. Zudem bietet Derungs ein Hühnerleasing an. Dabei kann jeder sein Huhn besuchen und auch dessen Eier nach Hause nehmen. «Wir haben bereits einige Anfragen. Das Interesse an der gefährdeten Schweizer Nutztierrasse geht bereits über unseren Bekanntenkreis hinaus», sagt sie.