Schlieren
Sie hat ihr Glück im Limmattal gefunden

Ihre harten Erlebnisse im Bosnienkrieg betrachtete Seherzada Hasanien rückblickend als Lebensschule. Der Liebe wegen reiste sie im 2011 erstmals in die Schweiz, wo sie ein Jahr später heiratete.

Margret Stöcklin
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Seherzada Hasanien.Mst

Seherzada Hasanien.Mst

Wir treffen Seherzada Hasanien an einem sonnigen Herbsttag auf dem Stadtpark-Spielplatz in Schlieren, wo sich Töchterchen Iman auf der Schaukel vergnügt. Die Frage, ob sie etwas aus ihrem Leben erzählen würde, beantwortet sie spontan mit «Ja». Dafür, dass die Bosnierin erst seit einigen Jahren in der Schweiz ist, beherrscht sie die deutsche Sprache bereits recht gut – und zwar in Wort und Schrift. Hasanien wuchs in der Stadt Doboj auf, wo sie die Mittelschule besuchte und sich anschliessend zur Köchin ausbilden liess.

«Dieser Beruf ist für mich zugleich auch Berufung, denn ich liebe die Arbeit in der Küche, weil sie kreativ und interessant ist», sagt Hasanien. «Ich würde sogar so weit gehen, das Kochen als Kunst zu bezeichnen, sofern einer wirklich etwas davon versteht und mit Liebe dabei ist.»

Die gross gewachsene Frau war 20 Jahre lang in verschiedenen Restaurants als Küchenchefin tätig und betrieb zuletzt in Tuzla einen eigenen Gastro-Betrieb mit drei Angestellten. Wahrscheinlich würde sie dort immer noch den Kochlöffel schwingen, wenn Amor nicht dazwischengefunkt hätte. Hasanien: «Es war reiner Zufall, dass mein heutiger Mann in mein Restaurant zum Essen kam. Adif gefiel mir auf den ersten Blick, wir kamen ins Gespräch und verabredeten uns. Bevor mein neuer Freund wieder zurückfahren musste, lud er mich zu sich nach Hause ein.» Eins folgte aufs andere und so reiste sie für die Liebe im 2011 erstmals in die Schweiz. Nur ein Jahr später heirateten die beiden auf dem Standesamt Dietikon.

Familienglück

Seherzada Hasanien brachte ihre heute 13-jährige Tochter Dalila mit in die Ehe. Und vor drei Jahren erblickte das gemeinsame Töchterchen Iman das Licht der Welt. Die kleine Familie lebt an der Schlieremer Dörnliackerstrasse und Dalila besucht die siebte Klasse im Schulhaus Kalktarren. Die stolze Mutter freut sich, dass es ihrer Tochter gut geht, und lobt das schweizerische Schulsystem: «Ob arm oder reich, hier bekommen alle Kinder die gleiche Chance, etwas zu lernen, weil Unterricht und Bücher gratis sind. In Bosnien muss man für alles bezahlen.»

Die Schweiz sei einfach ein wunderbares Land, weil die Leute die Natur respektierten und alles sauber und grün sei. Dass sie in einem sicheren Land leben darf, weiss die zweifache Mutter ganz besonders zu schätzen, weil sie den von 1992 bis 1995 dauernden Krieg in Bosnien am eigenen Leib erfuhr. «Ich habe gelernt, ohne Wasser, Strom und Geld auszukommen. Seither weiss ich, wie man sich selbst die Haare schneidet, Kleider näht, Käse macht und Gemüse konserviert. Diese drei Kriegsjahre waren zwar eine schwierige Periode, aber zugleich auch eine Lebensschule», sagt sie.

Ihren neuen Wohnort Schlieren lobt die 40-Jährige über den grünen Klee, weil es hier alles gebe, was Familien brauchen, und im Lilie-Zentrum finde man fast alles für den täglichen Bedarf. «Hier kaufe ich zweimal die Woche ein: hauptsächlich Lebensmittel, aber auch Kleider und Schuhe sowie in der Apotheke Medikamente, Pflaster und dergleichen.» Die gebürtige Bosnierin weint ihrer alten Heimat keine Träne nach, ihrem angestammten Beruf allerdings schon. Aktuell ist sie auf der Suche nach einem Küchenjob und weiss, dass sie wieder unten anfangen muss, um erst einmal zu beweisen, was sie alles drauf hat. «Ich habe noch nie in der Schweiz gearbeitet, würde jedoch alles dafür geben, wenn mir jemand eine Chance gäbe, meine Berufung weiterleben zu dürfen», so Hasanien.

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