FC Basel
Serey Die und das Verbot, sich vor der Mannschaft zu entschuldigen

Die 0:1-Niederlage des FC Basel gegen Ludogorez Rasgrad lässt sich auf zwei entscheidende Szenen reduzieren: die Rote Karte gegen Mittelfeldabräumer Serey Die und das unnötige Gegentor in der zweiten Minute der Nachspielzeit.

Sebastian Wendel, Sofia
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War das Rot? Geoffroy Serey Die schüttelt ungläubig den Kopf. Schiedsrichter Aytekin ist sich seiner Sache sicher.

War das Rot? Geoffroy Serey Die schüttelt ungläubig den Kopf. Schiedsrichter Aytekin ist sich seiner Sache sicher.

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Ludogorez Rasgrad gegen den FC Basel – für den neutralen Zuschauer war es magere Fussballkost. Ein Spiel, an das er sich bald nicht mehr erinnern wird.

Anders ergeht es den Beobachtern hierzulande. Speziell jenen mit rot-blauen Herzen. Spätestens im Dezember, sollte der FCB die Achtelfinal-Qualifikation wegen eines mickrigen Punktes verpassen, wird das 0:1 in Bulgarien eine Hauptrolle in der Ursachenforschung einnehmen. Nicht, weil der FCB an diesem kühlen Abend im Vassil-Levski schlecht gespielt hat – interessieren werden dann nochmals zwei Szenen, auf die sich die ganze Partie reduzieren lässt: In der 19. Minute sieht Geoffroy Serey Die zur Überraschung aller im Stadion die rote Karte. In der 92. Minute, als sich ein Tor schon länger nicht mehr abzeichnet, erzielt Yordan Minev doch noch das 1:0 für Rasgrad.

Ludogorez - Basel
19 Bilder
Grenzenloser Jubel bei Ludogorez Rasgrad.
Yordan Minev (links) bejubelt seinen entscheidenden Treffer.
Gegenseitige Schuldzuweisungen bei Basel?
Der Basler Torhüter Vaclik hielt seine Farben mit starken Paraden lange im Spiel.
Ratlose Basler nach dem Spiel.
Der FC Basel mit Breel Embolo verliert in letzter Sekunde.
Die Szene der ersten Halbzeit: Rote Karte gegen Die bereits in der 19. Minute.
Serey Die verlässt nach seiner roten Karte das Spielfeld.
Terziev (rechts) fordert die rote Karte gegen Die.
Paulo Sousa versucht seine Mannschaft optimal einzustellen.
Es ist bisher eine umkämpfte Partie.
Der Basler Aliji verliert das Kopfballduell.
Serey Die antizipiert den Ball.
Der FC Basel bereitet sich vor auf die heutige Aufgabe.
Fokussierte Basler in Bulgarien.
Lockere Atmosphäre beim FCB.
Alles bereit für die heutige Partie zwischen Ludogorez Rasgrad und dem FC Basel.
Paulo Sousa gewohnt locker vor der Partie.

Ludogorez - Basel

Keystone

Im Anschluss an die Partie schleichen die meisten Basler lust- und wortlos an den Journalisten vorbei. Die wenigen, die stehen bleiben, gewähren einen Einblick in ihr persönliches Innenleben und in das der Mannschaft.

Rot gegen Serey Die

Wie er da geduscht und im Anzug aus der Kabine kommt, scheint es, als würde der Ivorer gerne seine Meinung sagen. Seine Sicht zu der Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist. Zur 19. Minute, in der er im Zweikampf gegen Moti erst den Ball trifft, dann auf diesem wegrutscht und mit seinen Stollen den Knöchel des Bulgaren touchiert. Ob ihm Schiedsrichter Deniz Aytekin erklärt habe, warum er für dieses harte, aber nie und nimmer böswillige Einsteigen die rote Karte zückte. Aber Serey Die darf nicht reden und wird von einem Betreuer in den Mannschaftscar geschoben.

Später berichten seine Teamkollegen, dass Serey Die immer hart in die Zweikämpfe gehe, aber nie jemandem weh machen wolle. Fast apathisch sei er da gesessen, als sie zur Pause in die Kabine kamen. Fabian Frei musste ihm sogar ausreden, sich vor der Mannschaft zu entschuldigen. «Er fragte, ob ich ihm dabei helfe, indem ich übersetze. Aber bei uns muss sich niemand entschuldigen – schon gar nicht jemand, der keinen Fehler begangen hat. Wir verlieren und gewinnen zusammen.» Frei, in Sofia Stellvertreter des verletzten Captain Marco Streller, fragte Aytekin nach dem Grund für den Platzverweis. Doch der Deutsche schwieg einfach und wandte sich ab. Dafür, so vernahm man in den Katakomben, soll er nach dem Pausenpfiff zum aufgeregten FCB-Trainer Paulo Sousa gesagt haben: «Ich habe die TV-Bilder gesehen und sage Ihnen: Ich würde nochmals genau gleich entscheiden.» Sousa stimmte in den Kanon seiner Spieler ein, dass die frühe Dezimierung alle Pläne über den Haufen geworfen habe.

Die Frage, ob der FCB ohne den Platzverweis nicht verloren, vielleicht sogar gewonnen hätte – sie stellt sich nicht. Vielmehr dafür: Wie hat der FCB auf die Unterzahl reagiert?

Erst einmal so, als sei gar nichts passiert. Bis zur Pause war er Ludogorez punkto Spielanteilen gar überlegen. Woher auch immer dann der Input kam, nach dem Wiederanpfiff nur noch den eigenen Sechzehner zu verbarrikadieren – es war im Nachhinein trotz Unterzahl ein zu vorsichtiger Auftritt. Nur schon der Feingriff, nach Abschlägen zehn Meter weiter aufzurücken, hätte das Anrennen der limitierten Bulgaren zusätzlich erschwert. Und Räume geschaffen für eigene Offensivakzente.

Das 0:1

Tränen in den Augen von Tomas Vaclik. Sinnbild dafür, wie tief der Schock nach dem späten Gegentreffer sitzt. Der Goalie, bis in die 92. Minute ein grossartiger Rückhalt, sieht den Schuss von Mitov erst kommen, als sich Taulant Xhaka wegduckt – zu spät. Mit zittriger Stimme sagt Vaclik: «Es war nicht einmal ihr bester Abschluss und trotzdem landete der Ball im Netz. Das ist so bitter!»

Das Unheil endet beim Tschechen – beginnen tut es bei Ahmed Hamoudi. Erst sieben Minuten auf dem Feld, entschliesst sich der Ägypter im dümmsten Moment für ein Dribbling gegen drei Bulgaren. Statt zur Eckfahne zu laufen oder mit anderen Mitteln den Ball zu sichern. Konter Razgrad – Schuss Minev – Tor. Den Vorwurf, zu egoistisch gehandelt zu haben, muss sich Hamoudi gefallen lassen. Doch stellt sich auch die Frage, warum Paulo Sousa Hamoudi überhaupt einwechselte – und nicht einen mannschaftsdienlichen Spieler wie Luca Zuffi. Einen, bei dem die Anweisungen der anderen schneller ankommen als bei Hamoudi, der nur Arabisch spricht und versteht. Einen, der sich nicht zu schade zum Foulen ist, um den gegnerischen Konter zu unterbinden.

Sousas Credo lautet: immer auf Sieg. So gesehen macht der unberechenbare Dribbler Hamoudi Sinn. Doch es gibt Situationen, in denen vom Trainer Pragmatismus gefragt ist – die Schlussphase in Sofia war so eine.

Bleibt für Sousa zu hoffen, dass es im Dezember nicht heisst: Gegen Ludogorez hat der Schiedsrichter den FCB benachteiligt. Doch genauso schlecht waren die Entscheidungen des Trainers.

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