Unterengstringen
Senioren-Mittagstisch: Kochen fürs Gemüt und fürs Grosi

Beim Senioren-Mittagstisch dreht sich nicht alles ums Essen.Jeden zweiten Dienstag verwandelt eines von drei Kochteams den Gemeindesaal Unterengstringen in einen liebevoll dekorierten Speisesaal.

Gioia Lenggenhager
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Frauenpower in der Küche: Therese Wirz (Mitte), Karen Glanzmann (links) und Katharina Stockmann (rechts) vom Senioren-Mittagstisch.gil

Frauenpower in der Küche: Therese Wirz (Mitte), Karen Glanzmann (links) und Katharina Stockmann (rechts) vom Senioren-Mittagstisch.gil

Diese Frau lässt nichts anbrennen: Therese Wirz, gelernte Köchin, leitet den Senioren-Mittagstisch schon seit über einem Jahrzehnt.

Jeweils fünf Köchinnen schmeissen gemeinsam die Küche. Sie bekochen rund 45 Seniorinnen und Senioren. Der Gemeindesaal bietet Platz für 200 Personen – es dürfen sich also noch viele Gäste dazusetzen. Willkommen ist jeder und jede. Aber Achtung: nicht an jedem Ort. Manchmal, wenn ein neuer Gast komme und irgendwo Platz nehmen wolle, würden sich die Stammgäste wehren, weil sie sich gewöhnt seien, immer neben den gleichen beiden Personen zu essen, schildert Wirz. «Das gehört dazu, so sind halt manche ältere Leute», sagt die 49-Jährige.

Obwohl für gewisse Senioren Gewohnheiten und Vorlieben in Stein gemeisselt scheinen, seien die Gäste alles andere als «schnäderfrässig», sagt Wirz. Allerdings gebe es immer wieder Spezialwünsche – dies vor allem deshalb, weil gewisse Mägen einfach nicht mehr alles vertragen. Oft würden Gerichte gekocht, die sich für einen Zweipersonenhaushalt in der Zubereitung nicht lohnen. Das nächste Mal, wenn sie und ihre Freundinnen kochen, würden die Betagten zum Beispiel mit Hackplätzli und Spargelrisotto verwöhnt, verspricht Wirz.

Alt sein heisst nicht einsam sein

Am Mittagstisch dreht sich zwar vieles, aber lange nicht alles um das Essen. Die Senioren geniessen den Kontakt und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Alt sein bedeutet für viele Menschen auch, einsam zu sein. «Das muss nicht so bleiben», sagt Wirz. Und: «Ein Stück weit können die Menschen, gerade zum Beispiel mit unserem Mittagstisch, der Einsamkeit auch vorbeugen.» Viele Gäste kämen zuerst als Ehepaare. Wenn ein Partner sterbe, seien die Senioren füreinander da. Feste Termine wie der Mittagstisch könnten den Hinterbliebenen helfen, einen Rhythmus und eine feste Struktur in die Wochen zu bringen, sagt Wirz. Es werde aufeinander aufgepasst; man reserviere gegenseitig Plätze, damit man mit seinen angestammten Tischnachbarn tratschen kann. Manchmal, wenn jemand fehle, bleibe der Stuhl auch leer.

Wirz interessiert sich für den reichen Erfahrungsschatz von alten Menschen. «Es ist immer wieder spannend zu hören, was sie alles erlebt haben», sagt sie. Von einer alten Nachbarin ist sie fasziniert: «Zwar erzählt sie viel von früher, aber wenn ich sehe, mit wie viel Elan und Kraft sie ihren Haushalt und den Garten managt, dann kann ich nur staunen.»

Ob das Essen oder das Zubereiten mehr Spass macht, kann sich Wirz nicht entscheiden. Aber so viel kann sie sagen: «Ich geniesse das gemeinsame Kochen. Die Teamarbeit macht immer Spass.» Wegen ihrer Vorliebe für Süssigkeiten sei sie am liebsten für das Dessert zuständig.

Wirz kocht seit 15 Jahren für die Betagten. Heute in 15 Jahren wird sie vielleicht selber bekocht. «Aber nur, wenn ich neben meinen Freundinnen sitzen darf!», sagt sie und lacht.

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