Langenthaler Tagblatt
Sein halbes Journalistenleben gehört dem Tagblatt

Martin Moser hat sein halbes Journalistenleben beim Langenthaler Tagblatt verbracht. Hier berichtet er von den spannenden Jahren und vom Redaktionsalltag in einem Zeitungsverbund.

Martin Moser
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Der Autor an seinem heutigen Arbeitsort im Newsroom der az in Aarau.

Der Autor an seinem heutigen Arbeitsort im Newsroom der az in Aarau.

Emanuel Freudiger

12 Jahre – von 1989 bis 2001 war ich auf der Redaktion in Langenthal. Da läppert sich einiges zusammen: Bundesordner voller ausgeschnittener Zeitungsartikel aus der Zeit der vordigitalen Archivierung. Aber diese sind nur äussere, materielle Überbleibsel einer Zeit, die intensiv war. Intensiv und schön. Intensiv und herausfordernd. Intensiv und prägend.

Wichtiger als diese Papierflut sind die Begegnungen mit Menschen – in und ausserhalb der Redaktion. Und wichtiger sind die unzähligen schönen Erlebnisse, die ich mit ihnen hatte. Über die weniger schönen schweigen die Götter. Wenn ich hier aus dem Nähkästchen plaudere, dann ist das natürlich keine vollständige Chronologie, sondern es sind lediglich ein paar Erinnerungen. Etwa jene an Michael Hug, den heutigen Chefredaktor der «Berner Zeitung». Er hat mich 1988 in die Welt des Journalismus und des Zeitungsmachens eingeführt. Damit schliesst sich so etwas wie ein Kreis. Michael Hug ist jetzt ja auch Chef des Tägu.

Mit Schraubenzieher und Hammer

Meinen ersten Kontakt mit der Redaktion in Langenthal hatte ich lange, bevor ich wusste, dass ich hier arbeiten würde: Damals war es in der Ausbildungszeit für Jungjournalisten üblich, eine Woche lang dem Fotografen über die Schultern zu blicken. Just in meiner Foto-Woche wollte Alois Winiger, der damalige Fotograf der Solothurner Zeitung, in Langenthal ein Fotolabor einrichten. So kam ich beruflich zum ersten Mal nach Langenthal – genauer in den Keller der Druckerei Merkur, wo die Redaktion zu Hause war. Statt Griffel und Schreibblock hatten wir allerdings Schraubenzieher und Hammer im Gepäck, um das Reich von Margrit Kohler einzurichten.

Sie gehörte danach, als ich im März 1989 definitiv zum Tägu wechselte, zu jenen Menschen, die mich während meiner ganzen Zeit auf der Redaktion begleitet haben. Manch schöne Fotoseite – Fasnacht, unzählige Feste, Adventsfenster usw. – ist in Zusammenarbeit mit ihr entstanden.

Amtsübergabe

Der erste journalistische Job in Langenthal ist mir genauso in Erinnerung geblieben wie der handwerkliche: Emil Schaffer übergab am 1. März 1989 sein Amt als Regierungsstatthalter an den eben erst gewählten Martin Lerch. Als Solothurner völlig ahnungslos über die Bedeutung des Regierungsstatthalteramtes, marschierte ich mit Block, Griffel und Fotoapparat von der Redaktion an der Bahnhofstrasse ins alte Amtshaus vis-à-vis dem Bahnhof.

Die politischen Gepflogenheiten im Kanton blieben mir allerdings nicht lange fremd. Unzählige Wahlen und Abstimmungen auf allen Ebenen des Staates gaben genug Stoff her, Artikel, Analysen und Kommentare zu schreiben. Politik war allerdings immer nur die eine Seite, die mich interessierte. Die Menschen und was sie bewegt und antreibt, die andere. Auch das gesellschaftliche und kulturelle Leben im Oberaargau hielt genug Geschichten bereit, die sich zu erzählen lohnten. So gehören denn zu den schönsten Erinnerungen auch die grossen Feste: Das Kantonal-bernische Musikfest 1989 in Langenthal, das Eidgenössische Pontonierfest 1991 in Aarwangen oder das Bernische Kantonalschwingfest 1998 in Lotzwil.

Herausforderungen

Zu den schwierigeren Aufgaben eines Regionaljournalisten gehört, über tragische Schicksale zu berichten, die eine ganze Region bewegen. Die richtigen Worte über die Trauerfeier für die drei Buchser Feuerwehrmänner zu finden, die 1996 beim grossen Tela-Brand ums Leben kamen, war eine Herausforderung.

Nicht immer einfach war der Umgang mit den Chefs in der Zentrale. Solothurn ist schliesslich ein anderer Kanton. Und da gabs denn Chefredaktoren, die froh waren, wenn sie möglichst wenig mit Langenthal zu tun hatten, und Chefredaktoren, die immer alles besser wussten. Die neuen Chefs des Tägus sitzen ja zumindest im gleichen Kanton. Das also dürfte einfacher werden. Allerdings ist die Oberaargauer Sicht nicht immer die gleiche wie jene in der Stadt Bern. Darum wünsch ich der Redaktion in Langenthal, dass sie auch mal auf die Hinterbeine stehen kann und darf, falls es nottut.

Die Fragen zum Schluss: Was bleibt? Viele schöne Erinnerungen an Begebenheiten und Persönlichkeiten, Personen, die gute Freunde geworden sind – und ich bin geblieben. Langenthal ist durch den Tägu zu meiner Heimat geworden – mein halbes Journalistenleben gehört dem Tägu. Und immerhin: Das Langenthaler Tagblatt bleibt als Zeitung in neuem Kleid erhalten, sodass wir in drei Jahren Tägus 150. Geburtstag feiern können. Mit einem rauschenden Fest hoffentlich.

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