Kappel SO
Schwere Vorwürfe gegen «Retter ohne Grenzen»: Agieren Laien unter Deckmantel professioneller Kleidung?

Der "Blick" äussert in seiner heutigen Ausgabe schwere Vorwürfe gegen die freiwillige Sanitätsgruppe von Retter ohne Grenzen. Der in Kappel beheimateten Organisation unter der Leitung von Manuel Stocker wird Unprofessionalität vorgeworfen.

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Die Retter ohne Grenzen im Einsatz: Für Laien sind sie nicht von richtigen Sanitätern zu unterscheiden.

Die Retter ohne Grenzen im Einsatz: Für Laien sind sie nicht von richtigen Sanitätern zu unterscheiden.

Screenshot retter-ohne-grenzen.ch

Die Vorwürfe sind happig: Fehlende Ausbildungen, Kompetenzüberschreitungen und Eigennützigkeit lauten die Anschuldigungen des "Blicks" an die Adresse der freiwilligen Sanitätsorganisation Retter ohne Grenzen. Die Sanitäter, welche im September 2015 unter der Leitung des in Kappel SO beheimateten Manuel Stocker mit dem hehren Ziel angetreten sind, bei spontanen Grossereignissen wie Demonstrationen oder Flüchtlingsanstürmen, an vorderster Front Unterstützung und Erste Hilfe zu bieten, erleben eine Breitseite an Widerstand.

Sicherheit in Frage gestellt

So meint Michael Schumann, Direktor der Vereinigung Rettungssanitäter Schweiz gegenüber dem "Blick": «Der Verein Retter ohne Grenzen agiert in verschiedenen Gebieten der Schweiz im Rahmen von Veranstaltungen, häufig ohne offiziellen Auftrag. Besonders gravierend daran: «Die Mitarbeitenden verfügen gemäss unserem Kenntnisstand aktuell weder über die Ausbildung noch die Kompetenzen, um bei Demonstrationen mit Polizeieinsatz eine sanitätsdienstliche Versorgung zu gewährleisten», lässt sich Schumann weiter zitieren.

So sei die Sicherheit der Bedürftigen in Frage gestellt, da es sich nicht um diplomierte Rettungssanitäter handle. Aufgrund der professionellen Kleidung, welche den offiziellen Uniformen täuschend echt gleichen, wiegten sich die Patienten zudem in falscher Sicherheit.

Professionalität vermitteln die Retter ohne Grenzen auch auf ihrer Website. Ausführlich legen sie Motivation und Ziele auf. Bilder zeigen die Gruppe in Uniform beim Einsatz, wie im Rahmen der 1.-Mai-Kundgebung in Zürich. Die Mitglieder stellen sich persönlich vor und Präsident Manuel Stocker nimmt in einem mehrminütigen Video Stellung zu seiner Person und der Aufgabe von Retter ohne Grenzen. Pikant: Auf einem gemeinsamen Gruppenfoto listen die Mitglieder ausführlich ihre Funktion und die berufliche Ausbildung auf, welche nun offenbar in Frage gestellt sind. Der Verein finanziert sich über Spenden. Die Zeitung wirft den Vorwurf auf, wonach Geltungsdrang und das Geld verdienen als eigentliche Motive ihres Handelns dienen.

"Wollen nur Gutes tun"

Manuel Stocker (34), Präsident der Retter ohne Grenzen, nimmt gegenüber "Blick" wie folgt Stellung: «Ja, wir sammeln Spenden, aber nur sachbezogen. Wir wollen nur Gutes tun. Unsere Arbeit begrenzt sich auf Erste Hilfe und Überwachung des Patienten. Ausserdem lassen wir uns regelmässig weiterbilden.» Der Kappeler koordiniert die Einsätze und wehrt sich gegen die Vorwürfe, wonach sie sich mit fremden Federn und Titeln schmücken: «In den Anfangszeiten mussten wir uns althergebrachter Uniformen bedienen. Das wirkte sich auf das Erscheinungsbild aus.»

Kenntnis von den Aktivitäten hat auch das kantonale Gesundheitsamt Solothurn: «Wir haben die Retter ohne Grenzen nach einer entsprechenden Bewilligung für ihre Tätigkeiten befragt. Dieser Bereich ist mit diversen Auflagen verbunden. Eine Antwort auf unseren Fragenkatalog steht leider noch aus.»

Der Verein Retter ohne Grenzen hat für die nächsten Stunden eine Mitteilung zu den schwerwiegenden Vorwürfen in Aussicht gestellt. (ts)

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