Industriewelt Aargau
Schweizweit sicher versorgt mit Salz

Salz ist ein wertvoller Rohstoff, der in Küche, Landwirtschaft, Industrie und auf den Strassen vielseitig eingesetzt wird. Die Schweiz verfügt über ein grosses Vorkommen und die Schweizer Salinen AG sorgt dafür, dass das Salz sorgfältig abgebaut wird.

Isabel Iten
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In Riburg wird Lose-Salz abgebaut, an die Kunden ausgeliefert oder in den zwei Silos gelagert.

In Riburg wird Lose-Salz abgebaut, an die Kunden ausgeliefert oder in den zwei Silos gelagert.

zvg

Was heute so selbstverständlich ist, war früher fast unbezahlbar. Salz war die einzige Möglichkeit, Fleisch, Fisch und Käse haltbar zu machen, um Hungersnöte zu vermeiden. Im Römischen Reich wurde sogar mit Salz bezahlt. «Salz ist heute allgegenwärtig. Es wird vielseitig eingesetzt, angefangen in der Küche als Speisesalz, als Gewerbe- und Industriesalz, als Landwirtschaftssalz für die Tierfütterung oder zur Sicherheit im Winter auf den Strassen», sagt Carlo Habich, Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizer Salinen AG.

Auch die Schweiz verfügt über ein grosses Salzvorkommen. «Dass dieses hier entdeckt wurde, ist der Vision von Carl Christian Friedrich Glenck aus Schwäbisch Hall zu verdanken. 1821 liess er in der Schweiz in acht Kantonen Bohrungen durchführen, die am Anfang erfolglos blieben. Kurz vor seinem Bankrott und auf einen Hinweis durch den Geologieprofessor Peter Merian wurde er auf das Baselbiet aufmerksam gemacht», erzählt Carlo Habich vom Beginn der Salzindustrie in der Schweiz. Wir sitzen im Büro des diplomierten Ingenieurs Agr. ETH in Schweizerhalle, wo Glenck auf einer Tiefe von 107 Metern auf das erste grosse Salzlager stiess. Hier wurde die erste Saline 1837 gebaut. «Kurze Zeit später begann ein Konkurrenzkampf. Kym & Cie. gründete in Kaiseraugst, Rheinfelden und Riburg Salinen.» Die Schweiz war plötzlich nicht mehr abhängig vom Ausland.

Seit 180 Jahren erfolgreich
Der nächste Meilenstein erfolgte 1909. Dreizehn Kantone gründeten die Schweizerische Rheinsalinen AG. Im Laufe der Jahre kamen auch die anderen Kantone dazu. «Sie verpflichten sich, den gesamten Salzbedarf bei der Schweizerische Rheinsalinen AG zu beziehen.» Die Saline Riburg ist auch für den Wirtschaftsraum Aargau von grosser Bedeutung. Seit über 180 Jahren schreibt sie erfolgreich an ihrer Firmengeschichte.

Perfekte Organisation
Mit dem Projekt «#ZeitsprungIndustrie» möchte das Netzwerk Industriewelt Aargau anhand der industriekulturellen Vergangenheit die Industrie der Gegenwart und Zukunft sichtbar machen. Die Schweizer Salinen AG, mit einem ihrem Standorte in Riburg/Rheinfelden, ist ein gutes Beispiel für eine historische Errungenschaft, die sich weiter entwickelt hat und den Weg in die Zukunft geht. «Von hier aus werden heute alle Regionen der Schweiz mit Gewerbe- und Industriesalz und vor allem mit Auftausalz zur Sicherstellung der Mobilität beliefert», betont Carlo Habich. In Riburg werden täglich 1'200 Tonnen Salz produziert. «Aus rund 150 Metern Tiefe wird das Salz mit Wasser aus dem Stein gelöst und hochgepumpt. Das Wasser verdampft und das Salz trocknet», erklärt Carlo Habich. Davon werden täglich 500 bis 1'000 Tonnen an viele Kunden ausgeliefert. «Für unseren Transport sind wir auf flexible Transportunternehmen angewiesen, die auch im Notfall, zum Beispiel bei einer längeren Eisperiode, sofort handeln können. An solchen Tagen verlassen bis zu 10'000 Tonnen Salz die Saline. Wir transportieren vor allem mit der SBB und mit grösseren Transportunternehmen aus allen Kantonen», bemerkt Carlo Habich. Die interkantonale Vereinbarung über den Salzverkauf in der Schweiz verpflichtet die Schweizer Salinen AG die Lieferpreise für die verschiedenen Salzarten einheitlich zu gestalten.

Geliefert wird innerhalb von drei bis vier Tagen nach Bestellungseingang. Das erfordert eine perfekt durchdachte und geplante Organisation für einen reibungslosen Ablauf. Die zwei Saldome sind deshalb mit total 220'000 Tonnen Losesalz gut gefüllt. Die Versorgung für die ganze Schweiz ist für eine längere Eisperiode gesichert.

Blick in die Zukunft
Die Konzession zur Betreibung der Salinen in Schweizerhalle und Riburg läuft 2025 aus. «Zurzeit laufen die Verhandlungen für eine neue Konzession bis 2075. Wir erwarten, dass diese bald erteilt wird, denn in Riburg und auch im Fricktal ist das wertvolle Naturgut noch für Jahrhunderte vorhanden», erklärt Carlo Habich. «Ökologisch wie auch nachhaltig geplant, macht es Sinn, in der Schweiz guten Zugang zu haben, um Salz abbauen zu können. Heutzutage ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir sorgsam mit unserer Umwelt umgehen und schonend und korrekt abbauen.»Das Salz aus dem Riburgerboden ist ebenfalls im Bereich Wellness sehr beliebt. Baden in salzhaltigem Wasser verschafft bekanntlich Linderung bei vielen Schmerzzuständen und Beschwerden. Mit einer direkten Pipeline wird die wirkungsvolle Natur- oder Ursole direkt nach Rheinfelden ins Parkressort mit dem Thermalbad «sole uno», der Rehaklinik und den Hotels geleitet. Dort wird die Natursole mit dem kalzium- und magnesiumreinen Trinkwasser vermischt und auf die gewünschte Temperatur erwärmt. Eine zweite Pipeline führt seit kurzem in die Swiss Shrimps AG. Die Schweizer Salinen AG ist ein wichtiger Partner für das Start-up-Unternehmen, das auf dem Areal der Saline Riburg gebaut wurde.

#ZeitsprungIndustrie

Das Netzwerk Industriewelt Aargau lancierte in diesem Jahr das Projekt #Zeitsprung–Industrie, das seit September 2019 und noch bis November 2020 läuft. Das Netzwerk Industriewelt Aargau wurde 2018 vom Stadtmuseum Aarau, Museum Aargau, Historischen Museum Baden, Museum Burghalde Lenzburg und von Aargau Tourismus als Verein in Aarau gegründet. Der Aargau nahm schon in der Frühphase der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert eine Vorreiterrolle in der Schweiz ein. Das Projekt bringt der Bevölkerung bedeutende industrielle Entwicklungen im Kanton Aargau und die daran beteiligten Firmen näher. Im ganzen Kanton gibt es dazu Ausstellungen, Betriebsführungen, Podiumsdiskussionen sowie Tanz- und Theaterproduktionen.

Infos: www.zeitsprungindustrie.ch