Hacker
Schweizer Parteien unter Beschuss

Die SP wurde Opfer von Hackern. Damit nicht genug: Nun gerät auch die Seite der CVP unter Beschuss.

Philipp Loser
Drucken
CVP verurteilt Hacker-Angriff aufs Schärfste (Symbolbild)

CVP verurteilt Hacker-Angriff aufs Schärfste (Symbolbild)

Keystone

Von den politischen Funktionären will sich keiner zu weit aus dem Fenster lehnen. «Ich hüte mich davor, jemanden konkret zu verdächtigen», sagt SP-Generalsekretär Thomas Christen nach der konzertierten Aktion von Hackern auf die Internetseite der SP. «Wer dahinter steckt? Hier bewegen wir uns im Bereich der Spekulation», ergänzt CVP-Generalsekretär Tim Frey vorsichtig.

Der Angriff lief genau gleich ab

Weniger vorsichtig ist Max Klaus, stellvertretender Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherheit des Bundes (MELANI): «Gerade im Zusammenhang mit den anstehenden Abstimmungen können solche Angriffe Sinn machen.» Mit «solchen Angriffen» meint Klaus die beiden «Denial-of-Service-Attacken» (DDOS), die am Dienstag und Mittwoch die Homepage der Sozialdemokraten lahmlegten und am Donnerstag die Internetseite der CVP heimsuchten.

Während die Seite der SP längere Zeit nicht mehr zu erreichen war, konnte die CVP den Angriff teilweise abblocken. Dank einer soliden Infrastruktur sei die Seite nicht komplett ausgefallen, teilte die Partei gestern mit.

Der Angriff auf die beiden Internetseiten war massiv – und lief genau gleich ab. Ein Hacker befahl über hundert mit einem Virus infizierten Computern, gleichzeitig auf die Homepage der Partei zuzugreifen. Dieses so genannte «Botnetz» verursachte bei der SP innerhalb von vier Stunden ingesamt acht Millionen Zugriffe auf die Homepage der Partei und brachte sie zum Abstürzen.

«Undemokratischer Angriff»

Während zweier Tage versuchten die IT-Verantwortlichen der SP, das Problem zu beheben, und schafften es schliesslich am Donnerstag, die Seite auf einen anderen Server zu verlegen und die Angriffe abzublocken.

Nur wenig später begann die Hacker-Attacke auf die CVP. «Das kann natürlich Zufall sein, dass die beiden Angriffe nacheinander geschahen», sagt Frey, «aber sie könnten auch gut vom gleichen ‹Botnetz› abgefeuert worden sein.»

Beide Parteien verurteilten die Angriffe auf ihre Seiten in offiziellen Mitteilungen in aller Schärfe. Wer Parteien an der Verbreitung ihrer Ideen hindere, der handle höchst undemokratisch, hiess es bei der CVP gestern. Auch die SP verurteilte den Angriff «als offensichtlich undemokratisch». Die Internetverantwortlichen der Parteien haben sich nun kurzgeschlossen, die Sekretariate prüfen eine gemeinsame Klage.

Ob der Urheber der Attacke ausfindig gemacht werden kann, ist unsicher. Laut Experten ist es so gut wie unmöglich, den Initianten einer DDOS-Attacke zu finden – zu verschlungen sind die Wege der infizierten Computer. «Über die gehackten Rechner findet man die Täter nicht.

Die können überall auf der Welt sitzen», sagt Klaus von MELANI. Die Bundesstelle registriert in letzter Zeit vermehrt DDOS-Attacken. Auf politische Parteien wie nach der Minarettabstimmung – aber auch auf kommerzielle Verkaufsseiten, die von Konkurrenten lahmgelegt werden.

Angriffs-Software leicht verfügbar

Schuld an der Häufung der Hacker-Angriffe ist die relativ einfach verfügbare Schadenssoftware. In den vergangenen Jahren hat sich laut dem Lörracher IT-Spezialisten Dennis Willener auf einschlägigen Internetseiten ein regelrechter Markt für DDOS-Angriffssoftware entwickelt: «Für solche Szenarien gibt es fertige Programme, die man im Abonnement kaufen kann.»

Man müsse kein Hacker mehr sein, um mit einem Angriff eine Internetseite lahmzulegen. Für jemanden, der sich ein bisschen mit Computern auskenne, sei es kein Hexenwerk, einen solche Attacke zu starten.

Aktuelle Nachrichten