Oberstufenzentrum
Schulmodell in Wiedlisbach ist nicht unumstritten

Seit einem Jahr ist das Oberstufenzentrum in Betrieb. Die Realschulen Attiswil, Berg, Oberbipp und Wiedlisbach sind vereint. Grund, ein erstes Mal zurückzublicken.

Kurt Nützi
Drucken
Teilen
Gottlieb Holzer und die 16 Neuntklässler der Klasse 1c sehen im neuen Schulmodell viel Positives. knr

Gottlieb Holzer und die 16 Neuntklässler der Klasse 1c sehen im neuen Schulmodell viel Positives. knr

Solothurner Zeitung

Die Mehrheit der Schüler, die Schulleitung und die Mehrheit der ehemaligen Reallehrkräfte finden das Oberstufenzentrum in Wiedlisbach positiv. Es wird nach dem integrativen Schulmodell 3b geführt. Die ehemaligen Sekundarlehrkräfte hegen jedoch Zweifel am Erfolg des Zusammenschlusses der Sekundarschule mit den vier Realschulen Attiswil, Berg, Oberbipp und Wiedlisbach vor einem Jahr.

An Informationsveranstaltungen zum Zusammenschluss der Sekundarschule Wiedlisbach mit den vier Realschulen Attiswil, Berg, Oberbipp und Wiedlisbach vor einem Jahr zweifelten mehrere Sekundarlehrkräfte am Erfolg des Zusammenschlusses. Sie befürchteten eine Niveausenkung im Unterricht. Zudem bemängelten sie im Vorfeld das Fehlen von Fachzimmern für die NMM-Fächer und von Gruppenarbeitsräumen. Nach einem Jahr fühlen sie sich bestätigt. Sie loben aber die gute Zusammenarbeit mit den ehemaligen Reallehrkräften und die Arbeit der Schulleitung.

Modell 3b ist eine Farce...

Der 29-jährige Benjamin Wolfsberger, der nach den Sommerferien vom Oberstufenzentrum Wiedlisbach ans Gymnasium Biel wechselt, nennt Gründe der Unzufriedenheit: «Es war manchmal frustrierend, das fehlende Arbeits- und Lernverhalten gewisser Schüler festzustellen. Zudem bekundete ich Mühe mit den Umgangsformen von einigen Realschülern.»

Der ausgebildete Gymnasiallehrer aus dem Seeland hält nicht viel vom gewählten Schulmodell 3b: «Für mich ist das Modell 3b eine Farce und die angestrebte Durchlässigkeit eine Utopie.» Nur in der siebten Klasse spielte die Durchlässigkeit. In wenigen Fällen kam es zu Niveauwechseln, meist nach unten, was aber schon früher die Tendenz war.

Beim Schulmodell 3b werden die Schüler als Sekundarschüler eingestuft, wenn sie in mindestens zwei der drei Hauptfächer Mathematik, Deutsch und Französisch im höchsten Niveau eingeteilt sind. Mit dem Niveauunterricht wird angestrebt, den unterschiedlichen Begabungen der Schüler gerecht zu werden.

...und erzeugt Unruhe

Schulleiter Ernst F. Stalder, die Lehrkräfte und Schüler stellen nach einem Jahr Unterricht nach dem Modell 3b fest, dass dieses Schulmodell mit ständig wechselnden Klassenzusammensetzungen viel Hektik und Unruhe hervorruft. Gottlieb Holzer, der das erste Schuljahr im Oberstufenzentrum nicht viel anders als seine bisherigen an der Realschule erlebte, bemängelt, dass durch die immer wechselnde Klassenzusammensetzung in seiner Klasse kein Klassengeist entstehen konnte. Holzer war Klassenlehrer einer neunten Klasse, welche aus je acht Real- und Sekundarschülern zusammengesetzt war.

Er und die ehemalige Oberbipper Reallehrerin Verena Frieden profitierten aber im neuen Schulalltag von den bereichernden mündlichen Beiträgen im NMM-Unterricht der Sekundarschüler. Die 56-jährige Teilpensenlehrerin meint zum Modell 3b: «Organisatorisch ist es ein sehr kompliziertes Modell. Ich möchte am liebsten kein Oberstufenzentrum und wieder in meinem Wohnort unterrichten.» Unzufrieden ist Holzer mit der Schulbehörde, dem neuen Verbandsrat: «Die Wertschätzung unserer Arbeit durch dieses Gremium ist eine Katastrophe. Gewisse Ratsmitglieder kennen nicht einmal die Namen der Lehrpersonen.»

Neue Freundschaften

Die drei Neuntklässlerinnen Nadine Brunner, Nadine Leisi, Marina Konjevod aus Wiedlisbach und die vier Siebtklässlerinnen Carole Frei, Enya Seiler, Selina Romanelli und Sina Sutter aus Oberbipp schätzen alle ihre neue Schule, die Sekundarstufe 1 Wiedlisbach (S1W): «Wir lernten neue Leute aus den fünf andern Verbandsgemeinden kennen. Aus diesen Kontakten ergaben sich neue Freundschaften.» Enya Seiler lobt das Schulmodell 3b: «Bei Partnerarbeiten können die Realschüler von uns Sekundarschülern profitieren.»

Die sieben Schülerinnen empfinden das ständige Zimmerwechseln ähnlich stressig wie die Lehrpersonen. Das Quartett aus Oberbipp sagt fast mitleidig: «Auch die Lehrkräfte müssen sich an den Unterricht im neuen System gewöhnen.» Die drei Neuntklässlerinnen rügen den Französischunterricht: «Die Sekundarlehrkräfte stellen an uns Realschüler im Französisch-Unterricht zu hohe Ansprüche.» Alle Mädchen sind sich einig: «Nach Anfangsschwierigkeiten ging die Schule wie gewohnt weiter.»

Schulleiter Stalder, der das erste Jahr im Oberstufenzentrum interessant und intensiv erlebte, wird bei seinen Sekretariatsarbeiten ab 1. August von Corinne Allenspach (Klus-Balsthal) unterstützt. Die Solothurnerin wird mit einem zwanzig Prozentpensum angestellt.

Aktuelle Nachrichten