Für Uhrencup geschont
Schülerturnier kann nicht im Brühl stattfinden – Organisatoren machen Drohung wahr

Das Stadion Brühl steht nicht für das Schüler- und Firmenturnier des FC Grenchen zur Verfügung. Der Rasen soll für das Uhrencup-Eröffnungsspiel geschont werden. Jetzt machen die Turnier-Verantwortlichen ihre Drohung wahr.

Oliver Menge
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Volles Grenchner Stadion Brühl anlässlich des Uhrencups 2011. (Archivbild)

Volles Grenchner Stadion Brühl anlässlich des Uhrencups 2011. (Archivbild)

Oliver Menge Fotograf BR

Es kann nicht sein, dass ein einziges Spiel des Uhrencups über die Existenz eines ganzen Vereins entscheidet.» So ein enervierter Marcel Bolliger, der zusammen mit Beat Lauper nun die angekündigte Drohung in die Tat umsetzen will .

Bis Freitagmittag habe die Stadt noch Zeit, ihren Entscheid, das Stadion Brühl nicht für das Schüler- und Firmenturnier von kommendem Wochenende und nächster Woche freizugeben, zu revidieren. Wenn nicht erlaubt werde, dass die Kinder auf dem Hauptfeld im Brühl spielen können, werde alles abgesagt, sowohl das Schüler- als auch das Firmenturnier. Und zwar für immer. «Ich habe genug von der Politik, vom Uhrencup. Die können sich ihre Helfer jetzt übrigens auch selber suchen.»

Beat Lauper, mit ihm zusammen verantwortlich für die beiden Turniere und Juniorenverantwortlicher beim FC Grenchen 15, sei schon ins Stadthaus gefahren und habe seine Schlüssel fürs Stadion Brühl abgegeben – und damit wohl auch gleich seine Demission eingereicht. Ob er ebenfalls den Bettel komplett hinschmeisst, liess Bolliger offen.

Was war geschehen?

Schon am Mittwoch stand im Brühl fast die gesamte Infrastruktur für die beiden Turniere: Die Tore lagen bereit am Spielfeldrand, vor der Stadionbeiz wurde ein Zelt aufgestellt und ein Augenschein vor Ort nach Mittag zeigt emsiges Treiben. Mehrere Helfer waren mit dem Aufbau beschäftigt. Böse Zungen könnten behaupten, man wollte hier ein fait accompli schaffen.

Am Mittwoch um vier Uhr nachmittags war nämlich ein Treffen anberaumt, bei dem alle Beteiligten in der Sache Platzzuteilung für die beiden Turniere von der Entscheidung von Tobias Würsch, dem Leiter von «Stadtgrün Grenchen» und Verantwortlichen für alle Fussballplätze, in Kenntnis gesetzt wurden. Würsch gab bekannt, dass man mit Schüler- und Firmenturnier aufs Wembley, das Feld westlich des Stadions, ausweichen müsse und der Platz im Stadion gesperrt bleibe. Die Zeitspanne zwischen den Turnieren und dem Eröffnungsspiel des Uhrencups sei zu kurz, um den Rasen in den erforderlichen Zustand für das Eröffnungsspiel zu bringen. Er kam also zum selben Schluss, den er schon letzte Woche in Aussicht stellte.

«Es war ein rein fachlicher Entscheid», begründet Würsch später auf Anfrage: «Wir hatten ausserordentliche Regenfälle und sind nun zwei Wochen zu spät dran. Weil es immer nass war, konnten wir nicht im sonst üblichen Rhythmus mähen. Das braucht der Rasen aber, um in die Breite zu wachsen und sich zu verfestigen.» Man habe den Boden vertikuliert und tiefengelockert, aber die Grasnarbe sei noch nicht dicht. Und ausserdem seien für kommendes Wochenende wieder ergiebige Niederschläge gemeldet. Da könne er das Risiko, dass Kinder und später die Firmenfussballer auf den Rasen gingen und Schäden verursachten, nicht eingehen. «Von der Stadt habe ich den Auftrag, den Rasen für das Eröffnungsspiels des Uhrencups am 13. Juli bereit zu machen. Denn Grenchen hat dem Uhrencup zugesichert, hier spielen zu können. Und aufgrund dieses Auftrags habe ich diesen rein fachlichen Entscheid gefällt.» Würsch wurde ausserdem von zwei Experten von Swiss Green, einer Firma, die Sportstätten unterhält, in seiner Entscheidung vehement gestützt.

Das schien Bolliger und Lauper nicht zu beeindrucken. Gegenüber dieser Zeitung sagte Bolliger: «Ich bewege mich seit rund 50 Jahren auf Fussballplätzen. Der Platz ist schon jetzt hart und wird bis Freitag noch härter sein, da macht ein bisschen Regen rein gar nichts aus.»

FC Grenchen könnte profitieren

Simon Laager, Co-Organisator des Uhrencups, wiederholte bei dem Treffen auf dem Brühl noch einmal das Angebot an den FC Grenchen: Dieser könne das Catering beim Eröffnungsspiel übernehmen und erhalte 50% der Einnahmen. Dazu könne der FCG die Balljungen und die Einlaufkids aus ihren Junioren stellen, die dann mit den Stars zusammen ins Stadion einliefen. Zusätzlich gebe es Uhrencup-Tickets für die Siegermannschaften des Schüler- und Firmenturniers.

Bolliger sei gar nicht erst darauf eingegangen, sondern einfach davongelaufen. «Wir können das Risiko einfach nicht eingehen, dass eine oder gar beide Mannschaften nicht spielen wollen, weil die Verletzungsgefahr auf schlechtem Boden zu gross ist. Und schliesslich war es nicht unser Entscheid, sondern der des Profis, Tobias Würsch, der seine Arbeit ja ausserordentlich gut macht», so Laager.

Würsch habe nun quasi die beiden Turniere und auch gleich den FCG auf dem Gewissen, so Bolliger. Jetzt würden sie halt etwas Druck aufbauen, darum das Ultimatum bis Freitagmittag. Und wenn die Stadt nicht einlenke, werde fast der gesamte Vorstand des FCG’s zurücktreten. Ausserdem müsse man dann jemanden finden, der den vorgeschlagenen, neuen Präsidenten dafür motiviere, sein Amt anzutreten, das sei nämlich mehr als fraglich, so Bolliger.

Stadtpräsident François Scheidegger macht auf Anfrage klar, dass sich die Stadt keinesfalls erpressen lasse. Tobias Würsch sei ein ausgezeichneter Mann, der wisse, was er mache und sein vollstes Vertrauen und seine Unterstützung geniesse. «Laut Stadtgrün ist die Faktenlage klar. Dem ist nichts beizufügen». Wenn sich aber am Freitag eine Neubeurteilung aufdränge, dann überlasse er das den Spezialisten, er habe damit nichts zu tun.

Er habe die beiden Herren Lauper und Bolliger gebeten, sich die Sache nochmals zu überlegen. Denn es könne doch nicht sein, dass die Kinder bestraft würden, nur weil sie die an sich bessere Alternative, das Wembley, kategorisch ablehnten. Und zur Drohung, den FC Grenchen nun auch gleich mit zu beerdigen, wolle er sich gar nicht erst äussern, so Scheidegger.

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