Umweltschutz
Schülerinnen und Schüler werden Abfallexperten

Das bringt der Abfallunterricht mit einer Fachfrau von «Praktischer Umweltschutz Schweiz» den Primarschülern im Schulhaus Hard.

Hans Mathys
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Solothurner Zeitung

«Abfallunterricht mit Frau Häfliger», steht im Schulhaus Hard an der Wandtafel der 2. Klasse von Lehrerin Chantal Neuhaus. Normal zählt die Klasse 17 Kinder, wegen «Mandeln schneiden» und «Krankheit» sind es nur 15 Zweitklässler, die gespannt der Dinge harren, die da kommen sollen.

«Pusch»-Fachlehrkraft Doris Häfliger zieht sich einen orangefarbigen Überzieher mit Leuchtstreifen an und setzt sich eine Mütze mit der Aufschrift «Kebag» auf den Kopf. Als Häfliger die Zweitklässler fragt, ob jemand wisse, was «Kebag» bedeute, bleibt das Erfolgserlebnis aus. «Keine Ahnung», heisst es hier wie dort.

So werde die Kehrichtverbrennungsanlage in Zuchwil genannt, klärt die 53-Jährige auf, die es wissen muss. Sie wohnt nur einen Steinwurf neben der Anlage mit den rot-weiss angestrichenen vier Kaminen.

Nichts «Gruusiges»

Weil Glas und Aludosen nicht brennen, gehörten diese nicht in den Abfallsack, nennt die Abfallexpertin zwei Beispiele. Die Zweitklässler sitzen jetzt in einem Kreis. In der Mitte dieses Kreises leert sie einen Sack voller Abfälle auf den Boden. «Es hat keine Windeln darunter», sagt sie und macht mit dieser Aussage, die ein kollektives Schmunzeln auslöst, klar, dass der Inhalt des Abfallsackes nichts «Gruusiges» enthält.

Doris Häfliger, die sich seit 2008 für «Pusch» engagiert, zeigt Bilder von Containern für Glasflaschen, PET-Flaschen, Blechbüchsen und alte Kleider.

«Super», ruft Doris Häfliger ins Klassenzimmer, als die Kinder auf einem weiteren Bild spontan eine Kompostanlage erkennen. «Verfaulte Früchte, Schalen und Gras» zählen die Kinder auf, was kompostiert wird.

«Was aber geschieht, wenn wir lange genug warten?», hakt Doris Häfliger nach. «Es beginnt zu stinken», kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. «Es wird Erde daraus», präzisiert die «Pusch»-Fachlehrkraft und nennt als Beispiel die Blätter, die im Herbst im Wald von den Bäumen fallen. «Würmli und Chäferli» würden daraus Erde machen. «Kaugummi und Glas werden aber nicht zu Erde verarbeitet», sagt die Solothurnerin und bringt die Kinder mit der Frage «oder habt Ihr schon mal einen Glasflaschenbaum gesehen?» zum Lachen.

Sortieren mit der Abfallzange

Jetzt kommt die Abfallzange zum Einsatz. Damit packen die Kinder die aus dem Abfallsack geleerten Gegenstände und entscheiden aufgrund des bisher Gesagten und Gesehenen, was damit zu tun ist. «Zurück in den Laden», lautet das Verdikt für die defekte CD. «Aus ihr können Helme oder Brillengestelle entstehen», klärt die Fachfrau auf.

Freudig sieht sie zu, wie die Kinder ein gelesenes Buch nicht in den Abfallsack schmeissen, sondern – richtig – dem Flohmarkt zuordnen. Keine Wiederverwendung gibt es für den leeren Tetrapak und die gebrauchte Zahnbürste. Letztere würde selbst im Flohmarkt keine Interessenten finden.

«Höchstens fürs Meersäuli könnte man sie allenfalls noch benutzen», scherzt die Frau, die sich mit viel Herzblut für die Umwelt einsetzt und noch zwei «Grenzfälle» nennt: «Couverts in die Papiersammlung, Fenstercouverts in die Kartonsammlung. Blaue und rote Glasflaschen in den Container für grüne Flaschen werfen.»

Doris Häfliger verteilt A4-Blätter mit Aufgaben, bei denen die Kinder das eben Erfahrene umsetzen können. «Das ist sehr interessant», sind sich zuletzt die achtjährige Marta Di Paolo und der neunjährige Marc Blum einig. «Das Sortieren der Gegenstände», war für Marta das Spannendste.

Marc hat «das Foto von der Feuerglut in der Kebag» am meisten beeindruckt. Beide wollen künftig genau hinsehen, was sie in den Abfallsack schmeissen. «PET-Flaschen werfe ich immer in den Container, wenn ich mit Mami in der Migros einkaufe», sagt Marta, die keinerlei Anzeichen einer Abfallsünderin offenbart. Nach diesem Abfallunterricht erst recht nicht.