Oberbipp
Schon wieder ist Sesselrücken angesagt

In Oberbipp ist nach den vielen Wechseln im Gemeinderat endlich etwas Ruhe ins Gremium eingekehrt. Seit gerade mal etwas mehr als einem halben Jahr ist er in der aktuellen Besetzung tätig. Doch für Ende Oktober stehen bereits wieder Neuwahlen an.

Andrea Marthaler
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SVP

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Dabei wird nicht nur die FDP wieder antreten, die seit der Demissionierung ihrer beider Gemeinderäte nicht mehr im Rat vertreten war. Auch die BDP wird erstmals zwei eigene Kandidaten aufstellen. «In Oberbipp muss etwas geschehen», begründet Otto Hirter, Präsident der BDP Bipperamt, diese Kandidatur. Als neue Kraft wolle seine Partei frischen Wind in die Politik bringen. «Derzeit ist der Gemeinderat zu SVP-lastig und immer noch geprägt durch die Unstetigkeit.»

Hirter meint damit die Rücktritte, welche mit dem Tod des ehemaligen Gemeindepräsidenten Rudolf Bieri (SVP) im Januar 2010 zusammenhängen. Daniel Lang (SVP) rutschte für ihn nach, Doris Gehriger-Zürcher (FDP) übernahm das Gemeindepräsidium, trat aber kurze Zeit später gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Peter Brechbühl zurück. Für sie wurden im August Beat Zurbuchen (SP) und Daniel Wagner (SVP) in den Rat gewählt. Kurt Zobrist (SVP), zuvor Vizepräsident, übernahm das Ratspräsidium. Bereits im November schmiss Daniel Wagner jedoch nach wenigen Monaten sein Amt hin, worauf im Februar André Uebelhard (ebenfalls SVP) als Ersatz gewählt wurde. Der jüngste Wechsel erfolgte schliesslich im vergangenen November: Daniel Lang trat aus beruflichen Gründen zurück, Stephan Schnyder (SVP) wurde in stiller Wahl ins Amt gewählt.

Zwei Gemeinderäte verzichten

Von den derzeitigen Gemeinderäten treten gemäss Daniel Zurlinden, Präsident der SVP Oberbipp, von seiner Partei voraussichtlich Kurt Zobrist, André Uebelhard und Stephan Schnyder wieder an. Er selber stelle sich aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl, auch Lilly Riggenbach verzichte auf eine erneute Kandidatur. Von der SP werden die beiden bisherigen Gemeinderäte wieder zur Verfügung stehen, sagt Beat Zurbuchen, Gemeinderat und Parteipräsident. Beide Parteien haben jedoch ihre Kandidaten noch nicht nominiert und wollen zu den bisherigen auch neue aufstellen. Auch die FDP wird ihre Parteiversammlung erst noch abhalten. Präsident Walter Ischi bekräftigt aber: «Wir wollen wieder antreten.»

Anders als in den vergangenen zwei Jahren für die Ersatzwahlen werden im Herbst also mehr Kandidaten um die Gunst der Wähler buhlen, als es im Gemeinderat Sitze hat. Dabei begründen die Parteien ihre Ansprüche auf die sieben Sitze ganz unterschiedlich. Die BDP und die FDP wollen vor allem die Mehrheit der SVP kippen und neue Sichtweisen in den Gemeinderat von Oberbipp hineinbringen. «Das Feedback aus der Bevölkerung, dass der Rat breiter gefächert sein soll, bestätigt uns in unserem Anliegen», sagt Walter Ischi.

Die SVP rechnet mit Sitzverlust

Bei der SVP rechnet man bereits damit, dass sie angesichts der Konkurrenz nicht alle Sitze halten kann. «Uns ist es auch wichtig, dass alle Bevölkerungsgruppen in der Politik vertreten sind», sagt Daniel Zurlinden. Entsprechend habe man es schade gefunden, dass die FDP sich nach der Demissionierung ihrer zwei Gemeinderäte zurückgezogen hatte. Gleichzeitig hofft er aber, dass die Wähler sich daran erinnern, wer in den stürmischen Zeiten das Ruder in der Hand behielt und die Verantwortung trug, welcher sich die anderen entzogen. «Wir hätten gerne wieder die Mehrheit und ich habe auch das Gefühl, dass wir die Ämter gut ausgeführt haben.»

In der Not nicht in die Lücke gesprungen war neben der FDP auch die BDP. Diese war kurz vor den vielen Vakanzen gegründet worden. «Ich war damals angefragt worden», sagt Otto Hirter. «Doch wir haben entschieden, dass wir erst an den offiziellen Wahlen diesen Herbst antreten wollen.» Man habe niemanden ins Amt zwingen wollen, der es dann nicht mit Herzblut hätte ausüben können.

Köpfe wichtiger als Partei

Dass es eine grosse Anzahl an Kandidaten geben wird, begrüsst Beat Zurbuchen. Allerdings will sich der SP-Mann aus den Parteispielchen raushalten: «In der Gemeinde geht es nicht um Parteipolitik, sondern um Themen. Es ist wichtig, die besten Köpfe zu haben.» Die SVP-Lastigkeit sieht er denn auch nicht als Problem. Im Gegenteil, seiner Ansicht nach habe der Gemeinderat an Stabilität gewonnen und viele Pendenzen aufarbeiten können. Dennoch sieht Zurbuchen die Wahl positiv: «Hoffentlich bringt sie zusätzliche kreative Köpfe.»

Letztlich wird das Volk entscheiden, wen und welche Parteien es im Gemeinderat will. Gewiss ist einzig jetzt schon: Die Gemeinderatswahlen vom kommenden Oktober werden noch viel zu reden geben.

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