Aufgeschnappt
Schneeball & Knopfdruck

Die Chauffeure des Uitiker Ortsbusses haben der Dorfjugend im Gemeindekurier ein Kränzchen gewunden:

Merken
Drucken
Teilen

«Der Winter ist vorüber und im Vergleich zu den Vorjahren wurden nur sehr wenige Schneebälle gegen den Ortsbus geworfen! Dabei hatte es ja so viel Schnee...», schreiben sie. Um der Boulevard-Regel «good news are no news» zu trotzen, greifen wir diese gute Nachricht gerne nochmals auf. Und um aus der guten Nachricht eine lustige Nachricht zu machen, setzen wir noch einen drauf: Die Chauffeure müssen ihre Fahrgäste doch tatsächlich darauf hinweisen, dass der rote Knopf an der Tür zum Öffnen gedacht ist - «aber nur, wenn der Bus stillsteht». Und zu guter Letzt: «Betätigen Sie den Haltewunsch nicht zu früh: Warten Sie noch einige Sekunden nach Abfahrt der letzten Haltestelle.» Na dann. (ksc)

20. März 2012

Lebenslust

Da gucken die Reisenden am Zürcher HB komisch aus der Wäsche: Die Rangierarbeiter hängen für einmal nicht die Wagen aneinander, sondern tanzen Menuett; Hand in Hand, hoch das Bein. Einige Reisende bleiben irritiert stehen, manche filmen. Was zum Geier ist denn hier los?

Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um einen Flashmob, inszeniert von der Verkehrsgewerkschaft SEV. Laut Mediensprecher Peter Moor will man mit diesem Clip das öffentliche Bild von Gewerkschaften revidieren: «Wir wollen vermitteln, wie viel Lebenslust in einer Gewerkschaft stecken kann.» (ksc)

9. Februar 2012

Nahkampf im Zugabteil

Der Platz im Zugabteil ist beschränkt. Alles muss auf den Schoss gestapelt werden: Handtasche, Laptop, Kappe, Jacke, Faserpelzpulli, Handschuhe, Schal. Das ist ja während der Fahrt kein Problem. Wehe aber, wenn das Ziel naht.

Ich ordne: Zuunterst die beiden Taschen, dann die Jacke, obendrauf Faserpelz, Kappe, Schal, die Handschuhe stecke ich in die Jackentasche. Beim Hineinschlüpfen in den ersten Faserpelz-Ärmel rollt es meinen Pulli-Ärmel hoch, weil ich vor lauter Aufpassen und Taschenfesthalten vergessen habe, ihn festzuklemmen. Beim zweiten Ärmel murrt der Sitznachbar, weil ich meinen Arm vor seiner Nase durchstrecke. Ich entschuldige mich, ziehe den Reissverschluss hoch und klemme mir darin die Haare ein. Währenddessen rutscht der Schal von den Knien und fällt in die Pfütze, die sich zu den Füssen gebildet hat, die Kappe hinterher.

Ich fluche, bücke mich und klebe dabei Oberschenkel an Oberschenkel mit meinem wildfremden Sitznachbarn; der Laptop im Bauch drückt mir den Schnauf ab. Beim verzweifelten Versuch, sitzenderweise in die Jacke zu schlüpfen, hole ich mir eine Zerrung im Schulterbereich und ramme dem armen Kerl neben mir den Ellbogen in die Seite. Ich entschuldige mich erneut, und während ich aufstehe, um den Jackenreisverschluss zuzuziehen, knalle ich mit dem Kopf gegen die Gepäckablage und sinke belämmert zurück auf den Sitz.

Nein. So hat sich das zugegebenermassen nicht zugetragen. Aber genauso hätte es wohl geendet, wenn ich nicht aus Rücksicht auf meinen Sitznachbarn mit meinen Kleidern und den beiden Taschen unter dem Arm aus dem Zug gestiegen und mich auf dem Perron angezogen hätte. (ksc)

2. Februar 2012

Mehr geht sehr wohl

Es gibt Tage, die sollten nicht sein. Tage, an denen man sich fragt, weshalb man sich am Morgen überhaupt die Mühe gemacht hat, sich aufzuraffen. Der Dienstag war ein solcher.Eine schlaflose Nacht.

Keine Milch mehr im Kühlschrank. Vor der Haustüre ausgerutscht, gottlob unverletzt geblieben. Ein telefonierender Mitreisender in der S3 und ein akkuleerer iPod. Eine mehrstündige Sitzung. Gefühlte hundert Telefonate gestartet, die Hälfte blieb unbeantwortet.

Beim Mittagessen auf die Zunge gebissen. Parkplatz gesucht und zu spät gekommen. Beim Fotografieren fast die Finger abgefroren. Nackenschmerzen. Über ein Missverständnis geärgert, es behoben und deswegen den Zug nach Hause verpasst. Die S3 fährt nur alle 60 Minuten. Zeit in der Redaktion totgeschlagen. Und die Moral der Geschichte?

Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein geistesabwesender Lokführer her.

Eine Stunde lang auf den nächsten Zug gewartet. Die S3 fährt ein; mit Verspätung selbstverständlich. Die Pendler quellen heraus. Nur - rein kommt keiner mehr. Es alarmt, es blinkt, die Tür geht zu und bleibt zu. Der Zug bleibt stehen. Eine hämmert verzweifelt auf den Türknopf, ich beim Lokführer ans Fenster. Keine Reaktion. Der Zug fährt los.

Wie bereits erwähnt: Die S3 fährt nur alle 60 Minuten. Mehr geht sehr wohl. (ksc)

1. Februar 2012

Die Wogü-Trendsetterin

Kürzlich im Zug. Da kommt eine Horde Grazien in den Wagen gestiefelt. Jung, schön und mitteilungsbedürftig. Sie lassen sich im Abteil hinter mir nieder, schnattern über Nagellacke, Kniesocken und Clutches.

Das tönt alles sehr bewandert und kennerhaft. Bis die eine lautstark verkündet, sie kenne im Fall immer die neusten Trends, schliesslich studiere sie regelmässig die «Wogü».

Bitte?

Ich zermartere mir das Hirn, klappere ab, was meine Erinnerung an Modeheftli her gibt. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen und der Peterli aus den Ohren: Die gute Frau meint wohl die Vogue.

Ich lächle hämisch vor mich hin und finde Zugfahren auf einmal überaus unterhaltsam. (ksc)

22. Januar 2012

Freie Sicht auf Dietikon

Ausgiebig beklagte ich mich in einer am Donnerstag publizierten Kolumne über eine Reihe von irritierenden Plastikfetzen. Sie hängen seit Monaten direkt vor dem Fenster unserer Dietiker Redaktion in einem Baum und verderben mir die Aussicht.

Ich hätte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie eines Tages plötzlich verschwunden sein könnten und die Welt wieder in Ordnung wäre, schrieb ich. Dass dieser schöne Tag schon gestern kommen sollte, erwartete ich aber nicht: Sie waren weg.

Zufall? Mitnichten. Die Dietiker Feuerwehr hatte sich meinen Hilferuf zu Herzen genommen und sie entfernt, wie mir Zivilschutzleiter Daniel Wenger in einem freundlichen E-Mail mitteilte. Die Welt ist eben doch gut. (BHI)

10. Januar 2012

Schuppen und Flugsaurier

Was mag da wohl passiert sein? Eine Frage, die uns jedes Mal beschäftigte, wenn wir an die ramponierte Store im obersten Stock eines Neubaus im Dietiker Limmatfeld hochgeschaut haben. War es ein Sturm?

Wohl kaum, dann sähen die anderen Storen ja auch so aus. War es eine rüpelhafte Putzfrau, die die Lamellen verbogen hat? Auch das ist nur schwer vorstellbar, sind die Dinger doch recht stabil. Vielleicht ein Vogel, der in die Store gedonnert ist? Auch nicht; zu viel Schaden für einen Vogel.

Flugsaurier kracht in Store im Limmatfeld

Flugsaurier kracht in Store im Limmatfeld

Katja Landolt

Wir waren ratlos. Gestern endlich fiel es uns wie Schuppen von den Augen, wir wissen jetzt, was sich hier verflogen hat: Es muss eindeutig ein Flugsaurier gewesen sein. (ksc)

7. Januar 2012

Wie passend

Ausgerechnet am gestrigen Dreikönigstag war es, als dem König - oder der Dietiker Firma Koenig Feinstahl - ein Zacken aus der Krone fiel - oder ein N aus dem Schriftzug.

Sicher stimmen Sie mit uns überein, dass dies eine gewisse Ironie nicht vermissen lässt. (BHI)

Im Schriftzug fehlt etwas

Im Schriftzug fehlt etwas

AZ

3. Januar 2012

Immer wieder gut gerutscht

Höfliche Buschauffeure, die ihre Passagiere am frühen Morgen mit ein paar netten Worten verabschieden, sind immer eine Freude. Etwas verwirrend war jedoch der Fahrer, der seine Passagiere gestern um 8 Uhr mit dem Bus 303 an den Bahnhof Dietikon fuhr.

Dort entliess er sie mit den gut gemeinten Worten: «Auf Wiedersehen - und einen guten Rutsch.» Einige der Gäste schauten sich verunsichert an.

Hatten sich im Tag verirrt? Hatte der Buschauffeur vergessen, dass Neujahr vorbei war und hatte, aus lauter Gewohnheit, seinen Vor-Silvester-Spruch wiederholt? Oder bezog er sich etwa auf den vom Regen nassen Boden und wünschte im wahrsten Sinne des Wortes einen guten Rutsch? Wir werden es nie wissen. (BHI)

27. Dezember 2011

Macht der Gewohnheit

Drei Jahre lang war der neue Dietiker Bus 325 - besser bekannt als Weinbergbus - als Provisorium zwischen Bahnhof Dietikon und Weinbergquartier unterwegs, bis er am 11. Dezember endlich als normalen Standardbus in den Fahrplan des Zürcher Verkehrsverbunds integriert wurde.

Damit einher ging auch die eine oder andere Veränderung: So musste beispielsweise der Kreisel bei der Sportanlage Hätschen aufgehoben werden, damit die grossen Busse passieren können. Ausserdem fährt der Bus neu über eine Schlaufe durch das Stelzenackerquartier.

Zumindest normalerweise: Kürzlich nämlich vergass der Fahrer - Macht der Gewohnheit - prompt, die Zusatzschlaufe einzulegen und fuhr beim Kreisel Gyrhalden geradeaus statt links. Als er es bemerkte, musste er die Schlaufe von unten aufrollen. Als Resultat davon verpassten die Passagiere am Bahnhof Dietikon ihren Anschlusszug. Man kann nur hoffen, dass sie es sportlich nahmen: Immerhin hatten sie zu Hause etwas zu erzählen. (bhi)