Zelgli
Schlieremer Skatepark spaltet das Quartier

Der Wortführer der Gegner belegt seinen Rückhalt im Quartier. Ein Augenschein vor Ort zeigt aber: Es gibt unter den Anwohnern durchaus auch Befürworter der Freestyle-Anlage.

Florian Niedermann
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In der Nähe des geplanten Skateparks stehen auch Wohnhäuser. Einige Anwohner stört dies, die anderen würden sich darüber freuen.

In der Nähe des geplanten Skateparks stehen auch Wohnhäuser. Einige Anwohner stört dies, die anderen würden sich darüber freuen.

fni

Der Streit um den geplanten Skatepark im Zelgli erhält eine neue Dimension. Ins Zentrum der Debatte zwischen den Quartierbewohnern und der Stadtregierung rückt die Person des Wortführers der Gegner, Jean-Marc Fischer. Vorletzte Woche wurde bekannt, dass die Zelglibewohner um Fischer bereits zum dritten Mal aus Furcht vor den Lärmemissionen gegen die Baubewilligung für die Freestyle-Anlage beim Schulhaus Zelgli rekurrieren.

Darauf kommentierte Roger Gerber, der Abteilungsleiter Werke, Versorgung und Anlagen der Stadt, auf der Website der Limmattaler Zeitung: «Jean-Marc Fischer gibt gegenüber der Zeitung immer wieder vor, der legitime Wortführer von 60 Anwohnern zu sein – eine Mitgliederliste dieser Vereinigung wurde jedoch leider nie veröffentlicht.» Es seien daher Zweifel darüber berechtigt, ob wirklich alle Forderungen breit abgestützt und der Widerstand im Zelgli breit formiert ist, so Gerber.

Fischer liess der Redaktion auf Anfrage Kopien von 53 Unterschriften zukommen, mit denen er sich 2010 vor dem Beginn des Rechtsverfahrens den Rückhalt im Quartier zusichern liess. Auf der dritten, überarbeiteten Version der Baubewilligung vom August dieses Jahres sind ausserdem acht rekursberechtigte Parteien mit Wohnsitz an der Engstringerstrasse, der Rohrstrasse und am Zelgliweg aufgeführt – zu denen auch der Wortführer selbst gehört. Dass vor dem kantonalen Baurekursgericht nur eine Partei der acht Parteien als Rekurrentin auftritt, sei die Folge einer Absprache, um die Anwaltskosten unter den Einspruchberechtigten aufteilen zu können, erklärt Fischer.

«In rüdem Ton beschwert»

Ihn befremdet es, dass die Stadtverwaltung an seiner Rolle als Vertreter der Opposition im Quartier zweifelt. Ausserdem habe der zuständige Stadtrat Stefano Kunz (CVP) sich schriftlich «in recht rüdem Ton» beim Anwalt der Rekurrenten darüber beschwert, dass Fischer an einem Einigungsgespräch mit der rekurrierenden Partei teilnehme, das auf kommenden Donnerstag angesetzt ist. Kunz habe «mit Abbruch der Gespräche gedroht, bevor diese begonnen haben», schreibt der Wortführer.

Kunz wollte auf Anfrage zu diesen Vorwürfen inhaltlich keine Stellung nehmen. Er sagt lediglich: «Es ist mir ein Anliegen, mit allen Beteiligten zu sprechen, um damit hoffentlich aus dem juristischen Hin und Her herauszukommen», erklärt er. Diese Gespräche müssten aber am Tisch erfolgen und könnten nicht über die Medien geführt werden. Das Einigungsgespräch zwischen Vertretern der Stadtverwaltung und den Rekurrenten wird laut Fischer stattfinden – derzeit ist allerdings noch unklar, ob er selbst daran teilnimmt.

Während sich auf der Verfahrensebene die Fronten zwischen der Stadt Schlieren und den Gegnern des Skateparks im Zelgli nicht zu lockern scheinen, gehen im Quartier selbst die Haltungen zum Projekt weit auseinander. Dies zeigen Gespräche mit direkten Nachbarn des Schulhauses Zelgli, neben dem die Anlage gebaut werden soll.

Klar gegen das Projekt ist etwa Ruth Schönenberger, wie sie sagt. «Ich unterstütze die Opposition gegen den Skatepark bereits seit dem Beginn des Verfahrens.» Bisher sei es im Quartier angenehm ruhig. Wenn der Skatepark aber erst einmal eröffnet ist, könnte es regelmässig sehr laut werden, auch abends, so Schönenberger.

«Das Fass würde überlaufen»

Ein Anwohner, der anonym bleiben möchte*, pflichtet ihr bei. «Bereits heute muss ich bei Fussballspielen auf dem nahe gelegenen Fussballplatz oft dafür sorgen, dass keine Musik über die Lautsprecher gespielt wird. Ein Skatepark würde dieses Fass zum Überlaufen bringen.» Er verweist darauf, dass es in Schlieren Industriequartiere gibt, wo Lärmemissionen deutlich weniger stören würden. «Und ohne ein vernünftiges Betriebskonzept ist eine solche Anlage für mich hier nicht akzeptabel», erklärt der Anwohner. Maria Freitas Costa fürchtet indes andere mögliche Begleiterscheinungen, die ein Skatepark mit sich bringen könnte: «Skater sind oft über 18 Jahre alt. Deshalb ist zu befürchten, dass mit ihnen auch Alkohol und Drogen ins Quartier kommen.» Sie sei daher froh, dass sich einige Nachbarn dazu entschlossen haben, das Projekt rechtlich anzufechten, sagt Costa.

Ganz anders sieht das Thangarajah Thevarajah, der im Haus direkt neben ihr wohnt: «Ich würde mich für meine Kinder freuen, wenn so nah bei uns eine Skateranlage gebaut würde.» Über Lärm habe er sich bisher noch nie aufgeregt, so Thevarajah. Jugendliche seien auf Angebote wie den Skatepark angewiesen, um ihre Freizeit sinnvoll gestalten zu könnten, ist Anwohnerin Daniela Battistini überzeugt: «Es wäre falsch, ihnen schon im Vorfeld zu unterstellen, dass sie Ärger machen.» Sie betont aber, dass eine Lösung gefunden werden müsse, die auch die Skeptiker im Quartier tragen könnten. Und die Öffnungszeiten müssten unbedingt jenen des Kunstrasenplatzes angepasst werden, so Battistini. Auch Eva Stillhard hat nichts gegen einen Skatepark: «Mein Sohn ist zwei und wünscht sich ein Skateboard. Ich fände es schön, wenn er es dereinst auf der geplanten Anlage fahren könnte.» Lärm zählt für sie als Argument gegen das Projekt nicht. Das Quartier sei umgeben von lauten Strassen. Und wenn die Jugendlichen auf dem Pausenplatz abends zu laut gewesen seien, habe sie bisher im Gespräch immer erreichen können, dass sie Rücksicht nahmen, so Stillhard.

*Name der Redaktion bekannt.

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