Ratgeber Gesundheit
Scheiden tut weh

Unser 12- jähriger Sohn zieht sich mehr und mehr in sein Zimmer zurück, nachdem sein Vater – mein Ehemann – vor zwei Monaten ausgezogen ist und jetzt die Scheidung möchte. Wie kann ich meinem Sohn helfen?

Raphael Eisenring
Raphael Eisenring
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Gesundheit Aargau
Dr. med. Raphael Eisenring Leitender Arzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie PDAG

Dr. med. Raphael Eisenring Leitender Arzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie PDAG

Gesundheit Aargau

Kinder und Jugendliche können auf Trennung und Scheidung mit emotionalen und sozialen Symptomen wie Rückzug und Leistungseinbruch in der Schule reagieren. Es sind mögliche Reaktionen auf ein Ereignis, das sie persönlich bedrängt und psychisch beeinträchtigt. In der Psychiatrie sprechen wir daher von sogenannten Anpassungsstörungen. Dieses Störungsbild umfasst meistens eine Kombination verschiede-ner Auffälligkeiten.

Die Behandlung von Anpassungsstörungen fokussiert darauf, die Beeinträchtigung durch das belastende Lebensereignis zu reduzieren. Fragen Sie Ihren Sohn, was ihm wichtig ist. Kinder und Jugendliche brau-chen in dieser Situation primär Eltern, die in der Lage sind, die Bedürfnisse des Kindes trotz der ehelichen Konflikte wahrzunehmen und die Kinder in dieser Anpassungssituation gut zu begleiten. In der Regel brauchen diese Kinder keine psychiatrische Therapie. Trotzdem erleben wir in unserem Alltag leider recht häufig, dass Eltern aus unterschiedlichen Gründen ungenügend in der Lage sind, ihre Kinder angemessen zu unterstützen.

Im bundesrätlichen Bericht «Gewalt und Vernachlässigung in der Familie: notwendige Massnahmen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und der staatlichen Sanktionierung» vom Juni 2012 werden die Grundleistungen einer modernen Kinder- und Jugendhilfe definiert. Dazu gehören Beratung und Unterstüt-zung für Erziehende, explizit auch bei Konflikten in Zusammenhang mit Trennung und Scheidung, bis hin zu aufsuchender Familienarbeit. Leider fehlen im Kanton Aargau notwendige gesetzliche Grundlagen, die allen betroffenen Personen diese wichtige Unterstützung sichern könnten. So kommt es immer wieder zu unnötiger Psychiatrisierung von Kindern in Trennungs- und Scheidungssituationen.

Wenden Sie sich primär an die nächstgelegene Beratungsstelle für Jugend-, Ehe- und Familienberatung JEFB. Wenn es für Ihre Gemeinde keinen solchen Dienst gibt, hilft Ihnen der Sozialdienst Ihrer Gemeinde weiter.

Kontakt Zentrales Ambulatorium für Kinder und Jugendliche (ZAKJ) der PDAG: Telefon 056 462 20 10, E-Mail kjpd.zakj@pdag.ch, www.pdag.ch