Euro 2012
Rückblick: Was uns in der EM-Vorrunde beeindruckte

Der Fussballer wird auch unter dem Trikot zum Werbeträger und die Zahl der Unparteiischen steigt ins Unerklärliche, während das Fernsehen heile Fussballwelt vorgaukelt und Spielerfrisuren diskutiert. Ein Rückblick auf die Gruppenphase der EM.

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Der Skandal

Der Skandal

Keystone
Der Tattoo-Wahn Es scheint, als existiere an dieser EM unter den Fussballern ein inoffizieller Dresscode - die Tätowierung. Das geht so weit, dass mittlerweile nur noch jene Spieler auffallen, die kein Tattoo haben oder sonst die ganz harten Jungs. Also jene, die schon tätowiert zur Welt gekommen sind. Einer von ihnen ist die dänische Abwehrkante Daniel Agger (im Bild). Übrigens ist Agger selbst Tätowierer. Das ist ziemlich clever. So bleibt er auch nach seiner aktiven Karriere weiter mit dem Fussball verbunden, ohne sich dabei auf einen Trainer-Feuer-Stuhl zu setzen. Die Nadel-Manie geht so weit, dass sich Mladen Petric beim Tätowieren exklusiv von «Blick» filmen lässt. Wow. Auf der Innenseite seines Oberarms ist neu ein Spartaner mit Speer zu sehen. «Ein Zeichen für Kraft», sagt Petric. Schade, hat er sich nicht vor einem halben Jahr stechen lassen. Dann hätte es vielleicht für die EM noch gereicht. Deshalb schalten wir schnell zurück nach Polen und in die Ukraine. Da fragt man sich: Sind tätowierte Fussballer bessere Fussballer? Warum sind vergleichsweise wenige spanische und wenige deutsche Spieler tätowiert? Und was macht die Uefa, wenn einer «Free Tibet» auf seinen Arm tätowieren lässt? Und wie viel könnte Nicklas Bendtner verdienen, wenn er sich «Paddy Power» auf die Brust stechen lässt?

Der Tattoo-Wahn Es scheint, als existiere an dieser EM unter den Fussballern ein inoffizieller Dresscode - die Tätowierung. Das geht so weit, dass mittlerweile nur noch jene Spieler auffallen, die kein Tattoo haben oder sonst die ganz harten Jungs. Also jene, die schon tätowiert zur Welt gekommen sind. Einer von ihnen ist die dänische Abwehrkante Daniel Agger (im Bild). Übrigens ist Agger selbst Tätowierer. Das ist ziemlich clever. So bleibt er auch nach seiner aktiven Karriere weiter mit dem Fussball verbunden, ohne sich dabei auf einen Trainer-Feuer-Stuhl zu setzen. Die Nadel-Manie geht so weit, dass sich Mladen Petric beim Tätowieren exklusiv von «Blick» filmen lässt. Wow. Auf der Innenseite seines Oberarms ist neu ein Spartaner mit Speer zu sehen. «Ein Zeichen für Kraft», sagt Petric. Schade, hat er sich nicht vor einem halben Jahr stechen lassen. Dann hätte es vielleicht für die EM noch gereicht. Deshalb schalten wir schnell zurück nach Polen und in die Ukraine. Da fragt man sich: Sind tätowierte Fussballer bessere Fussballer? Warum sind vergleichsweise wenige spanische und wenige deutsche Spieler tätowiert? Und was macht die Uefa, wenn einer «Free Tibet» auf seinen Arm tätowieren lässt? Und wie viel könnte Nicklas Bendtner verdienen, wenn er sich «Paddy Power» auf die Brust stechen lässt?

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Die Unbeteiligten Zu dritt wirkten sie verloren zwischen zweimal elf Spielern. Deshalb war es höchste Zeit, dass sie Unterstützung bekommen. Nun laufen sie zu fünft ein. Und es gibt noch einen sechsten. Denjenigen, der zwischen den Trainern schlichten muss. Doch diesen nimmt man gar nicht mehr wahr. Einerseits, weil er nicht mit dem Quintett einlaufen darf. Andererseits, weil Österreich nicht auf Deutschland trifft. Was haben wir gestaunt, als der tapfere Damir Skomina an der EM 2008 den österreichischen und den deutschen Trainer (heute trollt er mit den Balljungen herum, aber dazu später) in der Manier eines Feldweibels auf die Tribüne geschickt hat. Nein, der vierte Offizielle – oder ist es jetzt der sechste? – spielt an dieser EM bis jetzt keine Rolle. Dafür die Nummern vier und fünf, oder fünf und sechs. Denn was die beiden Tor- und Strafraumrichter eben nicht machen, erinnert uns an die drei berühmten Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Und so wird der Strafraum quasi zur gesetzesfreien Zone. Ausser, eine Banane verirrt sich dorthin.

Die Unbeteiligten Zu dritt wirkten sie verloren zwischen zweimal elf Spielern. Deshalb war es höchste Zeit, dass sie Unterstützung bekommen. Nun laufen sie zu fünft ein. Und es gibt noch einen sechsten. Denjenigen, der zwischen den Trainern schlichten muss. Doch diesen nimmt man gar nicht mehr wahr. Einerseits, weil er nicht mit dem Quintett einlaufen darf. Andererseits, weil Österreich nicht auf Deutschland trifft. Was haben wir gestaunt, als der tapfere Damir Skomina an der EM 2008 den österreichischen und den deutschen Trainer (heute trollt er mit den Balljungen herum, aber dazu später) in der Manier eines Feldweibels auf die Tribüne geschickt hat. Nein, der vierte Offizielle – oder ist es jetzt der sechste? – spielt an dieser EM bis jetzt keine Rolle. Dafür die Nummern vier und fünf, oder fünf und sechs. Denn was die beiden Tor- und Strafraumrichter eben nicht machen, erinnert uns an die drei berühmten Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Und so wird der Strafraum quasi zur gesetzesfreien Zone. Ausser, eine Banane verirrt sich dorthin.

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Das Juwel Alan Dsagojew (links) hat die Party fluchtartig verlassen. Weil meist der letzte Eindruck haften bleibt, die Party aber noch längst nicht fertig ist, wollen wir ihn zum grössten Juwel dieser EM küren. Würden wir das nicht tun, bestünde die Gefahr, dass Dsagojew in Vergessenheit gerät. Deshalb nochmals zum nachschreiben. Name: Dsagojew. Vorname: Alan. Beruf: Fussballer. Geboren am 17. Juni 1990 in Beslan (das ist diese nordossetische Stadt, in der 2004 nordkaukasische Terroristen mehr als 1100 Kinder und Erwachsene in ihre Gewalt gebracht haben und 331 Geiseln bei der Erstürmung durch russische Einsatzkräfte starben). Eigenheiten: Die ersten Fussballschuhe, die er von seiner fussballverrückten Mutter kriegt, zieht er tagelang nicht mehr aus. Weitere Eigenheiten: Mit 17 wechselt er zum Armeeklub ZSKA Moskau. Dort fährt er nicht wie üblich mit einer dicken Limousine und Chauffeur zum Training, sondern öfter mal mit der Metro. Ob er dabei Fussballschuhe trug, wissen wir nicht.

Das Juwel Alan Dsagojew (links) hat die Party fluchtartig verlassen. Weil meist der letzte Eindruck haften bleibt, die Party aber noch längst nicht fertig ist, wollen wir ihn zum grössten Juwel dieser EM küren. Würden wir das nicht tun, bestünde die Gefahr, dass Dsagojew in Vergessenheit gerät. Deshalb nochmals zum nachschreiben. Name: Dsagojew. Vorname: Alan. Beruf: Fussballer. Geboren am 17. Juni 1990 in Beslan (das ist diese nordossetische Stadt, in der 2004 nordkaukasische Terroristen mehr als 1100 Kinder und Erwachsene in ihre Gewalt gebracht haben und 331 Geiseln bei der Erstürmung durch russische Einsatzkräfte starben). Eigenheiten: Die ersten Fussballschuhe, die er von seiner fussballverrückten Mutter kriegt, zieht er tagelang nicht mehr aus. Weitere Eigenheiten: Mit 17 wechselt er zum Armeeklub ZSKA Moskau. Dort fährt er nicht wie üblich mit einer dicken Limousine und Chauffeur zum Training, sondern öfter mal mit der Metro. Ob er dabei Fussballschuhe trug, wissen wir nicht.

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Die Lüge Brust raus. Jogi Löw erhebt sich von der Trainerbank. Der Blick ist streng. Die Kadenz beim Kaugummikauen hoch. Löw wirkt angespannt, der Gang aber lässig. Er streicht sich mit der rechten Hand zweimal kurz eine Strähne aus der Stirn, schüttelt die Hand aus und lässt sie in der Hosentasche verschwinden. Ein Trainer auf dem Catwalk. Ob er sich bloss inszenieren will, bleibt sein Geheimnis. Jedenfalls suggeriert er eine unverschämte Coolness, wie er während des Spiels gegen Holland einem Balljungen den Ball aus dem Arm schlägt. Während des Spiels? Die Szene wird uns in der 22. Minute gezeigt, als das Spiel noch 0:0 stand. Später kommt raus: Löw hatte sich den Klamauk vor dem Anpfiff gegönnt. Vom Hörensagen wissen wir, dass es Zuschauer gibt, die politische Botschaften verkünden wollen. Oder solche, die Pyros zünden. Auch gab es einen Flitzer, der während eines Spiels den kroatischen Trainer geküsst hat. Live sehen wir aber das, was die Uefa sehen will.

Die Lüge Brust raus. Jogi Löw erhebt sich von der Trainerbank. Der Blick ist streng. Die Kadenz beim Kaugummikauen hoch. Löw wirkt angespannt, der Gang aber lässig. Er streicht sich mit der rechten Hand zweimal kurz eine Strähne aus der Stirn, schüttelt die Hand aus und lässt sie in der Hosentasche verschwinden. Ein Trainer auf dem Catwalk. Ob er sich bloss inszenieren will, bleibt sein Geheimnis. Jedenfalls suggeriert er eine unverschämte Coolness, wie er während des Spiels gegen Holland einem Balljungen den Ball aus dem Arm schlägt. Während des Spiels? Die Szene wird uns in der 22. Minute gezeigt, als das Spiel noch 0:0 stand. Später kommt raus: Löw hatte sich den Klamauk vor dem Anpfiff gegönnt. Vom Hörensagen wissen wir, dass es Zuschauer gibt, die politische Botschaften verkünden wollen. Oder solche, die Pyros zünden. Auch gab es einen Flitzer, der während eines Spiels den kroatischen Trainer geküsst hat. Live sehen wir aber das, was die Uefa sehen will.

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Die Haarspalter Cristiano Ronaldo Superstar böte auch ohne Frisurenwechel zur Halbzeit für Gesprächsstoff. Ob Aberglaube, vermeintliche Verwirrtaktik oder pure Eitelkeit den Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft dazu bringen, die Halbzeit gerne für ein kleines Styling zu nutzen, darüber darf gerätselt und gestritten werden. Auch im EM-Studio des Schweizer Fernsehens lieferte Ronaldos Haarpracht mehr als einmal Gesprächsstoff. Gottseidank verfügt der Sender mit Stil-Ikone Gilbert Gress, dem komplett kahlen Ober-Schiedsrichter Carlo Bertolini und dem punkto Frisuren mit allen Haarwassern gewaschenen Alain Sutter ja über genügend haartechnisches Fachwissen.

Die Haarspalter Cristiano Ronaldo Superstar böte auch ohne Frisurenwechel zur Halbzeit für Gesprächsstoff. Ob Aberglaube, vermeintliche Verwirrtaktik oder pure Eitelkeit den Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft dazu bringen, die Halbzeit gerne für ein kleines Styling zu nutzen, darüber darf gerätselt und gestritten werden. Auch im EM-Studio des Schweizer Fernsehens lieferte Ronaldos Haarpracht mehr als einmal Gesprächsstoff. Gottseidank verfügt der Sender mit Stil-Ikone Gilbert Gress, dem komplett kahlen Ober-Schiedsrichter Carlo Bertolini und dem punkto Frisuren mit allen Haarwassern gewaschenen Alain Sutter ja über genügend haartechnisches Fachwissen.

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