Stadtpräsident
Roland Christen: «Ein Parlament braucht eine Streitkultur»

Roland Christen (SVP) übernimmt das einjährige Amt als Stadtratspräsident von Christoph Kuert (FDP). Der neue Stadtpräsident im Interview über eine Redezeitbeschränkung und die Zukunft Langenthals.

Tobias Granwehr
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Roland Christen freut sich auf sein neues Amt. tg

Roland Christen freut sich auf sein neues Amt. tg

Solothurner Zeitung

Roland Christen ist ein erfahrener Lokalpolitiker und eine ganz andere Persönlichkeit als sein Vorgänger. Während Kuert ein ruhiger, zurückhaltender Mensch ist, gehört Christen zu den offenen und kommunikativen Vertretern der Stadtpolitik. Christen freut sich auf seine neue Herausforderung, will aber nicht alles auf den Kopf stellen. «Der Ratsbetrieb ist gegeben», sagt er und will seinen Einfluss nicht überbewerten.

Roland Christen, das Stadtratsjahr beginnt mit einem szenischen Spiel zu einer Episode der Langenthaler Geschichte. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Roland Christen: Das Jubiläum 1150 Jahre Langenthal hat auch etwas mit Politik zu tun. Es freut mich, wenn ich allen Langenthaler Politikern etwas von dieser Geschichte mitgeben kann. Mir war es dabei wichtig, Langenthaler Kulturpersönlichkeiten miteinzubeziehen. Dazu gehören unter anderen Stadtchronist Simon Kuert, Theaterleiter Reto Lang, Musikschulleiter Rainer Walker und Schriftsteller Pedro Lenz. Dass sich diese vier Personen für ein kurzes Theater zusammentun, ist für mich ein Höhepunkt des Jahres.

Pedro Lenz ist viel beschäftigt. Hat er für dieses Stück einfach spontan zugesagt?

Simon Kuert hat den Kontakt geknüpft. Lenz hat sofort Ja gesagt.

ie sind eine ganz andere Persönlichkeit als Ihr Vorgänger Christoph Kuert. Ändert sich der Ratsbetrieb jetzt komplett?

Nein. Der Ratsbetrieb ist gegeben. Der Gemeinderat gibt den Takt vor, indem er Geschäfte vorlegt oder Vorstösse zur Erheblich- oder Nichterheblicherklärung vorschlägt. Ich habe jedoch nach Absprache mit dem Gemeinderat die Möglichkeit, die Anzahl Traktanden pro Sitzung zu bestimmen.

Zum Teil wurde im Stadtrat im vergangenen Jahr die Redezeit, für die es keine Beschränkung gibt, stark ausgereizt. Werden Sie in solchen Situationen allenfalls eingreifen?

Ich probiere, meine Kolleginnen und Kollegen ausreden zu lassen. Aber es muss sachlich sein und das Wesentliche in Kürze zusammenfassen. Ob ich von meinem Recht, Stadträte zu unterbrechen, Gebrauch machen werde, weiss ich jetzt noch nicht. Das kommt wohl auf die Situation an.

Als Lokalpolitiker haben Sie viel Erfahrung. Was können Sie davon in den Stadtrat einbringen?

Ich habe ein gutes politisches Gespür. Für mich steht die Sach- und nicht die Parteipolitik im Vordergrund. Durch meine Führungserfahrung auf Fraktions- und Parteiebene kenne ich zudem die Nöte der Bevölkerung.

Der Stadtratspräsident hat nebst der Ratsleitung bloss eine repräsentative Funktion.

Ich sehe das positiv: Ich freue mich, das Amt als höchster Langenthaler ausüben zu dürfen. Ich habe keinen Geltungsdrang. Wenn ich irgendwo eingeladen werde, gehe ich als Vertreter der Stadt gerne hin. Es wird diesbezüglich zudem keine Differenzen mit dem Stadtpräsidenten geben. Er ist der Vertreter des Gemeinderates – und vertritt die Stadt gegen innen und aussen sehr gut.

Also ist diese Funktion für Sie keine undankbare Aufgabe?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe zum Beispiel an den ersten beiden Anlässen des Jubiläumsjahres teilgenommen. Das war für mich als neuer Stadtratspräsident Ehrensache. Ich habe mich ja gern für dieses Amt zur Verfügung gestellt.

Einige Fraktionen vertreten die Meinung, das politische Klima habe sich in Langenthal verbessert, nachdem es in der vergangenen Legislatur etwas rau gewesen sei.

Allgemein kann ich sagen: Der Ratsbetrieb in Langenthal läuft gut. Das Klima unter den Fraktionen ist ebenfalls gut. Wir sind uns glücklicherweise nicht immer einig; es kann nicht immer harmonisch sein. Ein Parlament braucht eine Streitkultur. Die Fraktionen werden natürlich auch geprägt von einzelnen Stadträtinnen und -räten. Da gab es in der Vergangenheit sicher den einen oder anderen, der manchmal ausscherte. In der Tat ist es aber gegenüber der vergangenen Legislatur in der jetzigen ruhiger geworden.

Ist Langenthal auf dem richtigen Weg?

Ja, die Stadt ist auf dem richtigen Weg. Wie andere denke ich manchmal zwar: Früher war es mit weniger Geld fast einfacher als jetzt. Durch die onyx-Gelder haben wir allerdings die Perspektive, weiterzukommen. Zum Beispiel beim Bahnhof- oder Markthallenareal oder im Bildungswesen haben wir jetzt bessere Möglichkeiten. Es gibt uns die Chance, die Stadt bis 2020 oder 2030 besser zu positionieren. Als positiv erachte ich auch, dass es in Langenthal keine Skandale gibt.

Das vergangene Jahr war für das Image der Stadt sicher förderlich.

Auf jeden Fall. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat die Stadt in die nationalen Medien gebracht. Allerdings geht das gute Image aus meiner Sicht noch weiter zurück. Regierungsrat Hans-Jürg Käser positionierte die Stadt durch seine Wahl kantonal bereits besser. Mit Thomas Rufener, Käser und SchneiderAmmann haben wir jetzt drei hervorragende Vertreter auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene.

In Ihr Präsidialjahr fällt das 1150-Jahr-Jubiläum der Stadt. Was bedeutet Ihnen das?

Für mich ist selbstverständlich: Das 1150-Jahr-Jubiläum soll gefeiert werden. Als Stadtratspräsident ist das aber nicht der Höhepunkt meines Jahres. Sicher wichtig wird die offizielle Einweihung des neuen Wuhrplatzes, die ebenfalls in das Jubiläumsprogramm integriert ist. Ich hoffe, dass das Jubiläumsjahr in die Geschichte eingehen wird.

Wo sehen Sie die Stadt in 50 Jahren, wenn Langenthal sein 1200-Jahr-Jubiläum feiern kann?

Die Stadt wird grösser sein. Ich rechne damit, dass es bis dann aus politischen Gründen Zusammenschlüsse von Gemeinden geben wird. Als Zentrum des Oberaargaus wird es ein wirtschaftliches Wachstum geben. Der Autobahnzubringer verbindet den Jurasüdfuss direkt mit Langenthal. Unsere Firmen in der Stadt stehen nicht still. In den Bereichen Bildung und Kultur wird Langenthal noch wichtiger sein. Vor allem das sanierte Stadttheater wird viel dazu beitragen. Die Stadt hat viel Potenzial und wird nicht stillstehen, davon bin ich überzeugt. Wichtig erscheint mir aber, dass Änderungen von unten nach oben passieren. Man kann als Stadt niemanden vereinnahmen und andere Gemeinden einfach übernehmen.

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