Gubrist
Riesenkran lässt 100 Tonnen schwere Brücketeile schweben

Ein Riesenkran baut die Autobahnbrücke über die Wehntalerstrasse zurück. Das Bauwerk wird verbreitert.

Pascal Gut
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Rückbau Wehntalerstrasse Der 750 Tonnen schwere Raupenkran mit seinem 85 Meter langen Ausleger ist bereit für den nächtlichen Einsatz.
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Rückbau Wehntalerstrasse
Rückbau Wehntalerstrasse Der Kran wird mit 350 Tonnen stabilisiert.
Rückbau Wehntalerstrasse
Rückbau Wehntalerstrasse Der Brückenteil für die Autobahnspuren Richtung Bern/Basel wurde in sechs je 100 Tonnen schwere Teile zerschnitten, welche in den nächsten Nächten einzeln herausgehoben werden müssen.
Rückbau Wehntalerstrasse Das hundert Tonnen schwere Brückenelement wird vorsichtig herausgehoben und entfernt.
Rückbau Wehntalerstrasse
Rückbau Wehntalerstrasse

Rückbau Wehntalerstrasse Der 750 Tonnen schwere Raupenkran mit seinem 85 Meter langen Ausleger ist bereit für den nächtlichen Einsatz.

Pascal Gut

An der Baustelle nahe des Katzensees kurz nach dem Gubristportal in Affoltern herrscht eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre vor. Der mächtige Raupenkran LR 1750/2, dessen 84 Meter langer Ausleger in den Abendhimmel hochragt, zieht die Blicke auf sich. Er ist ein ehrfurchtgebietender Koloss mit seinen 750 Tonnen. Seine Aufgabe besteht an diesem Sonntagabend darin, zwei je 100 Tonnen schwere Betonplatten aus der nördlichen Hälfte der Autobahnbrücke über die Wehntalerstrasse zu hieven.

Denn die Brücke muss im Zuge des Ausbaus der Zürcher Nordumfahrung auf sechs Spuren durch eine breitere ersetzt werden. Der Verkehr wird derweil über die südliche Brückenhälfte geführt. Voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2019 sollen die Autos auf sechs Spuren über das neue Bauwerk fahren.

«Was hier passiert, ist einerseits gross und gigantisch, andererseits aber auch ganz ruhig und langsam.»

Erik Frach Chefbauleiter

Die ersten Vorarbeiten sind bereits geleistet. Mit einer diamantbestückten Seilfräse wurde der Brückenteil bereits in sechs Einzelteile von je 100 Tonnen Gewicht zerschnitten. Pro Nacht sollen jeweils zwei Elemente herausgehoben und auf die andere Seite der Strasse gehievt werden. Danach werden die 16 mal 6 Meter grossen Betonplatten noch vor Ort auf der Baustelle von einem Bagger zertrümmert und schliesslich abtransportiert. Am Mittwoch wird der Abbau des Teilstücks in Fahrtrichtung Bern/Basel fertig sein.

Weicher Untergrund

Die grösste Herausforderung für die Arbeiten sieht Chefbauleiter Erich Frach im weichen Untergrund vor Ort. Erst relativ spät habe man nämlich festgestellt, wie wenig tragfähig der Boden sei, sagt er anlässlich des Medientermins auf der Baustelle. Der aus Sand und Torf bestehende Untergrund musste deshalb stabilisiert werden, damit der Kran nicht einfach einbricht. Der Untergrund wurde mit drei Schichten verstärkt: zuunterst eine vier Meter dicke Schicht aus umweltverträglichem Bindemittel, gefolgt von einer 30 Zentimeter dicken Holzschicht und einer ebenso dicken Stahlmatratze.

Trotz dieser Vorkehrungen müssen während des Prozederes der Untergrund und die Lage des Krans die ganze Zeit überwacht und kontrolliert werden. Der Kran selbst sei allerdings mit hochmodernen Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet, sodass eigentlich nichts passieren könne, ausser jemand würde absichtlich die Geräte manipulieren, so Frach. «Was hier passiert, ist einerseits gross und gigantisch, andererseits aber auch ganz ruhig und langsam», hält er fest.

Zuerst wird das 100 Tonnen schwere Brückenelement mit sogenannten Verankerungsschuhen an den vier Stahlseilen des Krans befestigt. Danach wird der Kran mit Gegengewichten von insgesamt 350 Tonnen stabilisiert. Für den Aufbau des Krans und den Transport der Gewichte waren insgesamt vierzig Lastwagen im Einsatz. Ruhig und langsam geht alles voran. Neben dem Kran werden vier Betonsockel bereit gestellt. Frach nennt sie liebevoll die «Legosteine», auf denen das Brückenelement schliesslich abgelegt werden soll.

Dann kurz nach 21 Uhr stoppt die Polizei den Verkehr. Ganz langsam löst sich ein Teil der Brücke und erhebt sich in die Luft. Das faszinierende Schauspiel ist nichts für Ungeduldige. Alles geht wie in Zeitlupe voran, manchmal kann man die Bewegung mit blossem Auge kaum erkennen. Nichtsdestotrotz beobachten die Personen auf der Baustelle und einige Passanten, die wahrscheinlich auf dem Heimweg vom Katzensee waren, das Schauspiel fasziniert. Stellt man sich üblicherweise Bauarbeiten als lärmig und hektisch vor, erlebt man hier das pure Gegenteil. Zusammen mit dem schönen Frühsommerabend kommt eine fast schon meditative Stimmung auf. Es dauert noch rund dreissig Minuten bis die Betonplatte über die Strasse gehoben und punktgenau auf den «Legosteinen» abgestellt ist.

Ausbau Nordumfahrung

Neue Gubriströhre nimmt im Sommer 2022 in Betrieb auf

Der Ausbau der Nordumfahrung zwischen Limmattaler Kreuz und Zürich Nord wird voraussichtlich Ende 2025 abgeschlossen. Herzstück des Projektes ist der Bau der dritten Gubriströhre. Gemäss aktueller Planung starten die Sprengarbeiten im Portalbereich auf der Seite Zürich-Affoltern im September dieses Jahres. Der Tunnel wird voraussichtlich im Herbst 2019 ausgebrochen sein und die neue Röhre im Sommer 2022 in Betrieb gehen. Sobald der Verkehr dort auf drei Spuren in Richtung Basel/Bern rollt, werden die beiden bestehenden Röhren abwechslungsweise geschlossen und saniert. In dieser Phase stehen für den Verkehr in Richtung St. Gallen – wie heute – zwei Fahrstreifen zur Verfügung. Ab Ende 2025 werden es dann vier Spuren in den heutigen Tunnelröhren sein, sodass ab diesem Zeitpunkt am Gubrist insgesamt sieben statt vier Fahrstreifen zur Verfügung stehen.

Obwohl alles etwas länger als geplant dauerte, ist Frach erleichtert. «Doch, doch, bei so was ist man schon sehr angespannt», sagt er. «Jetzt ist zumindest mal ein Sechstel der Anspannung weg.» Er lacht. Der Verkehr hat sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt, darf so lange rollen, bis das zweite Element gehoben wird. Und dann sind hoffentlich schon bald zwei Sechstel Anspannung weg.